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Sagen wir es so: Thorsten Legats Hose fällt auf. Und er steht neben Olaf Thon.
Sagen wir es so: Thorsten Legats Hose fällt auf. Und er steht neben Olaf Thon.

Redelings über Thorsten Legat: Wie Olaf Thon seinen Kollegen verführte

Von Ben Redelings

Warum Rudi Assauer total ausrastet, Andreas Möller den Einsatz verdoppelt und Winnetou Pierre Brice seine Schmerzen besser nicht öffentlich gezeigt hätte - Bundesliga-Ikone Thorsten Legat weiß es. Und noch viel, viel mehr.

Warum ich Thorsten Legat so gerne habe? Er mag es, wie ich, Geschichten zu erzählen. Und davon gibt es von und mit Thorsten mittlerweile eine ganze Menge richtig guter. Das ist mir neulich beim Sport1-Fantalk in der 11-Freunde-Bar in Essen wieder aufgefallen. Es ging um eine Story, eine seiner besten, die die Beteiligten auch nach 15 Jahren immer noch heiß diskutieren. Und im Backstage-Bereich der TV-Sendung, in diesem Fall eine typische Keller-Kegelbahn einer alten Kneipe, ist sich ein weiterer Gast sicher, dass das alles nie so passiert sein kann. Zumindest nicht exakt so, wie Thorsten die Geschichte erzählt. Aber nach einigen verbalen Scharmützeln muss Olaf Thon schließlich einräumen, dass das allermeiste wohl so abgelaufen sein könnte. Damals, vor der letzten Saison der Schalker im alten Parkstadion.

Ben Redelings.
Ben Redelings.(Foto: Sascha Kreklau)

Es ist eine dieser Anekdoten, die ich gerne auf der Bühne erzähle, weil ich anschließend sagen kann: Wenn ihr mir nicht glaubt, schaut selbst nach. Dort, im "Kicker"-Sonderheft des Jahres 2000/2001 findet sich dieses sagenumwobene Mannschaftsfoto des S04. Als das Bild geknipst wird, stehen alle Königsblauen wie in jedem Jahr im Sommer in Reih und Glied und lachen in die Kameras. Tausende Male wird an diesem Tag der Auslöser gedrückt. Immer wieder müssen die Profis in der prallen Sonne die Schultern rausdrücken und freundlich gucken. Das kann schnell langweilig werden.

"Fußball ist nicht das Wichtigste"

Ben Redelings, Jahrgang 1975, sagt: "Ich lese eigentlich alles, was es zur Bundesliga gibt." Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und kümmert sich seit 15 Jahren hauptberuflich um alles, was mit Fußball zu tun hat. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er alle zwei Wochen mittwochs die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Ganz nach dem Motto eines seiner zahlreichen Bücher: "Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben - es ist das Einzige."

Und so raunt irgendwann an diesem Vormittag Thon seinem Kollegen zu: "Legat, wenn du deine Hose bis zum Anschlag hochziehst, bekommst du von mir 500 Mark." Aus dem Hintergrund schaltet sich Andreas Möller ein: "Ich erhöhe auf 1000, Thorsten!" Das klingt nach einem ordentlichen Nebenverdienst. Und vor allem nach einem lustigen Spaß. Also lässt sich Legat nicht lange bitten, schiebt das Hemd in die Hose und zieht diese bis unter die Achseln hoch. Und tatsächlich schafft er es mit dieser Aktion unbemerkt ins Sonderheft. Dumm nur, dass Manager Rudi Assauer, als er das Magazin in den Händen hält, nicht viel Sinn für Humor zeigt und ihm eine Strafe von mehr als 25.000 Mark aufbrummt. Als Legat einwendet, dass sich das für ihn aber nicht rentiere, da er doch nur 1.000 Mark bekommen habe für die Wette, schmeißt Assauer ihn hochkant aus seinem Büro - und den prall gefüllten Aschenbecher gleich hinterher.

Daumen hoch, warum auch immer: Olaf Thon. Ach, er hält ein Buch von Redelings in der Hand.
Daumen hoch, warum auch immer: Olaf Thon. Ach, er hält ein Buch von Redelings in der Hand.

Es gibt Menschen, die behaupten, man könne heute noch im Türrahmen seines ehemaligen Arbeitszimmers die Einkerbung bewundern. Thon erinnert sich an diesem Abend auf der Kegelbahn lächelnd an die ach so verrückten Zeiten zurück. Aber dass Thorsten so viel Geld zahlen musste - nee, das will er partout nicht glauben. Legat zieht die Stirn kraus. Mit bebender Stimme erzählt er noch einmal, wie er die Minuten oben beim Manager erlebt hat: "Olaf, das war nicht schön, das kann ich dir sagen. Das ganze Zimmer ist vollgeraucht gewesen. Ich hab den Manager fast gar nicht gesehen an seinem Schreibtisch. Ich dachte, ich bin beim Paten höchstpersönlich. Ich hab mich nur gefragt: Was geht denn hier ab? Und dann hat er gerufen: 20.000 Mark Strafe, bamm. 5.000 Mark in die Mannschaftskasse, bamm. Und als ich dann nur den Mund aufgemacht habe, hat er geschrien: Und noch ein Mannschaftsessen obendrauf!" Auf der Kegelbahn ist es mucksmäuschenstill. Thorsten nickt im Takt mit dem Kopf auf und ab. Kurz schüttelt er sich. Mit geschlossenen Augen fügt er andächtig hinzu: "Nee, nee. War nicht schön. Das kann ich euch sagen!"

Thorsten hat tolle Storys auf Lager, aber was ich besonders an ihm bewundere, ist die Art, wie er zu seinen Geschichten steht. Denn nicht alle sind angenehm für ihn. Aber die allermeisten sind im Nachhinein vor allem eins: Sehr unterhaltsam - ob sie wahr sind oder auch nicht. Viele Anekdoten habe ich mir im Laufe der Jahre von Thorsten "verifizieren" lassen. Eine noch nicht. Aber sie ist zu schön, um sie nicht zu glauben: Als die beiden ehemaligen Bochumer Legat und Thomas Epp für Eintracht Frankfurt spielen, müssen sie eines Tages verletzt nach München zu Doktor Müller-Wohlfahrt. Nach einer etwas längeren Wartezeit kommt der große Schauspieler und bekannte Winnetou-Darsteller Pierre Brice, gestützt von seiner Frau, durch die Tür herein. Er schreit vor Schmerzen. Offensichtlich plagt ihn ein Hexenschuss. Seine Frau bittet die beiden Profis inständig, ihren Mann vorzulassen. Doch Legat kennt kein Erbarmen und antwortet ohne lange zu überlegen: "Nee!" Etwas nachdenklicher schiebt er hinterher: "Außerdem dachte ich, ein Indianer kennt keinen Schmerz!" Großartig. Danke, Thorsten, für diese wunderbaren Geschichten!

Quelle: n-tv.de

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