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Robert Lewandowski brachte den FC Bayern mit dem 1:0 in Bochum auf Halbfinalkurs. Kurz vor Schluss besorgte er auch den 3:0-Endstand.
Robert Lewandowski brachte den FC Bayern mit dem 1:0 in Bochum auf Halbfinalkurs. Kurz vor Schluss besorgte er auch den 3:0-Endstand.(Foto: imago/Moritz Müller)

FC Bayern uninspiriert ins Halbfinale: Lewandowski zerstört Bochums Pokaltraum

Von Tobias Nordmann, Bochum

Der FC Bayern München steht im Halbfinale des DFB-Pokals. Gegen Zweitligist VfL Bochum tut sich der deutsche Fußball-Rekordmeister aber lange sehr schwer. Trotz des am Ende souveränen Siegs bleiben viele Fragezeichen.

So wollten sie es haben in Bochum: Ausverkaufte Hütte, ein Publikum so heiß wie die Stahlöfen der Stadt und eine Mannschaft, die sich über 90 Minuten bis zum Anschlag zerreißt. Die nicht interessiert, wer ihnen da auf anderen Seite des Spielfelds in die Augen blickt. Eine Mannschaft, die neue Helden schaffen will, Helden wie die von 1968, als der VfL die Übermannschaft aus dem Süden im Pokal erst- und letztmalig niederrang.

Jan Simunek wurde zu Bochums tragischem Helden.
Jan Simunek wurde zu Bochums tragischem Helden.(Foto: imago/DeFodi)

Und 39 Minuten lang sah es so aus, als könnte das Unmögliche erneut gelingen, als könnte der FC Bayern München in Bochum nicht nur stolpern, sondern aus dem DFB-Pokal fallen. Doch ein einzig zielstrebig zu Ende gespielter Münchner Angriff über Torjäger Robert Lewandowski und eine unglückliche Aktion des Bochumers Jan Simunek, der Arjen Robben elfmeterreif foulte und dafür Rot sah (44.), reichten der Elf von Trainer Josep Guardiola, um die Hoffnungen des VfL auf eine Pokalsensation noch vor der Halbzeitpause zu beenden. Mit einem 3:0 (1:0)-Erfolg sicherten sich die Bayern vor 28.000 Zuschauern am Ende ihr Ticket für das DFB-Pokalhalbfinale. Der Triple-Traum an der Isar lebt weiter - die Fragezeichen beim Rekordmeister bleiben indes.

Hier ganz viel Kampf, dort wenig Ideen

VfL Bochum - Bayern München 0:3 (0:1)

Tore: 0:1 Lewandowski (39.), 0:2 Thiago (61.), 0:3 Lewandowski (90.)

Rote Karte: Simunek (43.)

Bes. Vork.: Riemann hält FE von Müller (44.)

Bochum: Riemann - Celozzi, Fabian, Bastians, Perthel (29.  Simunek) - Losilla, Hoogland - Bulut, Eisfeld (46. Cacutalua),  Haberer - Terodde (65. Mlapa)

München: Neuer - Lahm (75. Bernat), Kimmich, Badstuber (80.  Vidal), Alaba - Alonso (64. Rafinha) - Robben, Thomas Müller,  Thiago, Costa - Lewandowski

Referee: Dankert  Zus.: 28.000

Denn mindestens 45 Minuten lang fiel dem auffällig uninspirierten FC Bayern nichts ein, dem mutig aufspielenden Zweitligisten die Euphorie und den Glauben zu nehmen. So lässt sich das Spiel des Rekordmeisters relativ leicht zusammenfassen: Pass Thiago, Pass Xabi Alonso, Pass Thiago, Pass Xabi Alonso. Und wenn es mal richtig aufregend wurde durften auch Innenverteidiger Holger Badstuber und der in Bochum extrem unbeliebte Robben am ausufernden Ballbesitzfußball teilnehmen.

Die Gastgeber dagegen wehrten sich mit allem, was sie hatten. Und das war vor allen in den ersten zehn Minuten eine ganze Menge. Bereits nach sechs Minuten musste Alleskönner Manuel Neuer wieder den Nachweis liefern, dass er seit der WM nichts verlernt hat. Bis zur Mittellinie stürmte der Keeper der Bayern heraus, um einen Angriff des VfL zu unterbinden. Und nur zwei Minuten später hatte er Glück, als Stürmer Simon Terodde, von seinen Mitspielern glänzend freigespielt, den Ball nur hauchzart am Tor vorbeischlenzte.

Was den Fans, die schon eine Stunde vor Anpfiff in prächtiger Laune den eigenen Verein feierten und die Bayern ohne Lederhosen sehen wollten, äußerst gut gefiel, verdarb Guardiola so richtig die Laune. Nach elf Minuten, der strömende Regen hatte gerade eine Pause eingelegt, erhob sich der Katalane um in bekannter Manier den Gameplan seiner Mannschaft komplett über den Haufen zu werfen.

Veritables Mittelfeld-Gemurkse

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Das zeigte Wirkung, machte das Spiel aber zu einem veritablen Mittelfeld-Gemurkse. Die Bayern hatten die Idee, den VfL nicht mehr an den Ball kommen zu lassen. Das gelang ganz prima. Über 80 Prozent Ballbesitz wies die Statistik Mitte der ersten 45 Minuten zu Gunsten der Münchener aus. Was dem Plan allerdings über weite Strecken abging: Kreativität und Begeisterung. Wie schon in den Ligaspielen gegen Hoffenheim und Leverkusen wirkte das offensive Spiel der Bayern merkwürdig gehemmt.

Dass die Bayern allerdings nicht alles verlernt hatten, was ihnen in der Hinrunde mächtig Bewunderung auch außerhalb der eigenen Fanszene einbrachte, zeigte Spielmacher Thiago in der 39. Minute. Mit einem "No-Look Pass" steckte er das Spielgerät auf Thomas Müller durch, der legte für Lewandowski auf und der Pole vollendete über den Innenpfosten zum 1:0. Alles im Lot also für den FC Bayern, der nur drei Minuten später sofort hätte für endgültige Klarheit sorgen können - wäre Müller etwas konzentrierter zu Werke gegangen. Der für den bärenstarken, aber in einem Zweikampf mit Robben am Auge verletzten Timo Perthel eingewechselte Simunek traf Robben an der Strafraumkante am Fuß, der Niederländer fiel und Schiedsrichter Bastian Dankert bestrafte den VfL hart, aber regelkonform doppelt: Elfmeter und Rot für den Tschechen, der erst 14 Minuten auf dem Platz stand. Müller trat an, scheiterte aber am starken Manuel Riemann im Bochumer Kasten. Es war allerdings das letzte Halleluja des VfL in diesem Spiel.

Dominanz in Überzahl

Denn die eine Halbzeit lang in Überzahl agierenden Bayern spielten nun das, was sie in Bochum vor der Partie so gefürchtet hatten: Ballstafette über Ballstafette mussten die weiter tapfer kämpfenden, aber nun völlig chancenlosen Gastgeber über sich ergehen lassen. Längerer Ballbesitz der Bochumer? Komplette Fehlanzeige. Von Minute zu Minute wurden die Bayern dominanter, erspielten sich zunehmend gute Gelegenheiten, das zweite Tor war nur noch eine Frage der Zeit.

Und diese beantwortete Thiago. Über Robben, der den Ball elegant auf Müller lupfte landete der Ball beim Spanier, der das Spielgerät von Onur Bulut bedrängt über die Linie drückte (61.). Bochum war erlegt, der Glaube an die Sensation endgültig gebrochen und Mehmet Scholl mal wieder im Recht. Denn schon vor dem Anpfiff hatte der Ex-Bayern-Spieler orakelt: „Die Bayern verlieren dieses Spiel niemals“. Dass sie sich aber über weite Strecken so schwer tun würden, dass hatte Scholl aber vermutlich auch nicht erwartet. Daran änderte auch das 3:0 von Lewandowski Sekunden vor dem Abpfiff nichts.

Quelle: n-tv.de

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