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Die BFC-Spieler Andreas Thom (links) und Frank Rohde feiern den Titelgewinn 1987.
Die BFC-Spieler Andreas Thom (links) und Frank Rohde feiern den Titelgewinn 1987.(Foto: imago/WEREK)

BFC und CFC werden 50: Mielkes Lieblinge und die graue Maus

Von Wolfram Neidhard

Der BFC Dynamo und der Chemnitzer FC: Beide Klubs spielten jahrelang in der Fußball-Oberliga der DDR gegeneinander. Der BFC war das erfolgreichere Team. Doch die Zeiten haben sich geändert: Heute spielen die Sachsen eine Klasse höher.

Die Zahl 50 bestimmt in diesen Tagen den ostdeutschen Fußball. Kein Wunder, wurden doch Ende 1965 und Anfang 1966 in DDR auf Anordnung von oben die Fußballsektionen aus den Sportklubs herausgelöst. Der Deutsche Fußball-Verband der DDR (DFV) wollte somit die Vereine der Oberliga auf ein höheres Niveau hieven und so konkurrenzfähiger zur europäischen Konkurrenz machen. Nun, fünf Jahrzehnte später, fristen die meisten Klubs im vereinigten Deutschland in der 3. Liga oder noch tieferen Spielklassen ihr Dasein. Die sportlichen Meriten der Vergangenheit halfen nach der Wende 1989/90 wenig, um den sportlichen Niedergang abzuwenden.

Bei den BFC-Spielern eher gefürchtet als beliebt: Erich Mielke.
Bei den BFC-Spielern eher gefürchtet als beliebt: Erich Mielke.(Foto: imago sportfotodienst)

So geschehen auch mit dem BFC Dynamo, dem von den DDR-Fußballanhängern - gelinde gesagt - am meisten kritisierten Klub. Er ging aus dem SC Dynamo Berlin hervor, die Gründung fand am 15. Januar 1966 statt. Zehn Mal hintereinander, von 1979 bis 1988, gewann der Lieblingsverein von Stasi-Chef Erich Mielke die DDR-Meisterschaft. Mitunter halfen auch die Schiedsrichter mit fragwürdigen Elfmetern oder Spielverlängerungen nach - vom "Schieber-Meister" und "Stasi-Klub" war die Rede. Frank Terletzki, Norbert Trieloff oder Flügelstürmer Hans-Jürgen Riediger wurden in den gegnerischen Stadien gnadenlos ausgepfiffen. Jeder Sieg über den BFC wurde ausgiebig gefeiert.

Eintracht Mahlsdorf statt FC Liverpool

Mehr als 15 Jahre nach Mielkes Ableben befindet man sich nun in der vierthöchsten Spielklasse, in der Regionalliga Nordost, und ist mit den vergangenen zwei, drei Jahren dennoch ganz zufrieden. Nach einer Odyssee durch das Berliner Fußballtal - statt gegen den FC Liverpool oder den Hamburger SV spielte man auf einmal gegen Eintracht Mahlsdorf oder den SV Lichtenberg 47 - hat der BFC 2014 den Aufstieg in die Regionalliga geschafft. Nun peilen die Mannen von Trainer Thomas Stratos die 3. Liga an, in dieser Saison wird es allerdings noch nicht klappen.

Lange ist es her, dass sich im heimischen Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark Europapokal-Atmosphäre breitmachte. Als DDR-Serienmeister war der BFC in den 80er Jahren Stammgast im Europapokal der Landesmeister, dem Vorläufer der Champions League. Doch das Team von Coach Jürgen Bogs riss im wichtigsten europäischen Klubwettbewerb nicht viel und schied in der Regel spätestens in der zweiten Runde aus. Nur in der Saison 1983/84 schafften es die Weinrot-Weißen ins Viertelfinale, in der Runde der letzten Acht zeigte dann der AS Rom der Bogs-Elf (0:3, 2:1) ihre Grenzen auf.

Untergang in Bremen und sportlicher Niedergang

BFC-Debakel in Bremen: Werder-Stürmer  Manfred Burgsmüller erzielt das 4:0. Marco Köller, Frank Rohde und Burkhard Reich (von links) können ihn nicht daran hindern.
BFC-Debakel in Bremen: Werder-Stürmer Manfred Burgsmüller erzielt das 4:0. Marco Köller, Frank Rohde und Burkhard Reich (von links) können ihn nicht daran hindern.(Foto: imago sportfotodienst)

Aber der Jahn-Sportpark erlebte auch tolle Fußballabende. Unvergessen ist der 3:0-Sieg des BFC am 6. September 1988 gegen den von Otto Rehhagel trainierten SV Werder Bremen. Thomas Doll (16.), Andreas Thom (62.) und Frank Pastor (77.) erzielten die Tore für die Berliner, für die auch DDR-Nationalspieler wie Keeper Bodo Rudwaleit, Frank Rohde oder Rainer Ernst aufliefen. Doch etwas mehr als einen Monat später, am 11. Oktober, schafften die Bremer das "Wunder an der Weser": Mit 5:0 schickten sie den BFC nach Hause. Michael Kutzop (22.), Günter Hermann (55.), Karlheinz Riedle (62.), Manfred Burgsmüller (80.) und Thomas Schaaf (90.) drehten mit ihren Treffern den Spieß um. Werder-Stürmer Burgsmüller soll vor dem Spiel mit den Fäusten mehrfach gegen die Tür der Gästekabine geschlagen und gebrüllt haben: "Kommt endlich raus ihr Feiglinge, damit wir euch fertig machen können!" Sein Kollege Kutzop brüllte die BFC-Spieler vor dem Auflaufen an: "Ihr seht kein Land! Ich versprech's euch!" So geschah es dann auch.

Von dieser Niederlage sollte sich der BFC nicht mehr erholen. Noch zu DDR-Zeiten begann der sportliche Niedergang. In der Saison 1988/89 wurde man hinter dem Dauerrivalen Dynamo Dresden nur Vizemeister. Nach der Wende zogen Thom, Doll und Ernst in den Westen. Als FC Berlin verpasste man 1992 die Qualifikation sowohl für die 1. als auch für die 2. Bundesliga. Der sportlichen Misere folgten auch wirtschaftliche Probleme, die 2001 in einer Insolvenz mündeten, daran änderte auch die die Rückbenennung des Vereins in BFC Dynamo nichts. Zudem erwarben sich Teile der Fangemeinde des BFC den Ruf, besonders gewaltbereit zu sein. Die heutige Klubführung versucht gegenzusteuern. Die Zahl der Negativschlagzeilen ist geringer geworden.

Karl-Marx-Städter Aufwind unter Hans Meyer  

Rico Steinmann im März 1989 beim 2:1-Sieg des FC Karl-Marx-Stadt im FDGB-Pokal bei Wismut Aue.
Rico Steinmann im März 1989 beim 2:1-Sieg des FC Karl-Marx-Stadt im FDGB-Pokal bei Wismut Aue.(Foto: imago sportfotodienst)

Im Gegensatz zum BFC Dynamo führte der Chemnitzer FC, der ebenfalls am 15. Januar 1966 als FC Karl-Marx-Stadt gegründet wurde, zu DDR-Zeiten eher ein Schattendasein - als graue Maus im eher tristen Oberliga-Alltag. Ein Meistertitel 1967 steht auf der Habenseite - errungen unter Trainer Horst Scherbaum, der 1974 mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig bis ins Halbfinale des Uefa-Pokals vordringen sollte. Das darauffolgende Europapokal-Abenteuer war nur von kurzer Dauer, der belgische Meister RSC Anderlecht zeigte den Sachsen mit zwei Siegen (2:1 und 3:1) ihre Grenzen auf. Die Spieler um Dieter Erler und Albrecht Müller wurden international gewogen und für zu leicht befunden. Danach war in Karl-Marx-Stadt auch national Bescheidenheit angesagt, eine Saison (1970/71) musste man sogar in der zweihöchsten Spielklasse zubringen.

In der DDR-Endzeit bekamen die Himmelblauen noch einmal Aufwind: Unter Trainer Hans Meyer wurden sie 1988/89 Dritter und 1989/90 Vizemeister, nur durch ein schlechteres Torverhältnis musste Dynamo Dresden der Vortritt gelassen werden. Die gute Nachwuchsarbeit zahlte sich aus: Spieler wie Thomas Laudeley, Ulf Mehlhorn, Rico Steinmann oder Steffen Heidrich fielen positiv auf. Im Uefa-Pokal 1989/90 schaltete der FC Karl-Marx-Stadt immerhin Boavista Porto und den FC Sion aus, beim späteren Cupsieger Juventus Turin (0:1, 1:2) war dann Schluss. Ein Jahr später flog man - nun als Chemnitzer FC - bereits in der ersten Uefa-Pokal-Runde gegen Borussia Dortmund (0:2, 0:2) aus dem Wettbewerb.  

Heute fristet der CFC ein Graues-Maus-Dasein - "versteckt" im Mittelfeld der 3. Liga. Nur kurz war die Phase in der 2. Bundesliga, es ging für die Sachsen bis in die Regionalliga runter. Einen zu Höherem berufenen Spieler wie Michael Ballack musste man 1997 in Richtung Kaiserslautern ziehen lassen.  

Richtig Freude kam bei den Chemnitzer Fans Ende der Saison 2010/11 auf, als ihre  Lieblinge unter Trainer Gerd Schädlich in der Regionalliga Nord das mit Red-Bull-Millionen unterstützte Team von RB Leipzig hinter sich ließen und völlig überraschend den Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse schafften. Diesen Drittliga-Alltag will man in Chemnitz eigentlich hinter sich lassen. Doch trotz umgebauten Stadions ist an der Gellertstraße Stagnation angesagt.

Quelle: n-tv.de

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