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Die BVB-Profis um Kapitän Marcel Schmelzer stehen vor einer emotionalen Ausnahmesituation
Die BVB-Profis um Kapitän Marcel Schmelzer stehen vor einer emotionalen Ausnahmesituation(Foto: dpa)

"Ohnmächtiges Gefühl" beim BVB: Tuchel und Matthäus kritisieren Uefa hart

Keine 24 Stunden nach dem Anschlag auf Borussia Dortmund muss der BVB gegen Monaco antreten - obwohl viele Profis gar nicht wollen. BVB-Coach Thomas Tuchel äußert Unverständnis über die Uefa-Entscheidung. Auch Lothar Matthäus übt harte Kritik.

BVB-Trainer Thomas Tuchel hat die schnelle Wiederansetzung des Champions-League-Spiels gegen den AS Monaco nur einen Tag nach der Attacke auf den BVB-Mannschaftsbus kritisiert. "Wir hätten uns mehr Zeit gewünscht, damit umzugehen", sagte der Coach kurz vor dem Anpfiff im Bezahlsender Sky.

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In Nyon sei entschieden worden, "wird gleich noch gespielt oder wird am nächsten Tag gespielt, ohne dass das Ausmaß irgendwie klar war", sagte Tuchel weiter und kritisierte damit auch die Europäische Fußball-Union Uefa. "So ist es ein etwas ohnmächtiges Gefühl." Man müsse vor allem den Spielern zugestehen, "heute mit einem mulmigen Gefühl in den Bus zu steigen". Mit der Anstoßzeit und der Vorgeschichte fühle sich "das nicht wie ein Champions-League-Feiertag an".

Unverständnis bei Matthäus

Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus kritisierte die Uefa für die Ansetzung des Spiels keine 24 Stunden nach dem Bombenanschlag auf den BVB-Bus noch deutlicher. "Wie ich aus Mannschaftskreisen gehört habe, wollten viele Spieler heute nicht spielen. Aber die Uefa übt Druck aus, und die Politik bittet Borussia Dortmund, dem Terror zu trotzen", sagte der Weltmeister von 1990 bei Sky.

"Für mich ist es unverantwortlich, dass die Spieler heute auflaufen müssen. Es ist eine unverständliche Entscheidung der Uefa, die Dortmund unter Druck gesetzt haben", führte Matthäus aus. In dem Fall müsse man an die Spieler denken und alles hinten anstellen, so der 56-Jährige.

Matthäus bezweifelt, dass die Spieler von Borussia Dortmund "voll fokussiert auf das Spiel" in die Partie gegen den AS Monaco gehen können. "Das kann ich mir nicht vorstellen", sagte Matthäus und erinnerte an Fußball-Bundesligist Hannover 96. Nach dem Selbstmord von Nationaltorhüter Robert Enke sei die Mannschaft damals monatelang mental von der Rolle gewesen. Es sei nicht abzuschätzen, wie die Spieler von Dortmund auf die Situation reagieren würden.

"Demokratie auf dem Prüfstand"

BVB-Trainer Tuchel hatte es seinen Spielern nach dem Sprengstoffanschlag vom Dienstagabend auf den Dortmunder Bus freigestellt, gegen Monaco aufzulaufen. Einen Verzicht auf einen Einsatz gab es von keinem BVB-Profi.

"Ich bin der Mannschaft unheimlich dankbar, dass sie sich zur Verfügung stellt", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kurz vor Anpfiff des Viertelfinal-Hinspiels: "Das Wichtigste ist, dass die Demokratie und unsere freiheitliche Grundordnung auf dem Prüfstand steht und die müssen wir stärken. Da leistet die Mannschaft einen weltweit beachteten Beitrag."

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Quelle: n-tv.de

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