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Lutz Eigendorf, der Unfall und die Stasi: Mysteriöser Tod eines Fußballers

Hatte die Stasi beim mysteriösen Unfalltod von Lutz Eigendorf ihre Finger im Spiel? Hat sie ihn vergiftet? Der Tod des sechsmaligen DDR-Nationalspielers jährt sich zum 30. Mal und steht im Zentrum eines der spektakulärsten Fälle des deutschen Fußballs.

Stasi-Chef Erich Mielke
Stasi-Chef Erich Mielke(Foto: picture alliance / dpa)

Die Fahrbahn ist nass an diesem Abend, als der Alfa Romeo GTV 6 plötzlich ins Schlingern gerät. In einer Rechtskurve gibt's kein Halten mehr, der Sportwagen knallt gegen einen Baum. Zwei Tage später, am 7. März 1983, stirbt der Fußball-Profi Lutz Eigendorf an den Folgen seiner Verletzungen. Unfall oder Mordkomplott der Stasi? Bis heute ist die Ursache für den Tod ungeklärt.

Der ehemalige DDR-Auswahlspieler befand sich auf dem Rückweg von seiner Braunschweiger Stammkneipe Cockpit. Dort hatte er ein paar Bierchen getrunken. Als im Blut des Verunglückten noch 2,2 Promille Alkohol nachgewiesen wurden, ist der Fall für die Behörden schnell klar - zu schnell, wie sich später zeigte. "Das war nicht seine Art, so viel zu trinken", meldete sich Eigendorfs zweite Ehefrau Josephine zu Wort.

Mehrere Zeugen sagten aus, Eigendorf habe vor seiner Autofahrt weitaus weniger getrunken. Gerüchte machten die Runde, das Ministerium für Staatssicherheit der DDR habe den Tod eingeleitet, weil Stasi-Chef Erich Mielke dem "Beckenbauer des Ostens" die Flucht nie verzeihen konnte. In einer Fernseh-Dokumentation lieferte der Journalist Herbert Schwan Indizien für dunkle Machenschaften. Angeblich soll Eigendorf vergiftet worden sein. Er sei gezwungen worden, einen Cocktail aus Alkohol und einem Mittel, das zu Lähmungserscheinungen geführt haben soll, zu sich zu nehmen.

"Lutz hatte ständig Angst"

Anonyme Hinweise sprachen außerdem davon, dass auf den rechten Vorderreifen und durch die Windschutzscheibe geschossen worden sei, zudem sei der Fahrer geblendet worden. Eigendorfs Flucht im Frühjahr 1979 hatte die Oberen der DDR sehr getroffen. Der Mittelfeldspieler kickte zuvor für den Ostberliner Stasiklub BFC Dynamo. Deshalb betrachtete auch Mielke die Flucht als persönliche Niederlage.

Erst nach der Wende wurden Akten entdeckt, die die enormen Anstrengungen bei der Bewachung von Eigendorf belegten. "Lutz hatte ständig Angst, wieder zurück in den Osten entführt zu werden", sagte seine Frau Josephine. Mehr als 50 Spitzel soll der Stasi-Chef in den Westen geschickt haben, um den Flüchtling in den vier Jahren bis zu seinem Tod zu observieren.

Sogar der spätere Ehemann von Eigendorfs erster Frau Gabi, die mit der gemeinsamen Tochter im Osten geblieben war, arbeitet für die Stasi. 2010 kam ein weiteres Detail ans Tageslicht. Stasi-Mitarbeiter Karl-Heinz Felgner sagte vor dem Landgericht Düsseldorf aus, dass er einen Mordauftrag für Eigendorf erhalten habe, ihn aber nie ausgeführt habe.

Keine Obduktion

Die Ermittlungen in dem Fall blieben bis zum heutigen Tage halbherzig, wie der Pädagoge Andreas Holy in einer Examens-Arbeit feststellte. "Zunächst mal ist zu sagen, dass die Polizei Braunschweig den Fall ziemlich schnell als Alkohol-Unfall abgehakt hat", schrieb Holy. Es wurde keine Obduktion vorgenommen. Außerdem sei das Unfallauto kriminaltechnisch nie untersucht worden, stattdessen habe lediglich ein KFZ-Sachverständiger den Wagen angeschaut.

Eigendorf hatte sich 1979 nach einem Spiel des DDR-Abonnementmeisters im Rahmen des gesamtdeutschen Sportverkehrs beim 1. FC Kaiserslautern abgesetzt. Zunächst versteckt ihn Lauterns damaliger Geschäftsführer Norbert Thines in einem unscheinbaren Haus in Tripstadt im Pfälzer Wald.

Nach einjähriger Sperre begann er bei den Pfälzern auch seine Bundesliga-Karriere und spielte unter Trainer Karl Heinz Feldkamp gemeinsam mit der schwedischen Torwart-Ikone Ronnie Hellström sowie Wolfgang Wolf und Wolfgang Funkel. 1982 wechselte er zu Eintracht Braunschweig, bis zu seinem ungeklärten Ende. "Ich bin überzeugt davon, dass er von der Stasi ermordet wurde", sagt sein Helfer Thines.

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Quelle: n-tv.de

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