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Auch auf Smartphones kann man das Tor-Netzwerk nutzen. Es gibt allerdings einiges zu beachten.
Auch auf Smartphones kann man das Tor-Netzwerk nutzen. Es gibt allerdings einiges zu beachten.(Foto: kwe)

Tor-Browser für jedes Gerät: Anonym im Internet - so geht's

Von Klaus Wedekind

Das Tor-Netzwerk bietet auch Otto-Normal-Nutzern die Möglichkeit, weitgehend anonym im Internet zu surfen. Auf Computern ist dies sehr einfach, auf Smartphones schon etwas komplizierter und nicht immer ganz so sicher, wie sich manche wünschen.

Netzaktivist Jacob Appelbaum hat beim Chaos Communication Congress 31C3 wieder kräftig Werbung für das von ihm entwickelte Tor-Netzwerk gemacht, das Menschen die Möglichkeit bietet, sich anonym im Internet zu bewegen. Genutzt wird es bisher vor allem von Aktivisten, die staatliche Verfolgung fürchten müssen, Bloggern oder Journalisten, die ihre Quellen schützen wollen. Appelbaum wünscht sich aber, dass Anonymität im Internet zum Standard wird und der Massenüberwachung einen Riegel vorschiebt. Tatsächlich ist das Netzwerk nicht mehr nur Insidern vorbehalten und auch ohne tiefere Kenntnisse nutzbar. Alltagstauglich ist es aber nur bedingt.

Videos bereiten Probleme

Anonymes Surfen auf einem Desktop-Rechner ist tatsächlich ein Kinderspiel, das Projekt bietet für Linux, Windows und Mac OS X Tor-Browser an, die im Handumdrehen installiert sind. Lediglich Besitzer eines Mac-Computers müssen gewöhnlich zuvor eine sinnvolle Sicherheitshürde ihres Systems überspringen: Da das Programm nicht aus dem App Store stammt, ist es notwendig, die heruntergeladene Datei zunächst im Finder mit gedrückter ctrl-Taste über das rechte Maustasten-Menü zu öffnen.

Nach der Installation kann man Tor weitgehend wie jeden anderen Browser nutzen. Die Geschwindigkeit ist trotz gewachsener Bandbreite allerdings nach wie vor deutlich beschränkt und einige populäre Webseiten, auf denen Medien angeboten werden, sind tabu. So ist es zwar verlockend, mit dem Browser die Ländersperrung von Youtube zu umgehen. Der Tor-Browser warnt allerdings davor, die Videos abzuspielen, da der Rechner dann wieder eindeutig zu identifizieren wäre. Nutzer, die anonym bleiben wollen, sollten diese und andere Warnungen auf keinen Fall ignorieren. Dies gilt besonders auch für heruntergeladene Dokumente. Da sie oft Links enthalten, die aus dem sicheren Netzwerk herausführen, sollten sie nur offline geöffnet werden.

Googles Android erlaubt viel Anonymität

Die sogenannten Browser-Bundles für Desktop-Rechner sind sicher ein großer Fortschritt in Richtung "Massen-Anonymität". Doch in der Realität nutzen die Menschen heutzutage vor allem Smartphones und Tablets für ihre Online-Aktivitäten. Und mobil ist das Tor-Netzwerk noch bei weitem nicht so bequem und auch nicht so sicher nutzbar, da die Betriebssysteme wesentlich größere Einschränkungen machen.

Am besten verbinden sich Android-Geräte mit dem anonymen Netzwerk. Der Schlüssel dafür ist die offizielle App des Tor-Projekts Orbot, die auch ohne Root-Rechte mit mehreren in Googles Play Store angebotenen Anwendungen zusammenarbeitet. Dazu gehören neben dem hauseigenen Browser Orweb, der sicheren Whatsapp-Alternative ChatSecure und der Suchmaschine DuckDuckGo auch Firefox und Twitter. Für den mobilen Mozilla-Browser ist dabei ein Add-on nötig, das nur direkt aus dem Orbot-Assistenten während der Einrichtung oder später aus dem Menü heraus zu installieren ist. Dort ist gibt's auch eine Anleitung für die Twitter-Einstellungen. Weitere unterstützte Apps listet das verantwortliche Guardian Project auf einer Webseite auf.

Die Kombinationen Orbot/Orweb oder Orbot/Firefox sind sehr empfehlenswert für Normal-Nutzer, die Schnüfflern jeglicher Couleur das Datensammeln schwer machen wollen. Hängt wirklich die persönliche Sicherheit von der Anonymität ab, sollte grundsätzlich der Tor-Browser auf dem Desktop verwendet werden. Wie ein Beitrag auf Xordern.net zeigt, können in den Android-Anwendungen noch Fehler auftauchen, durch die die richtige IP-Adresse eines Nutzers enttarnt wird. Das Guardian Project weist darauf hin, dass es sich wahrscheinlich um Fehler in Android handelt und empfiehlt für Webseiten mit HTML5-Medienspielern den Einsatz der Firefox-Kombination mit zusätzlichen Sicherheitseinstellungen.

In Orweb ist standardmäßig JavaScript aktiviert und alle Cookies werden akzeptiert. Beides sollte für ein anonymes Surfen abgestellt werden. Außerdem ist empfehlenswert unter "User Agent" zu "TorBrowserBundle" zu wechseln.

Versierte Nutzer, die ihr Gerät gerootet haben, sollten laut Guardian Project ihre Admin-Rechte nutzen, um Orbot mit Systemverwalterzugriff zu installieren. Da dann der gesamte Datenverkehr über Tor läuft, kann es aber zu Problemen bei Anmeldungen kommen. Im Test schlug beispielsweise Microsoft Alarm und forderte eine Bestätigung des Outlook-Kontos.

Fürs iPhone noch nicht offiziell

Noch weniger dürfen sich iOS-Nutzer auf Anonymität bei Tor-Apps verlassen. Da die Restriktionen von iOS streng sind und eine sichere Einbindung in das Tor-Netzwerk nur schwer möglich ist, gibt es bisher keine offizielle App für iOS. Unter anderem kämpfen Entwickler damit, JavaScript zu deaktivieren, was für eine zuverlässige Verschleierung der IP-Adresse notwendig wäre. Dem Ziel einer offiziellen Empfehlung durch das Projekt scheint der Onion Browser (89 Cent) nahe zu sein. In einem Cure53-Test wies die App im April zwar noch zahlreiche Schwachstellen auf, ihr Entwickler macht aber Fortschritte. Um JavaScript im Onion Browser zu deaktivieren, muss in den über den Teilen-Button erreichbaren Einstellungen im Browser-Menü ein Häkchen hinter "Block all Active Content" gesetzt werden. Noch ist die App sehr minimalistisch und hakelt oft, aber in Kürze soll eine an iOS 8 angepasste Version mit weiteren Funktionen erscheinen.

Interessant ist auch der jüngere, aber umfangreichere und wesentlich modernere "Red Onion" (89 Cent). Auch in diesem inoffiziellen Tor-Browser ist es möglich, JavaScript zu blocken. Die App könnte auch für weniger sicherheitsbewusste iOS-Nutzer interessant sein, da sie über eine Änderung der Config-Datei erlaubt, Live-Streams der britischen BBC zu betrachten. Die Anleitung ist etwas versteckt unter "Help & Support" zu finden, wenn man auf "View latest version of this Help File on the web" tippt.

Egal welches System mit welchem Browser genutzt wird, lohnt sich ein Test der Konfiguration bei "ip-check.info", wobei Schwachstellen offengelegt und Änderungsvorschläge gemacht werden. Für Windows-Phone-Geräte gibt es derzeit keine empfehlenswerte Tor-Browser-App.

Quelle: n-tv.de

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