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"c't" warnt davor, Apps wie "Popcorn Time" zu nutzen.
"c't" warnt davor, Apps wie "Popcorn Time" zu nutzen.(Foto: c't)

Urheberrecht - was ist das?: Abmahnanwälte kassieren bei Flüchtlingen

Weil sie es so gewöhnt sind, laden viele Flüchtlinge Musik und Filme aus dem Netz herunter. Sie werden damit zur leichten Beute für Abmahnanwälte. Der Leichtsinn der Neuankömmlinge kommt aber auch Helfern teuer zu stehen.

In Deutschland geraten offenbar immer mehr Flüchtlinge in das Visier von Abmahnanwälten. Die Menschen kommen aus Ländern, in denen es völlig normal ist, Raubkopien aus Tauschbörsen herunterzuladen. Die kostenlose Selbstbedienung wird dort nicht juristisch verfolgt und wie die Computerzeitschrift "c't" berichtet, haben sie oft auch gar keine andere Möglichkeit, Filme anzusehen. Wenn es in ihrer Heimat überhaupt noch ein Angebot in Kinos und Fernsehen gibt, dann nur äußerst eingeschränkt.

Dieses mangelnde Unrechtsbewusstsein kann hier in Deutschland zu kostspieligen Problemen führen - nicht nur für den Downloader. "c't" berichtet von einem Fall, in dem ein Syrer Filme über das WLAN eines hilfsbereiten Nachbarn aus illegalen Quellen konsumierte. Mitte Februar erhielt dieser eine Abmahnung in Höhe von 815 Euro. Hintergrund ist die sogenannte Störerhaftung, die WLAN-Betreiber unter Umständen in die Verantwortung nimmt, wenn Nutzer des Internetzugangs Rechtsverstöße begehen. Nach Informationen des Computermagazins ist die Abmahnung des Syrers kein Einzelfall. Viele Flüchtlinge beziehungsweise deren Helfer liefen derzeit "ins offene Messer der Massenabmahner."

"Rabatt" bei Härtefällen

In den "c't" vorliegenden Fällen wurden alle Abmahnungen von der Münchner Kanzlei Waldorf-Frommer verschickt, die mehrere große Filmvertriebe vertritt. Die geforderte Summe setzt sich aus einem angenommenen Schadenersatzanspruch in Höhe von 600 Euro und einem sogenannten Aufwendungsersatz von 215 Euro zusammen.

Rechtlich dürften die Abmahnungen in Ordnung gehen, Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Die Kanzlei und ihre Mandanten scheinen aber bis zu einem gewissen Grad zur Milde bereit zu sein. Man könne zum Zeitpunkt des Versands einer Abmahnung nicht wissen, "welchen sozialen oder wirtschaftlichen Hintergrund der jeweilige Anschlussinhaber hat." Könne ein Abgemahnter glaubhaft machen, dass es sich um einen Härtefall handelt, nehme man darauf angemessen Rücksicht - "bis hin zum Totalerlass der Forderung", teilte die Kanzlei "c't" mit. Der Computerzeitschrift ist ein Fall bekannt, in der ein ehrenamlicher Jurist für eine alleinerziehende geflohene Frau die Forderung von 915 auf 315 Euro drücken konnte - zahlbar in Monatsraten von 10 Euro.

 

Quelle: n-tv.de

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