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Gut gemacht Männer!
Gut gemacht Männer!(Foto: imago/Ulmer)

Reformen - und jetzt?: Fifa in Not sendet ein Zeichen

Ein Kommentar von Stefan Giannakoulis, Zürich

Sie tun, was sie tun müssen - und stimmen den Reformen zu. Die Frage ist nur, ob die altgedienten Funktionäre der Fifa tatsächlich für einen Neuanfang stehen - oder sich in der Not nur opportunistisch verhalten.

Wer mit dem Strick um den Hals auf einem wackligen Stuhl steht und das Leben liebt, der wird den Teufel tun, freiwillig zu springen. Das geht auch Fußballfunktionären so. Will meinen: Die Fifa hat mit großer Mehrheit dieses Reformpaket angenommen, weil sie keine andere Wahl hatte. Die Zentrale des Fußballweltverbandes auf dem Zürichberg ist besetzt. Längst haben dort die Anwälte der amerikanischen Kanzlei Emanuel-Quinn die Kontrolle übernommen. Sie arbeiten mit den Strafverfolgungsbehörden aus den USA und der Schweiz zusammen, stellen den Laden auf den Kopf und suchen nach Belegen für Korruption und Geldwäsche. Die US-Justiz hatte zuvor klar signalisiert: Wenn die Fifa den Reformen nicht mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit zustimmt, kann sie als "kriminelle Organisation" eingestuft werden. Sie wäre dann nicht länger das Opfer korrupter Funktionäre, sondern selbst als Organisation der Täter. Das hätte mutmaßlich das Aus des Verbandes bedeutet.

Da begreift selbst der arroganteste Funktionär: Der Stuhl wackelt nicht nur, er ist kurz davor, zusammenzubrechen; und dass es allerhöchste Zeit ist, ein Zeichen an die Welt zu senden: Seht her, wir wollen doch - und handeln auch. Erst einmal hört sich das alles erstaunlich gut an: Die Amtszeiten werden beschränkt, es gibt einen Integritätscheck und eine Frauenquote. Die Ethikkommission, die Compliance-Abteilung, die Disziplinarkommission und das Berufungskomitee sollen das überwachen und ohne Ausnahme mit externen, unabhängigen Experten besetzt werden. Und, auch nicht ganz unwichtig: Der Präsident, den die 207 stimmberechtigen Mitgliedsländer heute noch beim Kongress im Züricher Hallenstadion wählen werden, hat weniger Macht, soll sich aus dem operativen Geschäft heraushalten und eher wie der Chef eines Aufsichtsrats. Dafür wird der Generalsekretär gestärkt - den allerdings der Präsident vorschlägt.

Das klingt in der Tat nach der Wende, die der am Rande des Abgrunds stehende Verband so dringend benötigt. Doch warum soll alles besser werden beim größten und wichtigsten Sportverband auf diesem Planten, nur weil der General nun das Sagen hat, indem er künftig eine Rolle spielt, die der eines Vorstandsvorsitzenden in einem Unternehmen gleicht? Zur Erinnerung: Der bisher letzte hieß Jérôme Valcke - und ist just von der Ethikkommission für zwölf Jahre gesperrt worden, weil er sich persönlich bereichert und geduldet hat, dass andere das auch tun. Ein opportunistisch motivierter Beschluss allein wird nicht verhindern, dass sich so etwas wiederholt, die neuen Strukturen müssen erst geschaffen werden. Viel wichtiger aber ist die Frage, ob sich mit der angekündigten Erneuerung auch die Einstellung ändert, auf dass die Fifa nicht ein Selbstbedienungsladen für geldgierige alte Männer bleibt. Sagen wir es so: Plausibel klingt das nicht. Und die Schlinge um den Hals bleibt, wo sie ist.

Quelle: n-tv.de

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