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(Foto: picture alliance / dpa)

"Sekundenlange Loyalität": Kartellamt prüft EM-Ticketpraxis des DFB

Wer sich über den DFB um Karten für die Fußball-EM 2016 bewerben will, muss vorher Mitglied im DFB-Fanklub werden. Das kostet viel Geld, empört viele Fans - und ist nach Meinung von Experten rechtswidrig. Das Kartellamt überprüft diese Praxis nun.

Dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) droht abseits des Skandals um die WM 2006 weiterer Ärger. Das Bundeskartellamt prüft nach Informationen des Deutschlandfunks die Rechtmäßigkeit der EM-Ticketvergabe des DFB, deren Prozedere viele deutsche Fußballfans empört. Grund ist die Kupplung von Ticketbestellung mit der Mitgliedschaft im "Fan Club Nationalmannschaft". Nur wer bereits Mitglied war oder es bei der Bestellung für 10 Euro Beitrittsgebühr und 30 Euro Jahresbeitrag wurde, konnte sich in den bisherigen beiden Verkaufsphasen um Tickets bewerben.

Nach Ansicht des Münchner Kartellrechtlers Mark E. Orth ist das ein rechtswidriges Kopplungsgeschäft. Der DFB missbrauche damit seine marktbeherrschende Stellung zur Akquise neuer Fanklub-Mitglieder, wobei eine erfolgreiche Kartenbestellung nicht einmal garantiert sei.

Als Grund für den Verteilmodus hatte DFB-Sprecher Jens Grittner im Dezember 2015 zwei Argumente angeführt: "Zum einen können wir so ausschließen, dass unter den Bestellern welche mit Stadionverbot sind. Und zweitens wollen wir denjenigen, die ständig bei Auswärtsfahrten dabei sind und die Stimmung machen, eine Art Treuebonus zukommen lassen."

Dazu sagte Ort nun dem DLF: "Was die Loyalität betrifft, sie können jetzt Mitglied im Fanklub werden, kurz bevor sie die Karte bestellen. Dann haben sie sich nicht loyal verhalten, trotzdem werden Sie dafür belohnt, dass sie sekundenlang schon Mitglied im Fanklub waren. Also Loyalitätsbelohnung kann es nicht sein." Die Stadionverbote könnte der DFB derweil auch ohne eine Fanklub-Mitgliedschaft überprüfen.

Präzedenzfälle aus früheren Jahren

Neben den nicht stichhaltigen Argumenten des DFB sprechen laut Orth auch andere Präzedenzfälle bei rechtswidrigen Kopplungsgeschäften gegen die jetzige DFB-Praxis, etwa bei der Fußball-WM 2006 oder der EM 2008. Das Internationale Olympische Komitee weise die Ausrichterstädte inzwischen sogar ausdrücklich auf die europäische Kartellrechtslage hin.

Orth dazu im DLF: "Es ist also kein unbekanntes Problem. Sondern es ist in der Anwendungspraxis bekannt. Es wäre also auch vom DFB zu erwarten, dass er dieses Problem im Vorfeld gelöst hat." Dem Deutschen Fußball Bund drohen jetzt wohlmöglich Untersagungen, Bußgelder und Schadensersatzforderungen.

Quelle: n-tv.de

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