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"Ich bin ein Typ wie Jürgen Klopp": Thorsten Fink.
"Ich bin ein Typ wie Jürgen Klopp": Thorsten Fink.(Foto: imago sportfotodienst)

"Hey Puppe, ich bin der geilste Typ": Warum Fink beim HSV gescheitert ist

Von Stefan Giannakoulis

Thorsten Fink, der Mann mit dem Bayern-Gen, kommt nach Hamburg und tritt auf wie ein Mann mit der Lizenz zum Siegen. Nun schmeißt der Fußball-Bundesligist seinen Trainer raus. Der hat nun noch mehr Zeit, in der Disko zu reüssieren.

Was auch immer die Hamburger an Thorsten Fink auszusetzen haben - flexibel ist er ja. Nachdem er am Montagabend von Sportdirektor Oliver Kreuzer, seit drei Monaten im Amt, erfahren hatte, dass er ab sofort nicht mehr den Fußball-Bundesligisten Hamburger SV trainiert, schaltete Torsten Fink am Morgen danach flugs in den Bewerbungsmodus: "Ich bin stolz, hier gewesen zu." Soll ihm bloß niemand nachsagen können, dass er einer sei, der über seinen ehemaligen Arbeitgeber lästert. Thorsten Fink hat noch was vor, schließlich ist er erst 45 Jahre alt. Der HSV war nach dem FC Basel und dem FC Ingolstadt erst seine dritte Station als Trainer.

Eine Erfolgsgeschichte waren diese knapp zwei Jahre nicht. Nachdem Thorsten Fink die Mannschaft im Oktober 2011 von Michael Oenning übernommen und vor dem Abstieg gerettet hatte, belegten er und der HSV in der vergangenen Saison immerhin Platz sieben - verpassten damit aber die Teilnahme an der Europaliga. Die war - und ist vielleicht auch noch - in dieser Spielzeit das Ziel. Doch vier Punkte aus fünf Spielen waren zu wenig, die demütigenden Niederlagen gegen Hoffenheim und in Dortmund zu viel. Thorsten Fink musste gehen, weil es "einzig und allein um die Zukunft des Vereins" gehe, wie Vereinschef Carl Jarchow sagte. Und Kreuzer konstatierte: "Man hatte nicht den Eindruck, dass er die Power hat, den Umschwung zu schaffen." Vorerst leiten die ehemaligen Profis Rodolfo Cardoso und Otto Addo das Training. Der Mann aber, der sich bei seinem Amtsantritt mit den Worten vorgestellt hatte: "Ich bin ein Typ wie Jürgen Klopp", ist weg. Der Mann mit der Lizenz zum Siegen.

In Hamburg waren sie sehr stolz darauf, einen in ihren Reihen zu haben, der früher beim FC Bayern gespielt hat - und daher das mysteriöse Gewinnergen in sich trägt. Aber vielleicht ist genau das das Problem. Dass sie in Hamburg immer noch glauben, sie seien zu Höherem berufen und könnten sich mit den Großen messen, nur weil sie als einziger Verein des Landes seit der Gründung der Bundesliga 1963 zumindest nominell erstklassig sind. Und nicht erkennen, dass sie eine Mannschaft haben, die allenfalls dazu befähigt ist, im Mittelfeld der Tabelle mitzumischen. Trotz guter Spieler wie Rafael van der Vaart und Torhüter René Adler.

Schlau war das nicht

Thorsten Finks Problem ist, dass er das nicht erkannt hat. Oder nicht gesagt hat, dass er es erkannt hat. Sondern so auftrat wie einer, der tatsächlich dieses Bayern-Gen hat - und das auch gerne zeigt. Von daher haben er und die Hamburger gut zusammengepasst. Er war es, der vor der Saison davon gesprochen hat, dass er den ruhmreichen HSV ins internationale Geschäft führen wolle. "Wieso Träume? Wir haben uns die Qualifikation für die Europa League schließlich selbst zum Ziel gesetzt. Wir können uns doch nach dem siebten Platz in der Vorsaison schlecht hinstellen und erzählen, dass wir uns jetzt gern auf Platz acht oder neun konsolidieren wollen." Jetzt weiß er: Schlau war das nicht. Er hätte es aber vorher wissen können - bei einem Verein, der kein Geld hat, um das Team grundlegend zu verstärken.

Ebenso die Sache mit den Flügen zu seiner Familie. Eigentlich eine Privatangelegenheit. Aber spätestens nachdem Thorsten Fink den inzwischen an den FC Schalke 04 ausgeliehenen Dennis Aogo suspendiert hatte, weil der Spieler nach dem 1:5 gegen Hoffenheim die folgenden zwei freien Tage genutzt hatte, um auf die Urlaubsinsel Mallorca zu jetten, wurde die zum Politikum. Nach dem jüngsten Debakel in Dortmund war es dann der Trainer, der sich verabschiedete und nach München flog. Jetzt weiß er: Schlau war auch das nicht.

Dabei hat er doch versucht, seinen Spielern die Mentalität der Sieger zu vermitteln. Nach dem Ende der vergangenen Saison forderte Thorsten Fink: "Wir müssen jedes Spiel gewinnen wollen. Ein Spieler muss weiterkommen wollen. Das ist die Charaktereigenschaft Siegeswillen, die hatten sie nicht." Und um zu verdeutlichen, was er meinte, fügte er hinzu: "Wenn man in die Disko geht und die schönste Frau haben will und sagt: Hör mal, willst du mit mir gehen? So klappt das nicht. Man muss sagen: Hey Puppe, ich bin der geilste Typ, du kommst mit mir! Man muss etwas wirklich wollen und das ausstrahlen." Jetzt wissen wir: Hat nicht geklappt.

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Quelle: n-tv.de

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