Welttorhüter Pfannenstiel im Interview"Südafrika muss am Ball bleiben"

Vor einem Jahr feiert die Welt mit Südafrika ein großartiges Fußballfest. Das Land überzeugt bei der Ausrichtung der ersten Fußball-WM auf afrikanischem Boden. Folgt nun der Kater nach dem Fußball-Rausch? "Nein", glaubt Welttorhüter Lutz Pfannenstiel: "Die WM war ein Glücksfall."
Farbenfroh und weltoffen präsentierte sich Südafrika vor einem Jahr. Ohne Probleme, mit viel Charme und Esprit richtete das Land die erste Fußball-WM auf afrikanischem Boden aus - erfolgreich, wie Fans und Kritiker unisono sagen. Aber was ist von dem rauschenden Fußball-Fest ein Jahr später geblieben? Lutz Pfannenstiel, Fußball-Weltenbummler und Afrika-Kenner, verrät es im Gespräch mit n-tv.de.
n-tv.de: Herr Pfannenstiel, sie sind fußballerischer Weltenbummler und gelten als Kenner des afrikanischen Fußballs, auch weil sie dort selbst als Profi und Trainer aktiv waren. Sie haben die Fußball-WM in Südafrika live vor Ort mitverfolgt und ihr das Prädikat "absolut sensationell" gegeben. Wie fällt Ihr Urteil nun ein Jahr nach diesem Großereignis aus? Hat sich Ihre Meinung geändert?
Lutz Pfannenstiel: Nein. Die WM war überragend, ein absoluter Glücksfall für Südafrika. Vom Fußball her ist die Liga attraktiver geworden. Die Welt hat das Land fußballerisch wieder auf dem Schirm. Der Fußball und auch die finanziellen Möglichkeiten haben sich zum Teil recht deutlich verbessert.
Und was brachte die WM für die Menschen?
Die Infrastruktur ist um einiges besser geworden: Bahn-, Bus- und Straßenverkehr - vor allem in den Ballungsgebieten wie beispielsweise Johannesburg - sind deutlich besser geworden. Das Leben der Menschen ist dadurch etwas einfacher geworden. Auch kulturell und sozial hat sich einiges getan, da sehr viel Geld investiert worden ist in Cafés, Restaurants und Shopping-Center. Die Freizeitmöglichkeiten sind vielfältiger geworden.
Und für das Land Südafrika im Speziellen?
Die Wahrnehmung des Landes in der Welt hat sich verändert. Es kommt für viele nicht mehr so gefährlich herüber, wie es vor der WM in den meisten Köpfen verankert war. Klar gibt es noch Verbrechen und Kriminalität, aber die Touristen haben durch die WM gelernt. Mit etwas Vorsicht kann man sich fast überall frei bewegen.
Das spricht natürlich auch für Südafrika als Tourismusland.
Das stimmt. Die WM hat den Tourismus weiter nach vorn gebracht - vor allem in den Küstenstädten. Denn die Weltmeisterschaft hat gezeigt: Hier kann man sicher Urlaub machen.
Geht es den Menschen auf breiter Basis besser?
Auf jeden Fall. Wirtschaftlich sind durch die WM viele neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Neue Industrien haben sich angesiedelt. Nun ist Südafrika gefordert, dieses Level zu halten. Jetzt gilt es die Zügel in der Hand zu halten und am Ball zu bleiben.
Das heißt?
Südafrika ist nun gefordert, den ersten negativen Auswirkungen entgegenzuwirken. Einige der WM-Stadien im Land stehen leer, werden ob ihrer Größe nicht oder nur kaum genutzt. Da müssen Lösungen gefunden werden, denn ändert sich das nicht, droht ihnen in fünf bis zehn Jahren der Verfall. Das wäre schade, schließlich ist enormes Geld in diese Schmuckkästchen gesteckt worden.
Stichwort Finanzen: Mehr als vier Milliarden Euro wurden investiert. Für ein Land wie Südafrika eine Menge Geld …
Richtig. Aber eine Menge Geld, das unterm Strich gut angelegt ist - für das Wohl des ganzen Volkes. Arbeitsplätze, bessere Infrastruktur, mehr Sicherheit, aufpoliertes Image. Das natürlich Kritiker sagen: Südafrika hat viel Geld in die Hand genommen, das es eigentlich gar nicht hat und rein rechnerisch nichts dabei gewonnen, kann ich verstehen. Aber betrachtet man das große Ganze, waren Südafrika und der gesamte Kontinent Profiteure dieser ersten Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden.
Mit Lutz Pfannenstiel sprach Thomas Badtke