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Drehte nach der Hälfte der ersten Halbzeit so richtig auf: Mario Götze
Drehte nach der Hälfte der ersten Halbzeit so richtig auf: Mario Götze(Foto: picture alliance / dpa)

DFB-Team zerlegt Angstgegner: Kroos und Götze beenden den Italien-Fluch

Von Tobias Nordmann, München

Nach der dusseligen Pleite gegen England müssen sich die deutschen Fußball-Nationalspieler Kritik an ihrer Einstellung gefallen lassen. Gegen Italien geloben sie nicht nur Besserung, sie liefern ein Spiel, das Vorfreude auf die EM weckt.

Deutschland - Italien 4:1 (2:0)

Tore: 1:0 Kroos (24.), 2:0 Götze (45.), 3:0 Hector (59.), 4:0 Özil (75., Elfmeter), 4:1 El Shaarawy (83.)

Deutschland: ter Stegen - Mustafi, Hummels, Rüdiger - Özil, Rudy, Hector (ab 85. Ginter), Kroos (ab 90. Kramer) - Müller (ab 69. Can), Götze (ab 61. Reus), Draxler (ab 85. Volland)

Italien: Buffon - Darmian, Bonucci (ab 61. Ranocchia), Acerbi - Giaccherini (ab 69. El Shaarawy), Motta (ab 68. Parolo), Florenzi (ab 61. De Silvestri), Montolivo - Bernardeschi, Zaza (ab 78. Antonelli), Insigne (ab 68. Okaka)

Schiedsrichter: Oliver Drachta (Österreich) - Zuschauer: 62.653

Wie unterschiedlich die Stimmung vor diesem Duell doch war. Die deutschen Weltmeister von Fans und Medien angezählt, kritisiert für ihre schlafmützige Einstellung. Die Italiener nach der ersten guten Leistung - einem 1:1 gegen Europameister Spanien - seit ewigen Zeiten fast schon im Begriff eine neue Ära der Dominanz auszurufen. Einen weiteren Beweis des neuen azzurischen Selbstvertrauens sollte der 33. Vergleich mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft erbringen. Doch zu solch einem Vorhaben gehören immer zwei – und die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw hatte an diesem Dienstagabend eine ganz andere Idee: Sie wollte und brauchte nach wackeliger EM-Qualifikation und Pleite gegen England (2:3) einen Stimmungsaufheller. Und den erarbeitete - das ist nach der harten Kritik an der Testspielunlust eine gute Nachricht - und erspielte sich das DFB-Team gegen ziemlich schlappe Gäste. Toni Kroos (24.) mit seinem Schlenzer, Mario Götze (44.), Tordebütant Jonas Hector (59.) und Mesut Özil (74./Foulelfmeter) sorgten vor 62.653 Zuschauern in der nicht ausverkauften Arena in Fröttmaning für einen sehr überzeugenden 4:1 (2:0)-Erfolg. Den Ehrentreffer für die Italiener erzielte der eingewechselte Stephan El Shaarawy erst, als das Spiel längst entschieden war (83.).

Die deutsche Mannschaft, das war nicht erst seit dem Spiel gegen England klar, hat bei ihren Fans nach kaum noch erhellenden Auftritten seit dem WM-Triumph in Brasilien im Juli 2014 ordentlich Kredit verspielt. Von Euphorie war das Publikum in München daher zunächst so weit entfernt wie Mario Götze von glücklich machender Spielzeit beim FC Bayern. Die allerdings bekommt der kleine Dribbelkünstler nach wie vor beim DFB. Wie vorab vom Trainerteam angekündigt, rotierte der Weltmeistermacher gegen Italien in die Startelf und verdrängte den anderen Mario, den Gomez, aus dem Sturmzentrum.

Kroos (Mitte) läutete den Torreigen ein.
Kroos (Mitte) läutete den Torreigen ein.(Foto: picture alliance / dpa)

Es war die nicht einzige Änderung, die sich Löw ausgedacht hatte, um den 21 Jahre andauernden Italien-Sieglos-Fluch endlich zu beenden. Statt erwarteter Viererkette gab's einen überraschenden Dreierriegel mit Shkodran Mustafi als Dirigent sowie Mats Hummels und Italien-Legionär Antontio Rüdiger als Adjudanten. Davor verschoben der Kölner Jonas Hector (auf links) und Sebastian Rudy (auf rechts) wahlweise als Außenverteidiger oder Unterstützer für das offensive Flügelspiel. Mutige Experimente des Bundestrainers, die bis auf kleinere Unsicherheiten als gute taktische Alternativen verbucht werden können.

Der Krampf der Erinnerungen löste sich

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Vor allem das Verschieben auf den Außenbahnen klappte sehr ordentlich. Nach einem Beginn, bei dem die Deutschen vor allem darum bemüht waren, etwas für die Passstatistik zu tun, löste sich der Krampf der Erinnerung an schwache Leistungen mehr und mehr. Fleißig daran beteiligt war der Hoffenheimer Rudy, der nach neun Minuten einen feinen Ball auf Mesut Özil spielte, den der "Gunners"-Spielmacher aber bedrängt nicht richtig gefährlich verwerten konnte. Motiviert von der ersten guten Aktion wurde die Löw-Auswahl mutiger. Kroos verteilte die Bälle in Quantiät und Qualität wie es die Mitspieler von ihm gewohnt sind.

Einzig ein scharfer Ball in die Schnittstelle der italienischen Verteidigung fehlte - weshalb Mario Götze als Sturmspitze auch bis Mitte der ersten Halbzeit in etwa so auffällig war wie in einem Bayern-Spiel, nämlich gar nicht. Das galt übrigens auch für die Italiener – allerdings fast während der gesamten Spielzeit. Bis auf ein, zwei selbst kreierte Situationen und das Tor durch El Shaarawy wurde es für das deutsche Tor immer nur dann gefährlich, wenn der für den magenerkrankten Manuel Neuer aufgebotene Marc-André ter Stegen den Ball durch den Strafraum dribbeln wollte (21./37.).

Götze veränderte sein unauffälliges Verhaltensmuster dagegen mit der deutschen Führung. Denn vor dem platzierten Schuss von Kroos zum 1:0 gegen den unverkennbar alternden Gianluigi Buffon (24.) hatte der 23 Jahre alte Bayern-Profi die Idee das Spiel auf Rechtsaußen zu verlagern, wo Vereinskollege und Kapitän-Debütant Thomas Müller dann die Idee hatte, den Ball prompt wieder in die Mitte auf Kroos zu spielen. Und einmal Gefallen gefunden, endlich wieder aktiv auf das Geschehen einer Mannschaft eingreifen zu können, forderte Götze weiter den Ball. Verpasste er nach einer halben Stunde noch eine vernünftige Hereingabe des sehr fleißigen Julian Draxler, war er kurz vor der Pause, Obacht, mit dem Kopf zur Stelle, als Müller mit seinem Zuspiel erneut einen gewinnbringenden Geistesblitz hatte.

Und noch einen hatte Götze vor seiner Auswechslung in der 61. Minute gegen Kumpel Marco Reus parat, um zu zeigen, dass er sich eine EM-Nominierung trotz fehlender Empfehlungsschreiben des FC Bayern verdient. Das 3:0 durch den erneut starken Kölner Hector bereitete er indirekt per technisch kompliziertem "No-look-Doppelpass" mit Draxler vor. Als dann auch noch Mesut Özil, der diesmal etwas defensiver an der Seite von Kroos das Spiel organisierte, einen an Rudy verursachten Elfmeter verwandelte, war das Publikum endgültig wieder mit seinen Weltmeistern versöhnt, der Trainer selig und das Gerede von deutschen Schlafmützen - ach lassen wir das.

Quelle: n-tv.de

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