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Marco Reus bereitete drei der vier BVB-Tore vor.
Marco Reus bereitete drei der vier BVB-Tore vor.(Foto: imago/Uwe Kraft)
Sonntag, 04. Dezember 2016

"Es ist ein einziger Traum": Reus brilliert, BVB zaubert, Tuchel kuschelt

Krise, welche Krise? Nach der Frankfurter Defizit-Ohrfeige für sein Team verteilt BVB-Trainer Thomas Tuchel nun Komplimente. Grund bietet Borussia Dortmund dafür gegen Gladbach reichlich. Überragend: Marco Reus als Teil eines neuen Zauberdreiecks.

Eine Liebeserklärung des Trainers, ein klarer Sieg - und bei Borussia Dortmund ist wieder alles gut. Thomas Tuchel betonte nach seiner harschen Kritik in der Vorwoche auffällig jene Emotionen, jene Wärme, deren Fehlen ihm zum Vorwurf gemacht worden war. "Es ist ein einziger Traum, alle drei Tage hier zu sein", sagte Tuchel schon vor dem 4:1 (2:1) gegen Borussia Mönchengladbach schwärmerisch, "mit dieser Mannschaft, mit dieser gelben Farbe, in diesen Trikots Champions League zu coachen."

Klar auf Kuschelkurs: BVB-Trainer Thomas Tuchel nach dem 4:1 gegen Gladbach.
Klar auf Kuschelkurs: BVB-Trainer Thomas Tuchel nach dem 4:1 gegen Gladbach.(Foto: dpa)

Ist das Thema damit beendet? Fraglich. Es kann jederzeit wieder aufflammen, aber nach dem Borussen-Duell waren keine Hinweise auf Risse im Verhältnis zur Mannschaft zu finden - trotz Tuchels Hammerschlag-Rede nach dem 1:2 bei Eintracht Frankfurt. Ob der überragende Marco Reus, die Teamkollegen oder Tuchel selbst: alle gaben sich einig, dass der Trainer "jedes Recht" habe, die Mannschaft zu kritisieren.

Doch Tuchel, so viel steht fest, wird sich nicht ändern. "Ich habe mitgenommen, dass es sich nicht lohnt, auf Reaktionen von außen sein eigenes Tun zu reflektieren", sagte er im WDR2-Interview. "Wenn ich mich ärgere, kommt das zum Vorschein." Tuchels Lieblingswort an diesem Samstag? Eindeutig "wir". Seine Kritik sei schließlich in der "Wir-Form" gewählt gewesen - die Entrüstung darüber, dass da ein Trainer auf seine Mannschaft einschlägt, sich selbst aber freihält, folglich unangebracht.

"Ich ärgere mich da grundsätzlich auch über mich selbst", versicherte er, im Kontext seiner anderen Aussagen allerdings klang es mehr nach Rechtfertigung als nach Einsicht. "Das Thema war ein vielfach Kleineres, als es außen um uns herum war."

Magisches Dreieck ohne Götze

Ob der BVB trotz oder gerade wegen Tuchels Wutrede wieder stärker spielte, lässt sich kaum ergründen. Jedenfalls ließ sich niemand hängen, besonders das Offensiv-Trio Marco Reus, Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang, der nun 15 Tore in 13 Liga-Spielen erzielt hat, zauberte gegen teils wirre Gäste. Reus auf Dembélé, Reus auf Aubameyang (zweimal, einmal per Hacke) - es scheint, als habe Tuchel sein magisches Dreieck gefunden. Mario Götze saß hingegen ebenso auf der Bank wie André Schürrle.

Für Tuchel war es eine Freude, Reus zuzusehen. Der 27-Jährige spielt, als habe es das Elend seiner Verletzungspause nicht gegeben. Schon beim kuriosen Champions-League-Schützenfest gegen Legia Warschau (8:4) hatte er drei Tore vorbereitet und zwei erzielt, am Samstag brillierte er mit drei Vorlagen vom Feinsten.

"Es ist fantastisch, wie Marco zurückgekommen ist, mit welcher Persönlichkeit und Ausstrahlung, das ist ganz einzigartig", sagte Tuchel. Nach dem Abpfiff kam aus dem Nichts die Frage auf, ob der Nationalspieler nicht anstelle von Marcel Schmelzer der BVB-Kapitän sein sollte. "Das ist mir Latte", sagte Reus genervt. Tuchel allerdings schlug das Buch nicht sonderlich energisch zu: "Diese Frage", sagte er, "ist bis zum Winter definitiv kein Thema."

Quelle: n-tv.de

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