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Gibt es solche Szenen auch in Russland?
Gibt es solche Szenen auch in Russland?(Foto: dpa)

Zur Fußball-WM 2018 in Russland: Hooligans kündigen "Festival der Gewalt" an

Von Judith Günther

Es sind hässliche Bilder, die Hooligans bei der Fußball-EM in Frankreich produzieren. Vor allem massive Krawalle mit russischen Gewalttätern rufen Diskussionen auf höchster politischer Ebene hervor. Nun gibt es wieder Grund zur Sorge.

Die Bilder der Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich sind noch äußerst präsent – und zwar nicht nur die eines fröhlichen Fußballfestes im Herzen Europas. Hemmungslos prügelten im letzten Sommer Hooligans diverser Nationen aufeinander ein. Ob in Marseille, Lille oder bei der Durchreise in angrenzenden Ländern: Der Fußball zeigte damals auch seine hässliche Fratze. Spätestens seit den Geschehnissen von Dortmund ist das Thema Fan-Gewalt in aller Munde – und nun gießen russische Hooligans zusätzlich Öl ins Feuer.

Bei der EM waren von russischen Hooligans gezielt englische Fans attackiert worden.
Bei der EM waren von russischen Hooligans gezielt englische Fans attackiert worden.(Foto: picture alliance / dpa)

In einer TV-Dokumentation der BBC kündigen russische Hooligans massive Gewalt für das kommende Jahr an. Dann nämlich gastiert der internationale Spitzenfußball zur Weltmeisterschaft in Russland. Gegenüber der BBC sprechen die gewaltbereiten Anhänger von einem "Festival der Gewalt", das sich vor allem gegen englische Fans richten soll. Vor dem Hintergrund der Gewaltexzesse in Frankreich, wo sich vor allem russische und englische Hooligans regelrechte Straßenschlachten lieferten, kann und muss man derartige Aussagen ernstnehmen.

"Spezielle militante Kräfte"

Über die Verbindungen der Täter zur höchsten russischen Führungsebene wurde bereits damals spekuliert. Mit Aussagen in der TV-Dokumentation gibt der mutmaßliche Anführer der Krawalle von Marseille den Anschuldigungen neuen Nährboden. Die Gewalttäter, so der Mann, seien "spezielle militante Kräfte", die "von Wladimir Putin persönlich" ausgeschickt worden seien, um "Europa zu erobern".

Was leicht als testosterongesteuerte Provokation eines Einzelnen abgetan werden kann, wirkt umso brisanter, ruft man sich die Vorfälle der EM in Erinnerung. Zwar wurde auf russischer Seite pflichtgemäß die Gewalt russischer Fans gerügt, doch viel mehr auch nicht. Präsident Putin und sein Sportminister Witalij Mutko sahen die Schuld nicht etwa bei den prügelnden Fans, sondern machten die französischen Organisatoren verantwortlich.

Bilderserie

Igor Lebedew, ein Vizepräsident der Duma und Vorstandsmitglied des russischen Fußballverbandes, sagte sogar öffentlich, er könne "nichts Schlimmes" an kämpfenden Fans finden, die ohnehin nur "die Ehre Russlands" verteidigt hätten. Eher im Gegenteil. "Bravo, Jungs. Macht weiter so!", schrieb der Politiker auf Twitter. Nicht zufällig beschäftigt besagter Lebedew den Anführer des Allrussischen Fanverbandes, Alexander Schrprygin, als Mitarbeiter. Der wurde in Frankreich mit einer offiziellen Akkreditierung festgenommen, gilt als Rädelsführer russischer Fangruppen und forderte in der Vergangenheit eine russische Nationalmannschaft "mit slawischen Gesichtern".

Kontakte in den Kreml

Mit ihren hervorragenden Kontakten zu Politik und Behörden brüsten sich russische Hooligans gerne – und das scheint nicht nur einseitig zu sein. Deutlich wurde das, als der russische Außenminister Lawrow im Streit um die Abschiebung russischer Hooligans aus Frankreich seinen französischen Kollegen einbestellte. Der Vorwurf: Russen würden "diskriminiert".

Bei der Europameisterschaft in Frankreich durfte Russland nach den Krawallen nur unter Bewährung weiterspielen: Die Disziplinarkommission der Uefa verurteilte den russischen Verband außerdem zu einer hohen Geldstrafe. Doch sollte es in Russland, wo die gewalterprobten Unruhestifter ein Heimspiel haben, zu vergleichbaren Vorfällen kommen, wie wird die Fifa dann reagieren? Bisher scheint es jedenfalls nicht, als würden die Verbände dem Thema große Bedeutung beimessen. Fifa-Präsident Gianni Infantino teilte am Donnerstag auf einer Veranstaltung in Katar mit, die Drohung der Hooligans mache ihm "nicht die geringste" Angst.

Nach der EM waren Stimmen laut geworden, die WM-Vergabe nach Russland angesichts der schockierenden Vorfälle zu überdenken. "Noch ist Zeit für eine Neuvergabe für die Fifa. Die Fifa muss endlich handeln", forderte der Grünen-Sprecher für Sportpolitik vor acht Monaten. Dieses Zeitfenster gibt es inzwischen nicht mehr.

Quelle: n-tv.de

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