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"Ich bin immer noch ein wichtiger Spieler": Franck Ribéry.
"Ich bin immer noch ein wichtiger Spieler": Franck Ribéry.(Foto: imago/Sven Simon)

So läuft der 12. Spieltag: Schweinsteiger fit, BVB jagt, der Norden tönt

Von Stefan Giannakoulis und Christian Bartlau

Der FC Bayern setzt wieder auf Schweinsteiger, Hoffenheim gibt sich international, der BVB sehnt sich in der Fußball-Bundesliga nach Stabilität. Und auf Schalke haben sie vor Zorn Wurstwasser in den Augen.

Wie hoch gewinnen die Bayern?

Normal wäre es, wenn die Hoffenheimer an diesem zwölften Spieltag der Fußball-Bundesliga in München mit 6:0 verlieren würde. Sagt Markus Gisdol, Trainer der TSG. Allerdings hofft er dann doch, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, dass sein Pendant Josep Guardiola nach der Partie "nur einen beiläufigen Händedruck" für ihn übrig hat. Dann wisse er, also Gisdol, dass seine Spieler den FC Bayern erneut genervt hätten - so wie beim 3:3 im März.

Alles gut überstanden: Thomas Müller.
Alles gut überstanden: Thomas Müller.(Foto: imago/Marca)

Wir möchten das nicht ausschließen. Nicht nur, dass Hoffenheim als Tabellenfünfter so schlecht nicht dasteht, auch wenn es schon zehn Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter aus München sind. Nein, die TSG mausert sich immer mehr zum Hort für Nationalspieler. Beim Sieg der deutschen Weltmeister in Spanien standen mit Sebastian Rudy und Kevin Volland zwei Hoffenheimer in der Startelf, das Tor zum 2:1 für Brasilien in Österreich schoss in seinem zweiten Länderspiel Firminho, und Jannik Verstergaard war mit Dänemark unterwegs. Andererseits dürfte das den FC Bayern wenig beeindruckenden, der in den kommenden Monaten auf seinen verletzten Kapitän Philipp Lahm verzichten muss. Wieder dabei hingegen sind Torhüter Manuel Neuer und Abwehrchef Jérôme Boateng, die auf das Spiel der DFB-Elf in Vigo verzichtet hatten, nun aber auf wundersame Weise wieder fit sind. Auch Thomas Müller ist nach seiner Gesäßprellung dabei. Und sonst so? Haben die Bayern ihr Stadion abbezahlt und können nun endlich ihr Geld für neue Spieler ausgeben. Grund genug für Franck Ribéry, vorsichtshalber sein Revier zu markieren. Es ist ja im Gespräch, dass Dortmunds Marco Reus in absehbarer Zeit nach München übersiedelt. Ein guter Spieler, sagte Ribéry dem "Kicker". Allerdings: "Ich bin noch eine Weile da, auch wenn ich 32 werde. Ich bin immer noch ein wichtiger Spieler. Mit mir muss man immer noch rechnen."

Nachtrag, 13.50 Uhr: Bastian Schweinsteiger steht nach 132 Tagen Verletzungspause vor seinem Comeback, lässt der FC Bayern ausrichten. "Bastian ist im Kader, er ist fit. Das ist eine gute Nachricht. Er ist dabei und zurückgekommen, ein Spieler mehr für unseren Kader. Ich weiß nicht, ob er von Beginn an spielt", sagte Guardiola. Schweinsteiger? Das ist der Kapitän der deutschen Nationalelf. Sein bisher letztes Spiel war das WM-Finale am 13. Juli.

Wie läuft die Dortmunder Aufholjagd?

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Der BVB hat Großes vor an diesem Spieltag: Die Dortmunder wollen Platz 15 in der Tabelle verlassen und den Abstand zum SC Paderborn verkürzen. Da trifft es sich gut, dass die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp am Samstag in Ostwestfalen antritt. "Jetzt müssen wir den nächsten Schritt tun und Stabilität reinbekommen", sagt Klopp. Ziel ist auch nach dem desaströsen Saisonstart ein Startplatz in der Champions League. Das ist der Wettbewerb, in dem der BVB in dieser Saison alle Spiele gewonnen hat. Und ganz so unrealistisch, wie es vielleicht erscheint, ist dieses Ansinnen nicht. Bis zum Tabellenvierten Hannover sind es neun Punkte, und 23 Runden sind noch zu spielen. Aber natürlich warnt Klopp vor dem Gegner, bei dem mit Marvin Bakalorz, Marvin Ducksch, Uwe Hünemeier, Lukas Kruse, Mahir Saglik, Mario Vrancic und Martin Amedick sieben ehemalige Dortmunder unter Vertrag stehen: "Paderborn ist ein Beispiel dafür, wie man mit wenig Geld, klaren Ideen und guten Entscheidungsträgern fantastische Arbeit machen kann. Wir sind uns der Schwere der Aufgabe bewusst." Das zeigt auch ein Blick auf die Bundesligatabelle nach Marktwerten, die wir bei den Experten für vergleichende Wertschätzung von transfermarkt.de gefunden haben. Dort steht der BVB auf Platz zwei mit 342,25 Millionen Euro. Die Paderborner sind Tabellenletzter. Stünde er zum Verkauf, würde der gesamte Kader 24,25 Millionen Euro einbringen. Dementsprechend defensiv taxiert Trainer André Breitenreiter die Aussichten auf einen Erfolg am Samstag: "Wenn die Dortmunder 100 Prozent abrufen, wird es schwer. Wenn sie das nicht tun, werden wir da sein und unsere Chance nutzen."

Was passiert sonst noch?

Die Kollegen von "Floskelwolke" weisen auf ihrem Blog auf abgegriffene und inhaltsleere Formulierungen in journalistischen Texten hin. Eine verdienstvolle Aufgabe, die wir natürlich unterstützen. Deswegen wenden wir den derzeitigen Spitzenreiter "aller Zeiten" auch in diesem Text an. Ehrensache. Je älter die Saison, desto häufiger werden Sie als Leser auf die Formel "richtungsweisendes Spiel" treffen. Genau genommen weist so ein Spiel gar keine Richtung, sondern das Ergebnis.

Hat Rücken: Christoph Kramer, Weltmeister, hier mit Freundin Celina. die natürlich keinen Nachnamen hat. Zumindest haben wir ihn nirgendwo gefunden.
Hat Rücken: Christoph Kramer, Weltmeister, hier mit Freundin Celina. die natürlich keinen Nachnamen hat. Zumindest haben wir ihn nirgendwo gefunden.(Foto: imago/Future Image)

Am konkreten Beispiel: Gewinnt der 1. FC Köln sein Heimspiel gegen Hertha BSC, winkt das obere Mittelfeld, während die Abwärtsfahrt der Berliner dann plötzlich auf den Abstiegsrängen Zwischenhalt einlegen könnte. Danach warten dann Bayern München, Mönchengladbach und Dortmund auf die Hertha. Klingt also nach dem richtungsweisendsten Spiel aller Zeiten, oder, Manager Michael Preetz? "Es ist eines von sechs wichtigen Spielen vor Weihnachten." Aha. Bayer Leverkusen testet in Hannover die internationale Tauglichkeit von 96, das zuletzt dreimal in Folge zu null gewonnen hat. Gladbach muss gegen die kriselnde Eintracht aus Frankfurt beweisen, dass die erste Pflichtspielniederlage der Saison in Dortmund nur ein Ausrutscher war. Befremdlich war ja nicht etwa das Ergebnis, sondern schon eher das bizarre Eigentor von Christoph Kramer - und am meisten die schwache Leistung des Tabellendritten. Wenn es ganz schlecht läuft, muss Trainer Lucien Favre seine Doppel-Sechs ersetzen. Christoph Kramer zwickt noch immer der Rücken, Granit Xhaka fehlt noch die Fitness nach seinem Bänderriss.

Welche Mannschaft überrascht?

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Der VfB Stuttgart mit einem Heimsieg? Hätte zumindest Seltenheitswert. Am 27. September besiegte die Mannschaft des gebürtigen Augsburgers Trainer Armin Veh im Neckarstadion Hannover 96 mit 1:0. Das war's. Ansonsten gab's in dieser Saison ein Remis und drei Niederlagen. Schlechter ist zu Hause keine andere Mannschaft der Liga. Am späten Sonntagnachmittag ist nun der FC Augsburg zu Gast beim Tabellenletzten - mit einem Sieg und fünf Niederlagen nach der Berliner Hertha das zweitschlechteste Auswärtsteam. Einziges Erfolgserlebnis war das 1:0 bei der Frankfurter Eintracht am dritten Spieltag. Was sagt uns das? Nicht viel, nur eine Zahlenspielerei vor diesem Schwabenduell, bei dem die Augsburger mit zehn Punkten mehr auf dem Konto als Tabellensiebter wesentlich besser dastehen. Da können die Stuttgarter doch froh sein, dass Veh zwar verschnupft, aber wieder an seinem Arbeitsplatz ist. "Unserem Trainer geht’s nach einem grippalen Infekt wieder besser", ließ der VfB via Twitter verlauten. Ansonsten hat Kapitän Christian Gentner angesichts des miserablen Saisonstarts nur einen Wunsch: "Bis zur Winterpause würde ich gerne sechsmal 1:0 gewinnen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Das wäre in der Tat eine Überraschung.

Wo wird's brisant?

Schlichte Zielsetzung: Pierre-Michel Lasogga.
Schlichte Zielsetzung: Pierre-Michel Lasogga.(Foto: imago/Contrast)

Erinnern Sie sich noch an die Papierkugel? Nein? 7. Mai 2009, Uefa-Pokal-Halbfinale, Rückspiel in Hamburg. Es steht 2:1 für Bremen, das Hinspiel gewann der HSV mit 1:0. Hamburg braucht ein Tor. An der eigenen Eckfahne will HSV-Verteidiger Michael Gravgaard die Kugel zu Torwart Frank Rost zurückspielen, doch eine Papierkugel lässt den Ball an sein Schienbein hüpfen. Ecke Bremen, Tor Bremen, die Entscheidung. Es war der kuriose Höhepunkt der "Festwochen": Vier Derbys in 19 Tagen. Im DFB-Pokal-Halbfinale hält Torwart a.D. Tim Wiese drei Elfmeter und bringt Werder ins Finale. Auch im Uefa-Pokal haben die Bremer das bessere Ende für sich. Und auch an der Weser sind aller guten Dinge drei: In der Liga beendet der 2:0 Sieg die Meisterschaftshoffnungen des HSV. Sie haben richtig gelesen: Der HSV war damals Meisterschaftskandidat, landete am Ende auf Rang fünf. Übrig ist aus dieser Mannschaft nur noch Marcell Jansen, und ausgerechnet der fehlt am Sonntag. Ein Ausfall mit Symbolwert - wirklich nichts erinnert mehr an die Zeit, als das Nordderby noch eins der wichtigsten Spiele der Liga war. Nun stehen sich der 16. und der 17. der Tabelle gegenüber. Der HSV weist mickrige vier Tore auf, Stürmer Pierre-Michel Lasogga verspricht Besserung: "Vielleicht ist solch ein Derby ein Dosenöffner für die ganze Saison." Die Fans sollen dabei helfen, die Klub-Kampagne zum Spiel läuft unter dem Motto "das lauteste Nordderby aller Zeiten". Lasogga kümmert das wenig: "Das Wichtigste ist nicht, ob es das lauteste oder leiseste wird, sondern dass wir das Spiel gewinnen."

Für welchen Trainer wird es eng?

So etwas wie eine Schonfrist gibt es auf Schalke nicht, schon gar nicht für einen Trainer ohne Stallgeruch. Oder anders: Für einen Trainer, der nicht Huub Stevens heißt. Roberto di Matteo steht also zumindest in den Medien schon freudig unter Beschuss, ganz im Gegensatz zum Torwart der Schalker Gegner. Defensiv solide bis kompakt, im Angriff erschreckend konzept- und harmlos: Hätte Jens Keller es gewagt, die Mannschaft so spielen zu lassen, Vereinsboss Clemens Tönnies wäre vor Zorn Wurstwasser in die Augen gestiegen.

Nun wirbt der Fleischmagnat via "Kicker" für Geduld mit dem neuen Mann. "Ich bin überzeugt, er wird eine langfristig gute Entwicklung einleiten." Die Champions League sei kein Muss - wohl aber die Europaliga. Die liegt nur drei Punkte, aber eben auch einige Vereine entfernt, die sich in dieser Saison besser präsentieren als Schalke. Mainz etwa, und Bayer Leverkusen. Ein Konkurrent, mit dem S04 um die Champions-League-Plätze kämpfen wollte, kommt am Samstag in die Schalker Arena - mit der Empfehlung von acht Pflichtspielsiegen in Folge. Der Tabellenzweite bringt das Selbstverständnis eines Titelkandidaten mit: "Das Ziel ist es, aus Schalke drei Punkte mitzunehmen. Dass wir dieses Ziel haben, spricht für die Entwicklung der Mannschaft", sagte Trainer Dieter Hecking. Was setzt di Matteo dagegen? "Wir spielen zu Hause. Da ist es wichtig, mit der Unterstützung unserer Fans zu punkten." Die könnte aber auch schnell ausbleiben, wenn das Team keine Fortschritte macht.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Meinen Sie, ich beschäftige jetzt einen Gärtner, nur weil ich Bundesliga-Trainer bin? Nein, ich bleibe auf dem Boden der Tatsachen. Außerdem liebe ich Gartenarbeit, ich kann dabei gut abschalten." Bremens neuer Trainer Viktor Skripnik bleibt bodenständig.

Quelle: n-tv.de

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