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Erst Kontakt, dann Elfmeter: Arjen Robben im Zweikampf mit Bochum Jan Simunek, der dafür Rot sah.
Erst Kontakt, dann Elfmeter: Arjen Robben im Zweikampf mit Bochum Jan Simunek, der dafür Rot sah.(Foto: dpa)

"Das geht mir auf die Eier": Robben lässt die Bochumer Seele kochen

Von Tobias Nordmann, Bochum

Mit dem Anpfiff wird Arjen Robben in Bochum von den VfL-Fans geschmäht, nach 40 Minuten dann endgültig zur "Persona non grata" im Pokal-Viertelfinale. Mit zwei Aktionen bringt der Bayern-Star einen ganzen Klub gegen sich auf. Erneut.

Er hatte eindringlich vor dem VfL Bochum gewarnt. Eine Mannschaft mit Bundesliga-Niveau sei das. Auf ein äußert intensives Spiel müsse sich der FC Bayern München einstellen. Es brauche eine "hochkonzentrierte Leistung", um dort zu bestehen. Bayerns "Aushilfsmahner" Arjen Robben hatte sich (das gelang) und seine Mannschaft (das gelang nicht) vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale an der Castroper Straße richtig heiß geredet. Und so heiß er sich geredet hatte, so spielte er auch. Gleich mehrmals fiel der Niederländer auf. Aus Sicht der Bochumer aber eher äußerst unangenehm. Was sie schon während, aber vor allem nach der 0:3 (0:1)-Niederlage deutlich an- und aussprachen.

Nun war es ja nicht so, dass Robben nicht schon vor dem Spiel im Bochumer Stadion ein äußerst ungern gesehener Gast gewesen wäre, zu präsent war noch sein letzten Pokalauftritt im Dezember 2011, als er die Bayern mit einer Schwalbe und dem späten Siegtreffer zum 2:1 in die nächste Runde schoss. Von Beginn an wurde der niederländische Nationalspieler bei jedem Ballkontakt gnadenlos ausgepfiffen oder mit Schmähgesängen bedacht. Eine Situation die er auch aus anderen Stadien kennt, beispielsweise aus Dortmund. Eine Situation, mit der er offenbar aber auch ausgesprochen gut umgehen kann.

Ein "Wischer" als Knackpunkt

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Angepiekst von der hitzigen Atmosphäre legte der 32-Jährige los. Immer wieder versuchte er mit Tempo und Tricks seine rechte Seite zu beackern. Dort aber stand ihm Bochums "Kampfschwein" Timo Perthel gegenüber. Ein Spielertyp, den Robben so gar nicht mag. Mit aller legitimen Härte bearbeitete der Außenverteidiger seinen Gegenspieler – bis zur 27. Minute. Dann musste der bis dahin so bärenstarke Perthel ausgewechselt werden. Ein Knackpunkt in diesem Spiel. Denn nach der Auswechselung des 27-Jährigen kam Robben immer stärker zur Entfaltung. Was aber war zuvor passiert? Bei einem Zweikampf mit dem Niederländer und einem Wischer ins Gesicht erlitt der VfL'er eine Augenverletzung, sein persönliches Pokal-Aus. Robben beteuerte nach dem Spiel, dass das "ohne Absicht" geschah. Den Fans des Gastgebers war das indes egal. Sie hatten nun bei jeder Aktion des Bayern-Dribblers richtig erhöhten Puls.

Und es dauerte gerade einmal weitere 16 Minuten, ehe Robben endgültig zur "Persona non grata" in der Ruhrpott-Metropole mutierte. Eine Berührung vom für Perthel eingewechselten Jan Simunek nahm Robben auf und stürzte – ein wenig theatralisch - im Strafraum. Schiedsrichter Bastian Dankert wertete die Aktion als Notbremse des Tschechen, gab Elfmeter (durchaus berechtigt), den Torwart Manuel Riemann parieren konnte, und Rot – eine harte, aber regelkonforme Entscheidung. Bochums Manager Christian Hochstätter ließ das schon zur Pause richtig wütend werden. Über Robben sagte er: "Wenn er einen Kontakt spürt, geht er zu Boden". Die regelkonforme rote Karte nannte er "einen Witz, eine Sauerei".

"Das war nie Elfer und nie Rot"

Nach Schlusspfiff wurde die Kritik an Münchens Linksfuß, der auch in der zweiten Halbzeit jede Menge Fouls gegen sich provozierte, dann noch drastischer. "Das geht mir auf die Eier. Der liegt 90 Minuten auf dem Boden. Das hat er gar nicht nötig", wetterte etwa Keeper Riemann. Und sein Trainer, Robbens Landsmann Gertjan Verbeek, echauffierte sich in der ARD über die Schwalbenmentalität des Müncheners: "Normal bin ich stolz, Holländer zu sein. Aber das war nie Elfer und nie Rot. Wenn Robben Kontakt spürt, geht er liegen – das weiß ja jeder von ihm."

Der Gescholtene selbst blieb übrigens trotz Kritik von allen Seiten äußerst gelassen. Den Vorwurf der Schauspielerei wies er entschieden von sich: "Er trifft mich am Fuß und deshalb war es ein klarer Elfmeter." Er könne aber verstehen, dass sich der VfL aufrege: "Das war eine spielentscheidende Szene." Ein Robben-Satz, den sogar die Bochumer unterschrieben hätten.

Quelle: n-tv.de

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