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(Foto: imago/Jan Huebner)
Freitag, 26. August 2016

Red Bull plant nächsten Coup: RB Leipzig und der Zorn einer Liga

Von Judith Günther

Sein Prestigeprojekt hat Red Bull erfolgreich in die 1. Bundesliga gewirtschaftet, nun plant der Konzern den nächsten Angriff: im sächsischen Frauenfußball. Doch die Konkurrenz wehrt sich und attackiert vor allem den zuständigen Verband.

Es gab diesen Moment, da hatte man sich fast an den folgenden Gedanken gewöhnt: RB Leipzig spielt in der 1. Fußball-Bundesliga. Nicht besonders euphorisch, eher ein bisschen resigniert ob des von oberster Sponsorenstelle gewollten Aufstiegs von der Oberliga in die Bundesliga. Gut muss man das nicht finden, aber dann kam eben auch das peinliche Aus in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Dynamo Dresden. Kurzum: Die Roten Bullen verloren ein wenig von ihrem Schrecken und auch das rasante Aufstiegsmärchen des RasenBallsport Leipzig e.V. würde wohl so schnell keine Nachahmer finden. Dachte man.

Das ist allerdings nur bedingt richtig, denn seit diesem Sommer investiert Red Bull in ein weiteres ambitioniertes Projekt den Frauenfußball. Im Juni gab RB Leipzig bekannt, sein bisheriges Engagement im Mädchenfußball auszuweiten – mit dem ausgegebenen Ziel, binnen drei bis fünf Jahren die Bundesliga erreichen zu wollen. Zusätzlich verpflichteten sich die Leipziger RasenBaller, das Landesleistungszentrum sowie Spielerinnen des finanziell schwer angeschlagenen Zweitliga-Absteigers FFV Leipzig zu übernehmen. Das klingt dann schon eher nach einer angestrebten Wiederholung eben dieses raketenhaften Aufstiegs. Doch die Geschichte könnte in diesem Falle nicht ganz so rund verlaufen.

Spielverweigerung in Bischofswerda

Traben die Roten Bullen jetzt auch im Frauenfußball an die Spitze?
Traben die Roten Bullen jetzt auch im Frauenfußball an die Spitze?(Foto: imago/Sportsword)

In einer kleinen Stadt im Osten Sachsens wurde am vergangenen Sonntag Fußballgeschichte geschrieben, wie die "Zeit" ausführlich berichtete. Trainer und Präsidium des Bischofswerdaer FV 08 entschieden zehn Minuten vor Anpfiff des Sachsenliga-Spiels, nicht gegen das neu gegründete Frauenteam des RB Leipzig anzutreten. Einfach so. Doch der Boykott kann nicht einfach so mit etwaigen Antipathien gegenüber dem Brauseclub erklärt werden, die Problematik liegt tiefer. Denn statt der angekündigten Nachwuchsspielerinnen des RB Leipzig stiegen an diesem Sonntag rund ein Dutzend bundesligaerprobte Ex-Spielerinnen des FFV Leipzig aus dem Mannschaftsbus, lediglich eine B-Jugend-Spielerin schaffte es in die Startelf.

Dass das kein faires Duell auf Augenhöhe werden könnte, dürfte dem Bischofswerdaer FV 08 relativ schnell klar gewesen sein und doch betont der Verein in einer offiziellen Stellungnahme, dass sich der Nichtantritt keineswegs gegen Spielerinnen oder gar den Verein selbst richte. Stattdessen handele es sich um einen Protest gegen den Sächsischen Fußballverband (SFV), der – nach Ansicht des Vereins – massiv gegen die Regeln des Fairplay verstoßen habe.

Und in der Tat: Die Vorwürfe gegen den SFV wiegen schwer. Von Wettbewerbsverzerrung, Ungleichbehandlung und Täuschung ist die Rede. Vorwürfe, die der SFV erstmal entkräften muss. Denn die Vereine sind verärgert darüber, dass RB Leipzig in der Sachsenliga spielen darf, statt – wie andere neu gegründete Vereine – eine Liga tiefer einzusteigen. Tatsächlich unternimmt der Landesverband selbst relativ wenig gegen den Eindruck, dass, wenn es um RB Leipzig geht, die eigenen Paragrafen plötzlich gar nicht mehr so wichtig sind.

Empfang mit Kusshand

Als Red Bull vor drei Monaten seinen Einstieg in den Frauenfußball ankündigte, war die Euphorie beim SFV auffällig groß: Endlich, so schien es, eröffnete sich die Möglichkeit, den Frauenfußball in Sachsen aufzupolieren und zur Talentschmiede der Republik zu werden. Wie bei den Männern würden alle sächsischen Vereine von der Investition profitieren, so weit, so gut. Doch die Art und Weise, wie RB Leipzig schlussendlich in die Liga eingegliedert wurde, weckt zumindest Bedenken, ob hier nicht tatsächlich mit zweierlei Maß gemessen wurde.

Auf einer Staffeltagung Anfang Juli ließen die SFV-Funktionäre darüber abstimmen, eine Spielvereinigung aus Leipziger FC 07 und RB Leipzig in die Sachsenliga aufzunehmen. Als Begründung für den Antrag wurde angeführt, man wolle den Talenten des von RB übernommenen Landesleistungszentrums bessere Konkurrenz bieten als eine Liga tiefer.

Trotz sportrechtlicher Bedenken und einer Abstimmung, in der vom Verband lediglich vier Wortbeiträge erwünscht waren, erhielt der Antrag eine knappe Mehrheit. Die Überraschung folgte nur wenige Wochen später. RB löste die Spielgemeinschaft wieder auf und übernahm – mit Billigung des Verbandes – das alleinige Startrecht für die Landesliga. Das ist allerdings dahingehend problematisch, als dass ein Verein, der ein neues Team zum Spielbetrieb meldet, eigentlich nicht auf Anhieb in der Spielklasse auflaufen darf.

Handel mit Lizenzen?

Spätestens an dieser Stelle sind die Parallelen zur Männerabteilung des RB Leipzig nicht mehr wegzudiskutieren. Auch die nahmen nämlich auf der Überholspur noch die Abkürzung. Nachdem der Klub die Herrenabteilung des SSV Markranstädt samt Oberliga-Startrecht übernommen hatte, ging es direkt in der Oberliga los. Das kann man durchaus Handel mit Lizenzen nennen.

Auf Seiten des Sächsischen Landesverbandes sieht man sich allerdings nicht in Erklärungsnot, auch wenn inzwischen zahlreiche Offene Briefe mit deutlichen Worten an die Leipziger Funktionäre verschickt wurden. Der SFV beruft sich darauf, lediglich den Spielerinnen des aufgelösten und in die Spielgemeinschaft eingegliederten Vereins FFV Leipzig unter die Arme greifen zu wollen.

Vielleicht wäre es bei dem leicht bitteren Beigeschmack geblieben, würden nicht die Ereignisse aus dem sächsischen Landespokal-Wettbewerb die Vorwürfe hinsichtlich einer Bevorteilung der finanzkräftigen RasenBaller erhärten. Denn auch dort durfte anstelle der gemeldeten Spielgemeinschaft RB Leipzig starten. Leipzig gewann die Partie gegen Johannstadt mit 7:0 und wurde dabei kräftig von ehemaligen Zweitliga-Profis unterstützt. Der unterlegene Gegner legte Einspruch ein, der Fall ging vor ein Sportgericht. In dieser Sache wurde der SFV dann auch ziemlich kleinlaut: Man werde das Urteil akzeptieren, hieß es vom Verband.

Quelle: n-tv.de

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