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Ein Mann, ein Lächeln: Jürgen Klopp nach dem sensationellen 6:1 seines FC Liverpool in Southampton.
Ein Mann, ein Lächeln: Jürgen Klopp nach dem sensationellen 6:1 seines FC Liverpool in Southampton.(Foto: REUTERS)

FC Liverpool wiederbelebt: "Kloppomania" euphorisiert ganz England

Nach 41 Sekunden liegt Jürgen Klopps FC Liverpool im Ligapokal beim FC Southampton mit 0:1 zurück. Doch der vermeintliche Fehlstart ist der Auftakt zu einer surrealen Liverpooler Gala. Die Fans sind selig und auch die Presse erliegt der "Kloppomanie".

Tosender Applaus aus der Liverpooler Fankurve, dazu minutenlange Sprechchöre und ein Jürgen Klopp, der das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekam: Das Ligapokal-Viertelfinale des FC Liverpool beim FC Southampton, dieses spektakuläre 6:1 (3:1), ließ nicht nur die 3000 mitgereisten und begeisterten Fußball-Anhänger euphorisiert zurück. Auch Team und Trainer waren selig. Klopp versuchte zwar mit aller Mühe, den Gala-Auftritt nüchtern zu analysieren.

Team im Torrausch.
Team im Torrausch.(Foto: AP)

Doch nach wenigen ernsthaften Momenten bekam er das Lächeln nicht mehr aus seinem Gesicht. "So etwas passiert nicht so oft. Vielleicht  müssen wir wieder eine lange Zeit warten, bis wir ein Fußballspiel  wieder so genießen können", sagte Klopp nach dem grandiosen Comeback seines Teams in Southampton. Auch der Rückstand nach 41 Sekunden durch Sadio Mane, auch insgesamt katastrophale 20 Anfangsminuten brachten Liverpool nicht aus der Ruhe. Ein Doppelpack des wieder genesenen englischen Nationalstürmers Daniel Sturridge (25., 29.) drehte die Partie aus dem Nichts, die Talente Divock Origi aus Belgien (45./68./86.) und Jordan Ibe aus England (73.) sorgten für ein Torfest.

Nur acht Wochen nach Klopps Amtsantritt lieferte Liverpool das beste Spiel unter seiner Regie ab, noch besser als das 4:1 bei Manchester City, und zog ins Halbfinale des League Cup ein. Bei sechs Punkten Rückstand ist in der Liga die Spitze zumindest wieder in Reichweite, aus den letzten acht Spielen holte Liverpool sieben Siege. Am Sonntag könnte die Serie beim Tabellenvorletzten Newcastle United ausgebaut werden. Schneller als erwartet ist Klopps vielzitierter "Vollgasfußball" auch in Liverpool angekommen -  und facht die ohnehin grenzenlos scheinende Euphorie bei den Fans weiter an. Auch die Medien verbeugen sich. "Unglaublich, bemerkenswert und rücksichtslos", titelte das englische Blatt "Liverpool Echo". "Klopp hat ein Haus der Schmerzen in einen Vergnügungsbau umgewandelt", beschrieb die "Times" die Situation an der Anfield Road.

"Liga ist zu stark, um jetzt schon zu träumen"

Der "Guardian" lobte, Klopp habe "dem Team die Begeisterung zurückzugeben, die es vor zwei Jahren fast zum Meistertitel geführt hat". Die "Daily Mail" spekulierte sogar schon über Meisterschaftschancen. "Es gibt Zeiten, da spielt eine Mannschaft mit so viel Selbstvertrauen und Stolz, dass es so aussieht, als könnten sie alles schaffen. Liverpool ist zurück", schrieb die Zeitung: "Es gibt wieder die Aura um das Liverpooler Team. Mit Klopp sind sie auf dem Weg, etwas Besonderes zu werden." Dabei ist Klopps Erfolgsgeheimnis ganz simpel, sagt Kapitän Jordan Henderson. "Er vollführt keine Wunder", sagte der englische Nationalspieler. "Er überträgt seinen Ethos und seine Arbeitsweise auf die Mannschaft." In Southampton war es sein Gegenpressing, was den Gegner zermürbte.

Und Klopp? Der gab wieder mal ein Beispiel dafür ab, warum ihm innerhalb von nur wenigen Wochen die Herzen in England zufliegen. "Es geht nur um harte Arbeit. In Liverpool ist man nicht wegen des Wetters - also muss es wegen des Fußballvereins sein", sagte er. Und warnte vor zu großer Euphorie. "Es ist schön, dass sich die Spieler gut fühlen. Es gibt ihnen viel Selbstbewusstsein. Aber die Liga ist zu stark, um jetzt schon zu träumen. Wir müssen weiter arbeiten. Dennoch fühlt sich dieses Spiel richtig gut an."

Im Ligapokal-Halbfinale trifft Liverpool nun in Hin- und Rückspiel auf den Ligakonkurrenten Stoke City (5./26. Januar). Den anderen Finalisten ermitteln ManCity und Liverpools Lokalrivale FC Everton. Schon vor der Auslosung hatte Klopp ein weiteres Beispiel für das neue Selbstvertrauen abgegeben. "Ich habe absolut kein Problem mit einem Spiel gegen Everton", erklärte er, schließlich habe sein Team - wie gesehen - auch keine Probleme mit Spielen gegen ManCity. Auch Ex-Liverpool-Profi Dietmar Hamann scheinen die nächsten Gegner egal, ihm schwant bereits Großes. Bei Twitter schrieb er: "Kloppomania geht weiter. Auch ich fange an zu glauben, dass glorreiche Tage um die Ecke kommen werden."

Quelle: n-tv.de

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