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Werksklub-Gerede?: Wie VW die Macht im Fußball übernimmt

Kein Konzern hat mehr Einfluss auf die Fußball-Bundesliga als Europas größter Autobauer. Weil der FC Ingolstadt nun auch noch aufsteigt, ist VW jetzt an drei Erstligisten beteiligt. Nicht jeder findet das gut. Doch Überraschung: Volkswagen hat damit kein Problem.

Gut gelaunt parlierte Martin Winterkorn über seinen Lieblingsspieler beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. "Die Hoffnung, ihn zu halten, ist sehr groß", sagte der Volkswagen-Chef über Kevin De Bruyne: "Der VfL wird alles dafür tun, dass das funktioniert. Große Spiele werden durch große Spieler entschieden, und so einer ist er." Winterkorn ist ein großer Player, wenn auch außerhalb des Platzes. Der 67 Jahre alte Manager ist der Boss von Europas größtem Autobauer und spätestens seit dem Aufstieg des FC Ingolstadt am Sonntag auch Chef des Unternehmens mit der meisten Macht im deutschen Fußball. An drei Erstligisten ist VW direkt beteiligt, doch das ist längst nicht alles.

Wolfsburg oder München? Hauptsache VW: Kevin De Bruyne.
Wolfsburg oder München? Hauptsache VW: Kevin De Bruyne.(Foto: imago/Hübner)

Schon bei De Bruyne könnte es kniffelig werden. Falls das kolportierte Interesse des FC Bayern München an dem Starspieler der hundertprozentigen Volkswagen-Tochter ernsthaft wird, dann dürfte Winterkorn es bald erfahren - denn er sitzt auch im Aufsichtsrat des deutschen Meisters, an dem der Wolfsburger Konzern über das Tochterunternehmen Audi beteiligt ist. Eine offizielle Funktion bei der Fußball GmbH des VfL hat Winterkorn nicht. Das ist aber auch nicht notwendig. Der Einfluss des Fußball-Liebhabers ist nicht nur wegen der Aussagen über De Bruyne offensichtlich.

Die VW-Verstrickungen sind nicht zu übersehen, und sie sind durch den Aufstieg des FC Ingolstadt nicht geringer geworden. Auch am Erstliga-Neuling ist der Konzern über Audi beteiligt, das Stadion gehört dem Unternehmen sogar komplett. Über das Thema wird öffentlich nicht so gerne geredet. "Wir sind ein Verein, deswegen weigere ich mich auch, über dieses Werksklubs-Gelaber zu diskutieren, weil es definitiv nicht so ist", sagte Peter Jackwerth, Vorstandschef des FC Ingolstadt, dem Bayerischen Rundfunk. "Der Verein hat über 80 Prozent, dann wäre Bayern auch ein Werksclub." Die Münchner halten 75 Prozent, den Rest (je 8,33 Prozent) teilen sich Adidas, Audi und Allianz. 100 Prozent hält VW am VfL Wolfsburg, alimentiert die Fußball GmbH pro Saison mit hohen Millionenbeträgen im zweistelligen Bereich.

"Audi hat einen großen Anteil"

Der Volkswagen-Chef in der Volkswagen-Arena bei seiner Volkswagen-Mannschaft: Martin Winterkorn.
Der Volkswagen-Chef in der Volkswagen-Arena bei seiner Volkswagen-Mannschaft: Martin Winterkorn.(Foto: imago/Christian Schroedter)

Ohne den Konzern, das ist klar, wären Spieler wie De Bruyne oder André Schürrle und demnächst Max Kruse nicht in Wolfsburg. Und über die Bedeutung des Konzerns beim Aufstieg der Ingolstädter sagte Jackwert unumwunden: "Audi hat einen großen Anteil." Was passiert, wenn Ingolstadt in einem Jahr dringend Punkte im Kampf um den Klassenerhalt benötigt und auf den als Meister feststehenden FC Bayern trifft? Oder auf den als Vizemeister feststehenden VfL Wolfsburg? Solche und ähnliche Fragen stellen sich die Fans. Die Liga-Verantwortlichen tun das nicht - zumindest nicht öffentlich. Rechtlich ist das alles in Ordnung.

Der Ligaverband hat im März eine Beschränkung der Mehrfachbeteiligung von Unternehmen und Investoren im deutschen Profifußball beschlossen, aber DFL-Chef Christian Seifert betonte, dass es eine Ausnahme bei dieser Regelung gebe: "Für den Volkswagen-Konzern besteht ein Bestandsschutz." Schon bei der sogenannten 50+1-Regel wurde für den VfL Wolfsburg, ebenso wie für Bayer Leverkusen, eine Ausnahme gemacht. Der Automobilbauer ist ein wichtiger Geldgeber des Fußballs, nicht nur durch die direkte Beteiligung an drei Klubs.

VW ist auch ein spendabler Sponsor, etwa für den DFB-Pokal und bei insgesamt 16 Klubs in den beiden höchsten deutschen Ligen. Mancher klagt schon über ein VW-Kartell im Profifußball. Volkswagens Marketingvorstand Christian Klingler rechtfertigte das Sponsoring kürzlich vor den Aktionären bei der VW-Hauptversammlung: "Damit stehen wir nicht allein, sondern befinden uns in einem starken Wettbewerb mit renommierten Unternehmen, die sich ebenfalls sehr stark für den Fußball engagieren. Zum Beispiel in der Champions League, bei den Weltmeisterschaften, aber auch in der Bundesliga." Die Kritik aus der Liga ist kaum wahrnehmbar oder leise. Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke warnte vor den finanziellen Möglichkeiten der Wolfsburger: "Wenn VW das richtig ernst nimmt, werden alle Grenzen gesprengt." Der BVB könnte von erhöhten VW-Aufwendungen auch profitieren, immerhin gehört die VW-Tochter MAN zu den Sponsoren des Clubs.

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Quelle: n-tv.de

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