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Klaus Allofs managt ab sofort den VfL Wolfsburg.
Klaus Allofs managt ab sofort den VfL Wolfsburg.(Foto: dpa)

Ende einer Ära bei Werder Bremen: Allofs erliegt Wolfsburgs Charme

"Es war einfach die Gelegenheit". So nüchtern begründet Fußballmanager Klaus Allofs seinen spektakulären Wechsel von Werder Bremen zum VfL Wolfsburg. Werder, wo Allofs dreizehn Jahre lang eine Ära geprägt hatte, verabschiedet ihn frostig. Nun wird spekuliert, wer Allofs' "riesige Fußspuren" füllen könnte. Und was Trainer Thomas Schaaf macht.

Ein Händedrück mit Aufsichtsratschef Willi Lemke besiegelte das Ende der Ära Allofs in Bremen.
Ein Händedrück mit Aufsichtsratschef Willi Lemke besiegelte das Ende der Ära Allofs in Bremen.(Foto: dapd)

Am Ende seiner dreizehnjährigen Amtszeit ist Klaus Allofs noch einmal ein spektakulärer Wechsel geglückt, für Werder Bremen ist das eine Hiobsbotschaft. Denn der Verein, mit dem Allofs verwachsen schien wie Uli Hoeneß mit dem FC Bayern und zuletzt trotzdem nicht mehr richtig froh wurde, ist ab sofort nur noch sein Ex-Klub. Die Glückwünsche von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge für Allofs' letzten Coup als Werder-Angestellter, sie gehen an den VfL Wolfsburg. Der wird, ist Rummenigge überzeugt, "einen guten Mann kriegen". Denn der hat ab sofort einen neuen Manager: Klaus Allofs.

Nach tagelangen Dementis, Spitzfindigkeiten und Wortklaubereien war der spektakulärste Manager-Wechsel in der Geschichte der Fußball-Bundesliga am Morgen als perfekt gemeldet worden. Am Nachmittag bestätigte auch Bremen den Abschied seines Machers. Für die Bundesliga endet damit eine Woche aufgeregter Spekulationen, die seit den ersten Gerüchten über einen Wechsel am vergangenen Donnerstag nicht abgerissen waren. Zu surreal erschien dieser plötzliche Wechsel mitten in der Saison. Zu unpassend für einen wie Allofs, der vielen als unkrawallige Variante von Uli Hoeneß gilt. Zu abrupt, um eine Ära zu beenden.

Tränen, Umarmung, Blumen - Fehlanzeige

"Der Grund ist nicht Unzufriedenheit, Querelen oder fehlende Perspektive", sagte Allofs: "Es war einfach die Gelegenheit." Es habe schon häufiger in der langen Zeit bei Werder Anfragen anderer Clubs gegeben, aber "dieses Mal war ich bereit. Das ist auch eine Sache des Gefühls. Die Zeichen stehen auf Veränderung".

Werder wurde von Allofs' Wechselwunsch "kalt erwischt", gab Aufsichtsratschef Willi Lemke zu. Der sparte sich bei der recht frostigen Verabschiedung große Emotionen: Tränen, Umarmung, Blumen - Fehlanzeige. Nur ein kühler Händedruck beendete nach 13 Jahren die Ära von Klaus Allofs bei Werder Bremen. Während der 48-minütigen Pressekonferenz vermieden der scheidende Manager und Bremens Aufsichtsratschef Willi Lemke jeden Augenkontakt. Das Verhältnis zwischen den beiden Alpha-Tieren gilt trotz gegenteiliger Behauptungen als vergiftet. Lemke bestätigte denn auch, nicht groß um Allofs gekämpft zu haben: "Ich habe keine Chance gesehen, ihn umzustimmen."

Den Erfolg zurückgebracht

Dreizehn Jahre lang arbeiteten Manager Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf gemeinsam bei Werder Bremen.
Dreizehn Jahre lang arbeiteten Manager Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf gemeinsam bei Werder Bremen.(Foto: dpa)

Dass Allofs zum Abschied seinerseits erklärte, in den letzten Monaten in Bremen wieder soviel Spaß gehabt zu haben wie lange nicht mehr, wird Verein und Fans kaum trösten. Er geht ja trotzdem. Für Werder endet mit seinem Abschied eine lange Phase von Kontinuität. Seit Oktober 1999 hatte er bei Werder in verantwortlichen Positionen im Verein gearbeitet, zunächst als Vorstandsmitglied, zuletzt als Vorsitzender der Geschäftsführung. Mit Allofs an der Seite von Schaaf, der seit Mai 1999 im Amt ist, waren nach den Chaos-Jahren seit dem Abschied von Otto Rehhagel 1995 der sportliche und finanzielle Erfolg an die Weser zurückgekehrt.

Jetzt wird er beim VfL Wolfsburg Nachfolger des am 25. Oktober entlassenen Alleinherrschers Felix Magath als Geschäftsführer Sport. Unbestätigten Berichten zufolge soll Allofs einen Vertrag bis 2016 erhalten und sein Gehalt auf rund drei Millionen Euro pro Jahr verdoppeln. Zudem hat Allofs auch bei Transfers mehr Geld zur Verfügung als im klammen Bremen, wo ihm und Trainer Schaaf zuletzt das Glück etwas abhanden gekommen war. Das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg 2004 und sechs Champions-League-Teilnahmen innerhalb von sieben Jahren gehören zur Erfolgs-Bilanz der beiden. Zuletzt verpasste Werder jedoch zweimal hintereinander den internationalen Wettbewerb - genau wie der VfL Wolfsburg, der für die Dienste von Allofs offenbar einen mittleren einstelligen Millionenbetrag an Werder überweist.

"Riesige Fußspuren"

Wer Allofs "riesige Fußspuren" bei Werder als Sportchef und neuer Vorsitzender der Geschäftsführung ersetzt, ließ Lemke vorerst offen. Er deutete jedoch an, dass der Verein eine Doppellösung favorisiere. "Wir haben ein Anforderungsprofil für einen Nachfolger erstellt", sagte Lemke: "Über Namen möchten wir zu diesem Zeitpunkt aber nicht sprechen." Andernorts wird über den langjährigen Werder-Kapitän Frank Baumann als Topkandidat gesprochen, und Dietmar Beiersdorfer. Der Sportdirektor des russischen Spitzenklubs Zenit St. Petersburg teilte auf Anfrage zu Kontakten zu Werder nur mit: "Dazu möchte ich mich nicht äußern." Beiersdorfer müsste aus seinem Vertrag herausgekauft werden, gilt allerdings als Intimus von Thomas Schaaf.

Der Werder-Coach, über dessen Wechsel nach Wolfsburg ebenfalls spekuliert worden war, soll laut Lemke in die Nachfolger-Suche "eng eingebunden" werden. Dass der Coach seinem langjährigen Kollegen zum VfL folgt, gilt als unwahrscheinlich. Einen Kommentar zum Abschied seines Vertrauensmanns in der Werder-Geschäftsführung verweigerte er jedoch, die Journalisten ließ er unwirsch stehen.

"In zwei Wochen sehen wir uns schon wieder"

Die Bremer Profis zeigten sich vom Allofs-Abschied wenig überrascht. "Wir konnten uns ja einige Tage darauf vorbereiten", sagte Stürmer Nils Petersen: "Jetzt müssen wir damit umgehen." Mit Blick auf das Nordderby am 24. November sagte Torwart Sebastian Mielitz: "In zwei Wochen sehen wir uns schon wieder."

Spieler und Offizielle des VfL Wolfsburg freuen sich indes auf den Wechsel. "Ich bin sehr glücklich", kommentierte der brasilianische Mittelfeldspieler Diego: "Er ist einer der besten Manager Deutschlands." Der von Allofs ebenfalls nach Deutschland geholte Verteidiger Naldo sagte: "Es ist gut für uns alle, dass er kommt."

Allofs zukünftiger Geschäftsführer-Kollege Thomas Röttgermann meinte: "Wir freuen uns, dass er nach Wolfsburg kommt. Er ist ein profilierter Manager, der uns weit nach vorne bringen wird." Lorenz-Günther Köstner, der Magath als Trainer gefolgt war, betonte: "Die Klarheit ist das Wichtigste. Klaus bringt viel Erfahrung mit. Die Zusammenarbeit muss sofort stattfinden." Ob Köstner im Amt bleibt, wird zu Allofs' ersten Entscheidungen in seinem neuen Job gehören.

Zur Personalie Schaaf als möglichem neuen Trainer sagte Allofs bei seiner Verabschiedung: "Es gibt keinen Auftrag oder eine Taktik aus Wolfsburg nach dem Motto: Jetzt nehmen wir den einen, dann holen wir den anderen." Er fügte aber an: "Ich kann Ihnen nicht sagen, was irgendwann einmal sein wird. Ich kann das nicht für alle Zeiten ausschließen."

Quelle: n-tv.de

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