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VfL Wolfsburg gegen den FC Bayern München in der Volkswagen-Arena: Wolfsburgs Bas Dost (M.) jubelt nach seinem Tor zum 2:0.
VfL Wolfsburg gegen den FC Bayern München in der Volkswagen-Arena: Wolfsburgs Bas Dost (M.) jubelt nach seinem Tor zum 2:0.(Foto: picture alliance / dpa)
Samstag, 31. Januar 2015

Wolfsburg ein ernsthafter Konkurrent: Verwundbarer FC Bayern leidet am Desaster

Von Stefan Giannakoulis, Wolfsburg

Es kommt viel zusammen in Wolfsburg, der VfL überragt, die Münchner finden nicht ins Spiel. Am Ende steht eine nicht für möglich gehaltene Niederlage des FC Bayern. Der muss erkennen, dass ihm in der Fußball-Bundesliga ein potenter Mitbewerber heranwächst.

Am Ende wollten sie dann nur noch weg. Eine Viertelstunde blieb der Vorstand des FC Bayern nach dem Abpfiff in der Kabine, dann schritten die Herren schweigend zum Bus. Selbst Matthias Sammer hatte es die Sprache verschlagen. Mit 1:4 hat der FC Bayern an diesem unwirtlichen Freitagabend am Mittellandkanal beim VfL in Wolfsburg verloren. Das ist vielleicht keine Sensation, aber allemal eine sehr große Überraschung.

VfL Wolfsburg - FC Bayern München 4:1 (2:0)

Tore: 1:0 Dost (4.), 2:0 Dost (45.+2), 3:0 De Bruyne (53.), 3:1 Bernat (55.), 4:1 De Bruyne (73.)
Wolfsburg: Benaglio - Vieirinha, Naldo, Knoche, Rodriguez - Arnold, Luiz Gustavo - Caligiuri (86. Hunt), De Bruyne, Perisic (81. Schäfer) - Dost (83. Bendtner)
München: Neuer - Rode (51. Weiser), Jerome Boateng, Dante, Bernat - Alonso - Robben, Schweinsteiger, Alaba, Thomas Müller (71. Götze) - Lewandowski (71. Pizarro)
Schiedsrichter: Welz - Zuschauer: 30.000 (ausverkauft)

Die Gastgeber gewannen in ihrem mit 30.000 Zuschauern ausnahmsweise ausverkauften Stadion nicht nur diese Partie und damit drei Punkte. Sie haben auch gezeigt, dass die Bayern verwundbar sind. Ach was, die haben sie dominiert, indem sie dem Gegner zwar zu zwei Dritteln den Ball überließen, ihm aber kaum Torchancen gestatteten. Und indem sie mit überragender Konsequenz konterten. Zweimal traf Kevin de Bruyne, zweimal Bas Dost - für die Wolfsburger war es ein perfekter Abend. Das konnte nun wirklich niemand erwarten.

In der Tabelle der Fußball-Bundesliga bleibt aber auch nach diesem furiosen Auftakt der Rückrunde erst einmal alles, wie es vorher war. Der FC Bayern steht auch nach seiner ersten Niederlage in dieser Saison auf Platz eins, nur dass er jetzt acht statt elf Punkte vor den Wolfsburgern steht. Das Problem für die Münchner ist eher, dass ihnen mit dem VfL schneller als erwartet ein Konkurrent erwächst, der ihnen in den kommenden Jahren ernsthaft die Position als Branchenprimus streitig machen könnte. Die Wolfsburger haben nicht nur jetzt schon eine gute Mannschaft mit einem überragenden de Bruyne, mit Dieter Hecking einen sehr guten Trainer und mit Klaus Allofs einen findigen Manager. Sie haben vor allem sehr viel Geld.

Wolfsburgs Kevin de Bruyne holt zum Torschuss aus.
Wolfsburgs Kevin de Bruyne holt zum Torschuss aus.(Foto: picture alliance / dpa)
"Heute noch ein bisschen stolzer"

Oder besser: Der Autobauer Volkswagen hat das Geld und gibt es dem VfL, damit der noch bessere Spieler kaufen kann. Zum Beispiel den Nationalspieler André Schürrle, der für kolportierte 30 Millionen Euro vom FC Chelsea aus London in die niedersächsische Provinz kommen soll. Die Auflösung folgt spätestens am Montag, dann endet um 18 Uhr die Transferperiode. Und einen Tag später spielen sie schon wieder, die Wolfsburger in Frankfurt und die Münchner gegen Schalke. Wenig Zeit für die Bayern, das Desaster zu verdauen.

Torhüter Manuel Neuer, der in diesem einen Spiel so viele Treffer kassierte wie in den 17 Bundesligaspielen zuvor und sich hinterher etwas auskunftsfreudiger als seine Chefs zeigte, fasste das Desaster so zusammen: "Das ist in die Hose gegangen. Es ist keine Katastrophe ausgebrochen, aber wir wissen, dass wir noch viel zu tun haben." Sein Kollege Bastian Schweinsteiger sah das ähnlich: "Wir haben viele Fehler gemacht und uns auskontern lassen. Heute war nicht unser Tag. Das müssen wir abhaken, analysieren und besser machen." Und Jérôme Boateng assistierte: "Wir haben einfach schlecht gespielt. So etwas darf uns nicht noch einmal passieren. Wir müssen jetzt wach werden. Im nächsten Spiel wird eine deutliche Steigerung nötig sein, um dieses Spiel wieder wettzumachen."

Wolfsburgs Kevin de Bruyne (l) erzielt das Tor zum 3:0. Foto
Wolfsburgs Kevin de Bruyne (l) erzielt das Tor zum 3:0. Foto(Foto: picture alliance / dpa)
"Wir verdienen diese Niederlage"

In der Tat war es so, dass über die gesamten 90 Minuten niemand ernsthaft den Eindruck haben konnte, dass jemand anderes als die Wolfsburger am Ende gewinnen. Sie haben gezeigt: Der FC Bayern ist angreifbar. Für die Liga ist das eine gute Nachricht. Erst einmal. Denn es stellt sich die Frage, wann die Münchner wieder auf so einen starken Gegner treffen werden. Der VfL jedenfalls hat in beeindruckender Manier gezeigt, warum er auf Platz zwei der Tabelle steht. Und warum Manager Allofs schon vorher die Champions League nun auch ganz offiziell als das bezeichnet hatte, was die Wolfsburger in dieser Saison erreichen wollen. Bis dahin hatten sie immer nur von der Europaliga geredet. Aber ein Klub, der 30 Millionen Euro für Schürrle ausgeben kann, der gibt sich halt nicht mehr mit europäischer Zweitklassigkeit zufrieden.

"Ich glaube, dass meine Mannschaft heute etwas geschafft hat, worauf sie richtig stolz sein kann", sagte Hecking. "Sie hat nicklig gespielt, sie hat aggressiv gespielt, sie hat mit hohem läuferischem Aufwand gespielt, sie hat taktisch diszipliniert gespielt und sie hat die Räume gefunden, die sie bespielen musste." Seine Analyse hatte er mit einem sehr zufrieden klingenden "Tja" einleitete. "Hier sitzt ein Trainer, der heute noch ein bisschen stolzer auf seine Mannschaft ist als sonst." Besonders gefallen hatte ihm, "dass wir es geschafft haben, dass die Bayern nur ganz, ganz wenige Torchancen herausgespielt haben". Das vielleicht gar nicht mehr ganz so neue Wolfsburger Selbstbewusstsein demonstrierte er dann im Nachsatz: "Und das wir die Qualität haben, das ist nicht erst seit heute bekannt."

Eine Tatsache, die Josep Guardiola wenn nicht neidlos, so doch ehrlich anerkannte. "Wir wissen, wie schwer diese Bundesliga ist." Und: "Wir verdienen diese Niederlage." Manchmal, sagte er, sei es vielleicht sogar nötig, ein Spiel zu verlieren. Es solle bloß niemand glauben, der FC Bayern könne mühelos zur Meisterschaft spazieren. Ein Einwand, der wenig daran ändert, dass immer noch alle glauben, dass es genau so kommen wird. Schließlich spielen die Münchner ja nicht jede Woche in Wolfsburg. Immerhin versprach Guardiola dann noch: "Wir werden so schnell wie möglich zurückkommen." Er hat das übrigens gesagt, bevor sein Wolfsburger Pendant zur Pressekonferenz erschienen war. Usus ist das nicht, normalerweise sitzen beide Trainer gemeinsam auf dem Podium. Aber die Bayern hatten es eilig an diesem Abend, die Rückreise, Sie verstehen? Am Ende wollten sie einfach nur noch weg.

Quelle: n-tv.de

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