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Marco Reus und Borussia Dortmund sind jetzt Tabellenletzter. Trotzdem dürfte der BVB mit dem 0:0 in Leverkusen nicht unzufrieden sein.
Marco Reus und Borussia Dortmund sind jetzt Tabellenletzter. Trotzdem dürfte der BVB mit dem 0:0 in Leverkusen nicht unzufrieden sein.(Foto: dpa)
Samstag, 31. Januar 2015

BVB-Paradox in Leverkusen: Dortmund punktet und ist trotzdem Letzter

Von Stefan Giannakoulis, Leverkusen

In Leverkusen steht der tief gefallene BVB vor einem schweren Neustart. Die Antwort darauf: schwarzgelber Fußball-Pragmatismus. Am Ende steht die Null vorne und hinten, und die Rote Laterne leuchtet in Dortmund.

Ihr Versprechen haben die Dortmunder Borussen eingehalten. "Wir sind wettbewerbsfähig und in der Lage, wieder ein unangenehmer Gegner zu sein", hatte Trainer Jürgen Klopp vor dem Rückrundenstart bei Bayer Leverkusen angekündigt. Und das war der BVB bei seinem ersten Spiel nach einer desaströsen Hinrunde. 0:0 stand es nach 90 intensiven Minuten, was beim BVB als unbefriedigender Achtungserfolg verbucht werden dürfte.

Jürgen Klopp bleibt beim BVB als Trainer und Tröster gefragt.
Jürgen Klopp bleibt beim BVB als Trainer und Tröster gefragt.(Foto: REUTERS)

Was einerseits ein Teilerfolg gegen einen Champions-League-Aspiranten ist, war zumindest tabellarisch ein Rückschritt. Durch den 4:1-Sieg des bisherigen Schlusslichts SC Freiburg gegen die Frankfurter Eintracht ist der BVB nun Tabellenletzter.

Wichtige Prüfung nur teils bestanden

Gut sieht das nicht aus, aber völlig unerwartet dürfte das für die Dortmunder nicht sein. "Wenn man sofort in Leverkusen das beste Spiel erwartet, kann man sich nur enttäuschen", hatte BVB-Coach Klopp vor der Partie gesagt. Angespannt sei er, "richtig angespannt, wie vor einer wichtigen Prüfung". Wohl wissend, dass es für seine Borussia in dieser Rückrunde darum geht, eine der größten Blamagen in der Geschichte der Fußball-Bundesliga zu verhindern.

In der Winterpause haben sie an der Fitness gearbeitet - und die Fehler analysiert. Das dürfte viel Zeit in Anspruch genommen haben nach dieser Hinserie, in der die Dortmunder zehn von 17 Spielen verloren. Als Konkurrent des FC Bayern waren sie gestartet, als Tabellenvorletzter beendeten sie das Jahr. Und alle hatten sich gefragt: Wird es jetzt besser? Machen sie in der Abwehr weniger Fehler und vergeben sie im Angriff nicht ganz so viele Chancen? Die Antwort nach dem Remis in Leverkusen lautet: Es war tatsächlich nicht das beste aller möglichen Spiele. Aber ein Anfang ist gemacht.

Bis auf einen leicht nervösen Beginn, als Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels vor dem eigenen Tor gleich mal einen Ball verstolperte, startete der BVB ordentlich in die Partie. Die Leverkusener verbuchten zwar in der ersten Viertelstunde das für sich, was früher einmal Feldüberlegenheit hieß. Ernsthafte Torchancen aber entsprangen ihr nicht. Oder andersherum: Der BVB hielt sich bis zur Pause gut, obwohl die Dortmunder in der ersten Halbzeit die schlechteste Passquote eines Bundesligisten seit Beginn der Datenerfassung zeigten.

Schließlich war vor 30.210 Zuschauern in Leverkusen der Tabellen-17. beim Tabellendritten zu Gast. Einerseits. Andererseits war es eine Partie zweier Mannschaften, die es bis ins Achtelfinale der Champions League geschafft haben - und sich durchaus auf Augenhöhe nichts schenkten.

Hummels rettet spektakulär

Ein mitreißendes Spiel resultierte daraus aber nicht. Ein Freistoß von Marco Reus nach 28 Minuten und einer des Leverkuseners Hakan Calhanoglu vier Minuten später - viel mehr war nicht. Die größte Chance im ersten Abschnitt sahen die Zuschauer sechs Minuten vor der Pause, als Leverkusens Karim Bellarabi auf der rechten Seite nach vorne preschte, den Ball in die Mitte auf Gonzalo Castro legte, der den Ball an Torhüter Roman Weidenfeller vorbeischlenzte. Dass der Ball nicht im Tor landete, lag an Hummels, der ihn von der Linie köpfte.

Nachdem Seitenwechsel kamen beide Mannschaften mit dem erkennbaren Ansinnen zurück auf den Rasen, dem geneigten Publikum etwas mehr Spektakel zu bieten. Vor allem die Dortmunder entwickelten jetzt mehr Druck auf das gegnerische Tor, in dem Bernd Leno nach 50 Minuten einen Schuss von Ciro Immobile parierte. Der italienische Lewandowski-Nachfolger hatte als zweiter Angreifer neben dem komplett enttäuschenden Reus ansonsten so seine Schwierigkeiten mit den robusten Innenverteidigern Emir Spahic und Ömer Toprak. Aber er arbeitete und hatte in der 70. Minute eine weitere Chance. Nach Zuspiel von BVB-Neuzugang Kevin Kampl war er aber zu überrascht und setzte den Ball neben das Tor.

Eines aber wurde immer deutlicher: Klopps Mannschaft wollte an diesem Abend nicht mit nur einem Punkt zurück nach Dortmund fahren, ohne allerdings alles auf eine Karte zu setzten und die Devise "Sicherheit zuerst" in der Defensive aufzugeben. Vom Hurra-Fußball mittlerweile längst vergangener Tage war in Leverkusen nicht mehr viel zu sehen. Aber wie hatte Sportdirektor Michael Zorc nach dem Trainingslager die Misere seiner Borussia umschrieben: "Es geht nicht auf Knopfdruck. Wir müssen uns jedes Erfolgserlebnis hart erarbeiten. Die Angelegenheit wird nicht in zwei Wochen erledigt sein." Wird sie tatsächlich nicht. Aber kleinen Schritt nach vorne hat die Borussia sportlich gemacht und dabei bei der Großchance von Leverkusens Gonzalo Castro (75.) auch das nötige Glück gehabt. Die Fans des BVB feierten nach dem Schlusspfiff, wie sie ihre Mannschaft bisher stets gefeiert haben. Auch wenn die jetzt auf Platz 18 steht.

Quelle: n-tv.de

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