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"Wir müssen einfach so spielen wie die ersten 60 Minuten - nur 30 Minuten länger": Arjen Robben.
"Wir müssen einfach so spielen wie die ersten 60 Minuten - nur 30 Minuten länger": Arjen Robben.(Foto: imago/Ulmer)

Guardiola:" Das war Wahnsinn": FC Bayern beklagt Kontrollverlust

Von Tobias Wagner, Turin

Sieg verschenkt? Oder Punkt gewonnen? Eine Halbzeit zelebriert der FC Bayern in Turin im Achtelfinale der Königsklasse Fußball nahe an der Perfektion. Doch dann patzt einer, der zuvor überzeugt. Trainer Josep Guardiola feiert dennoch.

Es hätte die Szene dieses Achtelfinals in der Champions League sein können. Nachdem er nach 54 Minuten das 2:0 erzielt hatte, sprintete Arjen Robben über des Rasen auf seinen Trainer Josep Guardiola zu und umarmte ihn innig. Endlich war der Knoten geplatzt, endlich wieder hatte er für den FC Bayern getroffen. Das Tor war typisch für den 32 Jahre alten Niederländer. Wie zuvor so oft in seiner Karriere, dribbelte der Rechtsaußen fix in den Strafraum, täuschte zweimal einen Schuss an, bevor er überlegt und unhaltbar für Turins Torhüter Gianluigi Buffon mit links zur vermeintlichen Vorentscheidung einnetzte.

Teams & Tore

Tore: 0:1 Müller (43.), 0:2 Robben (55.), 1:2 Dybala (63.), 2:2 Sturaro (76.)
Juventus Turin:
Buffon - Lichtsteiner, Barzagli, Bonucci, Evra - Cuadrado, Khedira (69. Sturaro), Marchisio (46. Hernanes), Pogba - Mandzukic, Dybala (75. Morata). Trainer: Allegri
FC Bayern München: Neuer - Lahm, Kimmich, Alaba, Bernat (74. Benatia) - Vidal, Thiago - Robben, Müller, Douglas Costa (84. Ribery) – Lewandowski. Trainer: Guardiola
Zuschauer: 41.475
Schiedsrichter:
Atkinson (England)

Doch weil an diesem Dienstagabend Paulo Dybala (63.) und Stefano Sturaro (76.) für Juve noch ausglichen, sind die Aussichten der Münchner vor dem Rückspiel in drei Wochen nicht ganz so rosig, wie sie es hätten sein können. Dennoch gehen sie als Favorit in diese Partie. In den ersten 60 Minuten zeigte der FC Bayern Fußball in Perfektion. Von Beginn an nahmen die Münchener das Heft in die Hand und drängten die Gastgeber mit ihrer nervtötenden Passsicherheit in die eigene Hälfte zurück. Teilweise waren alle Bayern außer Torwart Manuel Neuer in der Hälfte von Juventus. Auch die beiden Aushilfs-Innenverteidiger Joshua Kimmich und David Alaba schalteten sich immer wieder in den Spielaufbau mit ein.

Besonders der Kimmich, 21 Jahre alt, machte in den ersten 45 Minuten eine starke Partie und wirkte, angesichts der hitzigen Stimmung im mit 41.332 Zuschauern ausverkauften Juventus Stadium, wie ein alter Hase. Bei besagten Gegentreffern sah er zwar etwas unglücklich aus, dennoch: Kimmichs Auftritt war durchaus verheißungsvoll. Das sah auch der Kollege Robben so: "Ich habe Josh sofort nach dem Spiel gesagt, dass er seinen Job für die Mannschaft supergut macht." Und Torhüter Manuel Neuer assistierte: "Es ist nicht ein Spieler, der die Schuld trägt für die Gegentore." Dabei hatten die Bayern fulminant begonnen. Bereits nach nur vier Minuten prüfte Rückkehrer Arturo Vidal, der vier Jahre lang das Trikot der Bianconeri trug, Juves Buffon mit einem fulminanten Volleyschuss.

Müller: "Ich dachte auch, jetzt scheppert's"

Und nach 13 Minuten hätte es bereits 1:0 für die Gäste stehen müssen, doch der sonst so coole Müller vergab wenige Meter vor dem Tor kläglich. "Ich dachte auch schon, jetzt scheppert's", erklärte der Nationalspieler gewohnt lässig. Kurz vor der Halbzeit traf er dann doch (43.), und die bayrische Dominanz spiegelte sich auch im Spielstand wider. Auch nach Wiederbeginn änderte sich nichts an der Überlegenheit der Bayern in Piemont. Die Gastgeber verteidigten zwar nach Kräften, doch in der Offensive gelang den Turinern herzlich wenig. Nach Robbens Treffer zum 2:0 drohte den Italienern sogar ein Debakel. Doch der bis dato so starke Kimmich klärte einen Querpass von Cuadrado schlecht und legte dem Ex-Bayern Mario Mandzukic den Ball vor die Füße, der schnell schaltete und Dybala den Ball in den Lauf legte, der alleine vor Neuer keine Mühe hatte. Juventus war aufgewacht und drängte auf den Ausgleich.

Der fiel in der 76. Minute durch den eingewechselten Sturaro, der sich im Zweikampf entscheidend gegen Kimmich durchsetzte. "Wenn man 2:0 führt, muss man das Spiel gegen einen solchen Gegner zumachen. Vor allem in der Defensive müssen wir die Kontrolle bewahren", monierte Robben. Am Ende war Juventus der moralische Sieger, die Bayern fliegen trotz zeitweise überragender Leistung nur mit einem Remis nach Hause. "Gerade nach der ersten Halbzeit sind wir phänomenal zurückgekommen und haben eine sehr gute zweite Hälfte gespielt. Deswegen sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Nach dem 0:2 gegen die Bayern noch zurückzukommen, war eine tolle Leistung", erklärte Sami Khedira, der blass blieb und ausgewechselt wurde.

Guardiola huldigte trotz der verspielten Führung seiner Mannschaft: "Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung. Wir haben 90 Minuten sehr gut gespielt. Natürlich wäre es schöner gewesen, zu gewinnen, aber wir haben gegen den letztjährigen Finalisten gespielt. Die Performance war Wahnsinn!" Auch Kapitän Philipp Lahm, der sein 100. Spiel in der europäischen Königsklasse bestritt, ordnete das Ergebnis positiv ein. "Die Champions League hat heute gewonnen. Die Zuschauer haben einiges gesehen. Mit dem 2:2 können wir leben. Das ist eine gute Ausgangslage fürs Rückspiel." Das steht erst in drei Wochen an, am 16. März. Im Stadion zu Fröttmaning weisen die Bayern eine eindrucksvolle Bilanz auf: Die jüngsten neun Heimspiele in der Champions League haben sie gewonnen. Torverhältnis: 36:4 Toren. Robben brachte es in Turin auf den Punkt: "Wir müssen einfach so spielen wie die ersten 60 Minuten - nur 30 Minuten länger."

Quelle: n-tv.de

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