Sport
"Es war nur Blut": Javi Martinez kämpfte den Ball zum Münchner 2:1-Sieg ins Celtic-Tor und nahm dabei auch persönliche Blessuren in Kauf.
"Es war nur Blut": Javi Martinez kämpfte den Ball zum Münchner 2:1-Sieg ins Celtic-Tor und nahm dabei auch persönliche Blessuren in Kauf.(Foto: imago/kolbert-press)
Mittwoch, 01. November 2017

Krampfsieg fürs CL-Achtelfinale: FC Bayern knackt Celtic mit Wut und Blut

Von Hendrik Buchheister, Glasgow

Im legendären Stadion von Celtic Glasgow zeigt sich: Der Erfolgsserie von Jupp Heynckes können auch heilige Fußball-Orte nichts anhaben. Der FC Bayern leidet in der Champions League zwar 96 Minuten. Sein Ziel erreicht er trotzdem.

Als das Spiel nach 96 Minuten vorbei war, machte sich ein Gefühl allgemeiner Zufriedenheit breit im Celtic-Park von Glasgow, diesem Mythos eines Fußball-Stadions. Der Anhang des heimischen FC Celtic begleitete die Ehrenrunde seiner Spieler mit viel Applaus. Sie hatten sich besser verkauft als erwartet in der Vorrunde der Champions League gegen den FC Bayern. Dessen Profis reihten sich derweil vor ihrem Fanblock auf, hakten sich ein - und hüpften auf und ab zu den Gesängen der Mitgereisten. Zu feiern gab es einen 2:1-Erfolg und damit verbunden den vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale.

Hüpf vor Glück: die Bayern-Profis nach Spielende.
Hüpf vor Glück: die Bayern-Profis nach Spielende.(Foto: AP)

Als die Bayern Richtung Spielertunnel gingen, bekamen sie auch von den Zuschauern auf der Haupttribüne Applaus. Die Schotten sind schließlich freundliche Sportsleute. An den Rändern des Gästeblocks gab es Bilder der Verbrüderung. Grünweiß geringelte Celtic-Schals wurden mit roten Bayern-Schals getauscht. Alles prima also.

Pflichtübung mit Stolpersteinen

Echter Überschwang herrschte natürlich nicht beim Münchner Volk. Dafür ist Celtic ein zu kleiner Gegner. Der Klub ist auf internationaler Ebene überfordert, kassierte Mitte September im Heimspiel gegen Paris Saint-Germain ein 0:5 und hatte auch beim 0:3 im Hinspiel in München keine Chance gehabt. Die Ernte der drei Punkte im Celtic-Park war eine Pflichtübung für den FC Bayern.

Und er hatte durchaus Probleme bei dieser Übung. Der Statistikbogen, der noch warm war, als er nach dem Spiel im Pressezelt hinter dem Stadion verteilt wurde, wies ein ausgeglichenes Ballbesitz-Verhältnis aus, jeweils 50 Prozent für beide Teams. Celtic hatte elf Torschüsse, die Münchner nur neun. Und nachdem Callum McGregor das Stadion zum Beben gebracht hatte mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich in der 74. Minute, sah es tatsächlich so aus, als könnte der Abend mit einer Enttäuschung für den deutschen Rekordmeister enden. Allerdings nur kurz.

Callum McGregor schenkte den Celtic-Fans drei Minuten Hoffnung auf eine Sensation.
Callum McGregor schenkte den Celtic-Fans drei Minuten Hoffnung auf eine Sensation.(Foto: imago/Eibner)

Denn die Bayern waren trotz aller Schwierigkeiten kühl, humorlos, ohne Sinn für Romantik. Beim ersten Treffer durch Kingsley Coman in der 22. Minute soll die Hand im Spiel gewesen sein, das 2:1 durch Javi Martìnez nur drei Minuten nach dem Ausgleich für die Gastgeber zog Celtics Euphorie schnell wieder den Stecker. Ohne die verletzten Thomas Müller, Franck Ribéry und Robert Lewandowski gab es keine Gala zu sehen, stattdessen schaltete der FC Bayern auf Sachlichkeit und zwischenzeitlich auf Wut um - und erfreute damit seinen Trainer.

Lust auf Kritik? Nicht bei Heynckes

Jupp Heynckes hatte keine Lust, zu kritisch mit seiner Mannschaft zu sein. Er machte mildernde Umstände geltend. "Wenn man das Spiel bewertet, muss man die vergangenen Wochen sehen", sagte er. Und die waren ja ziemlich turbulent gewesen. Carlo Ancelotti wurde vom Hof gejagt, Heynckes trat seine insgesamt vierte Traineramtszeit in München an. Zudem hatte der FC Bayern zuletzt einen fordernden Terminplan. In der vergangenen Woche ging es gleich zweimal gegen das aufstrebende Leipziger Fußball-Projekt, im Pokal und in der Liga. Beide Spiele wurden gewonnen, wie die Münchner überhaupt alle insgesamt sechs Partien unter Heynckes mit einem Erfolg beendeten. Nur das war auch das Ziel in Glasgow. "Ich finde, dass die Jungs sich richtig reingekniet haben. Die Priorität war, das Achtelfinale zu erreichen", befand der Trainer.

Es ist viel von einem möglichen Heynckes-Effekt geredet worden in den vergangenen Tagen und Wochen. Im Celtic-Park bestand dieser Effekt darin, dass die Münchner sich gegen einen hochmotivierten Gegner in einer berauschenden Atmosphäre ins Ziel gekämpft haben. "Es war nicht unser bestes Spiel, aber es war das dritte Spiel in sechs Tagen. Wir waren effektiv", schnaufte Arjen Robben. Niklas Süle merkte über den Rahmen an: "Schöner hätte man sich die Stimmung nicht vorstellen können. So etwas zu erleben, ist für einen jungen Spieler eine atemberaubende Erfahrung."

Millionen Krieger auf den Rängen

Es dürfte nicht viele Stadien in Europa geben, die lauter sind als der Celtic-Park, eine alternde Kathedrale, in der das W-Lan auf der Pressetribüne höchstens phasenweise funktioniert. Das Gebrüll der Zuschauer bei der Champions-League-Hymne vor dem Spiel klingt wie eine Armee von Millionen Kriegern, die in die entscheidende Schlacht zieht. Wenn in der 67. Minute im ganzen Stadion die Handy-Lichter angehen, um an Celtics Europapokalsieg im Jahr 1967 zu erinnern, muss man schon ein Fußballherz aus Stein haben, um nicht ergriffen zu sein.

Es passte zu diesem Kampfspiel, dass der Kämpfer Arturo Vidal nach seiner Auswechselung nach einer Stunde wütend vom Platz stapfte. Siegtorschütze Martìnez bot das perfekte Symbolbild für den Charakter der Veranstaltung. Er zog sich bei seinem Tor eine Wunde unter dem Auge zu, die zum Gruseln einlud. "Es ist nur Blut", sagte er hinterher zur Beruhigung. Außerdem war ja Halloween.

Am Samstag werden die Bayern zum Bundesliga-Spitzenspiel bei Borussia Dortmund erwartet. Diese 90 Minuten müssen sie sich noch durchschleppen. Dann sind Länderspiele. "Wir müssen nochmal alles reinlegen, dann haben wir erstmal ein bisschen Pause", sagte Robben. Eine gute Nachricht für die Partie gegen Dortmund: Torjäger Lewandowski wird wohl wieder dabei sein. Das verkündete Heynckes nach dem Sieg gegen Celtic. Es war die nächste gute Nachricht für den FC Bayern nach dem vollbrachten Einzug ins Achtelfinale der Champions League.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen