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Manfred Amerell wurde 65 Jahre alt.
Manfred Amerell wurde 65 Jahre alt.(Foto: picture alliance / dpa)

Ursache wohl Herzinfarkt : Der Tod des Manfred Amerell

Der ehemalige Referee und Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell stirbt im Alter von 65 Jahren. Die Todesursache ist einem Medienbericht zufolge Herzinfarkt. Erst in zwei Wochen sollen weitere Ergebnisse der Untersuchung bekannt gegeben werden.

Im Todesfall Manfred Amerell hat eine Obduktion Fremdeinwirkung als Ursache ausgeschlossen. Weitere Ergebnisse der Untersuchung des am Dienstag aufgefundenen Leichnams des ehemaligen Schiedsrichter-Sprechers werden in zwei Wochen erwartet.

Im Todesfall Manfred Amerell verfolgen die Ermittler bisher keine Selbstmord-Theorie und schließen nach einer Obduktion auch Fremdeinwirkung schon aus. "Die Auffindesituation war nicht ungewöhnlich und lässt darauf deuten, dass kein Unfallgeschehen, Fremdverschulden oder Suizid vorliegt", sagte Kommissar Frank Hellwig von der Münchner Polizei über den Tod des 65 Jahre alten Ex-Fußballschiedsrichters. Laut Informationen der "Bild"-Zeitung sollen die Gerichtsmediziner als Todesursache einen Herzinfarkt festgestellt haben.

Amerells Leichnam war am Dienstag in der Münchner Wohnung des früheren Sprechers der deutschen Referee-Gilde gefunden worden und befand sich aufgrund äußerer Umstände in schon so stark verwestem Zustand, dass erst der Abgleich des Zahnschemas bei einer Obduktion die Identität zweifelsfrei klären konnte. Weitere Erkenntnisse über die Todesursache des vor gut drei Jahren durch die Schiedsrichter-Affäre in die Schlagzeilen geratenen Bayern erhoffen sich die Ermittler von den Ergebnissen eines toxikologischen Gutachtens, die laut Polizeiangaben in rund zwei Wochen erwartet werden.

"Ich existiere nur noch"

Amerells Tod, anscheinend einsam und von seiner Umwelt mehrere Tage lang unbemerkt, beendete das schwerste Spiel im Leben des früheren Schiedsrichter-Sprechers vorzeitig und bedeuten den tragischen Schlusspunkt hinter seinen Kampf um Rehabilitierung. Bis zuletzt schien Amerell als Schlüsselfigur des Schiedsrichter-Skandals von 2010 für Beobachter damit beschäftigt, seinen Ruf wiederherzustellen, der durch die Affäre um angebliche Sex-Kontakte zum ehemaligen FIFA-Schiedsrichter Michael Kempter und folgende Auseinandersetzungen auch mit dem DFB angeschlagen war.

"Seit dem 1. Februar 2010 lebe ich nicht mehr, ich existiere nur noch", hatte Amerell im vergangenen Frühjahr gesagt und damit die Auswirkungen der öffentlichen Schlammschlacht beschrieben. Auch nach einem zivilrechtlichen Vergleich mit Kempter vor Jahresfrist fand Amerell keine Ruhe: "Meine Lebensqualität geht gegen null. Und das ist bis zum Tod nicht mehr zu korrigieren, das nimmt man mit ins Grab."

Wegbegleiter des Ex-Referees berichteten nach dem Fund der Leiche, dass Amerell noch Klagen gegen den früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger sowie ehemalige Schiedsrichter-Kollegen wegen unzutreffender Aussagen bei der Aufklärung der Kempter-Affäre geplant und sich davon beinahe schon verzweifelt weitere Genugtuung versprochen habe. Nach Ansicht seines ehemaligem Kollegen Bernd Heynemann waren Amerells letzten fast drei Lebensjahre von der Affäre geprägt. "Die Auseinandersetzung hat ihn sehr hart getroffen. Er hat um seine Rehabilitierung gekämpft, das hat sehr viel Kraft gekostet. Das war psychisch eine sehr hohe Belastung für ihn", sagte der frühere FIFA-Schiedsrichter beim Sportnachrichtensender Sky Sport News HD.

Auf Anrufe nicht reagiert

Beim DFB löste die Nachricht "Betroffenheit und Anteilnahme" aus, wie Mediendirektor Ralf Köttker in mitteilte. In seinem Kampf um größtmögliche Wiedergutmachung geriet Amerell jedoch anscheinend auch außerhalb des Fußballs zunehmend in Isolation. "Der letzte Lebendkontakt erfolgte unseren Erkenntnissen zufolge vor einer Woche", berichtete Hellwig. Weil Amerell, der von seiner Ehefrau getrennt lebte und zwei Töchter hinterließ, mehrere Tage auf Anrufe nicht reagiert hatte und sein Briefkasten bereits übergequollen war, veranlasste die alarmierte Polizei die gewaltsame Öffnung seiner von innen verriegelten Fünf-Zimmer-Wohnung im vierten Stock eines Wohnhauses im Stadtteil Neuhausen durch die Feuerwehr.

Trotz fehlender Anhaltspunkte für einen unnatürlichen Tod bot sich den Einsatzbeamten anscheinend ein unangenehmer Anblick: "Die Heizung lief witterungsbedingt auf vollen Touren. Es war sehr warm in der Wohnung. Dementsprechend ist der Leichnam in einem sehr schlechten Zustand aufgefunden worden." Offenkundig auch aus Pietätsgründen wollte Hellwig denn auch Fragen zum Fundort der Leiche nicht beantworten

Quelle: n-tv.de

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