Technik
Anonymous feiert ihre bisher größte Attacke und hilft damit vielleicht seinen Gegnern.
Anonymous feiert ihre bisher größte Attacke und hilft damit vielleicht seinen Gegnern.

DDoS-Atombombe für #OpMegaupload: Anonymous schießt Eigentor

von Klaus Wedekind

Nach dem Schlag der US-Justiz gegen die Datentausch-Plattform Megaupload legt Anonymous Webseiten von Behörden und Unterhaltungsindustrie lahm. Zum Einsatz kommt ein Tool, mit dem sich jeder per Klick an DDoS-Attacken beteiligen kann. Doch die Aktivisten locken für ihre Rache auch Nutzer in die Falle - und spielen ihren Gegnern in die Hände.

Kurz nachdem bekannt wurde, dass auf Betreiben der US-Justiz der Datentausch-Plattform Megaupload der Saft abgedreht und die Betreiber in Neuseeland festgenommen wurden, haben Aktivisten von Anonymous einen Rachefeldzug im Internet gestartet. Durch sogenannte DDoS-Attacken legten sie innerhalb weniger Minuten mehrere Webseiten von US-Behörden und der Unterhaltungsindustrie lahm. Nach eigenen Angaben handelt es sich dabei um die größte Attacke, die Anonymous bisher durchgeführt hat.

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Bei DDoS-Angriffen werden Server durch eine Anfragen-Flut in die Knie gezwungen. Hacker setzen dafür häufig ein Bot-Netz ein, das aus vielen Tausend Zombie-Rechnern besteht, die vorher durch einen Virus unter Kontrolle gebracht wurden. Das Kollektiv Anonymous setzt aber auf die freiwillige Teilnahme von Nutzern. Dafür stellen sie ein kleines Programm namens LOIC (Low Orbit Ion Cannon) zur Verfügung. Damit kann man quasi per Mouseklick eine DoS-Attacke (Denial of Service attack) starten, die bei mehreren Teilnehmern mit gemeinsamem Ziel zur DDos-Attacke (Distributed Denial of Service attack) wird.

So ein freiwilliges LOIC-Botnetz ist eine mächtige Waffe, mit der großer Schaden angerichtet werden kann. Bisher wurde das Tool mehr als 30.000 Mal heruntergeladen. Bei der von Anonymous ausgerufenen #OpMegaupload (Operation Megaupload) namen laut @YourAnonNews 5635 Nutzer per LOIC teil.

Bärendienst für friedlichen Protest

Aber nicht alle Netzaktivisten und Sympathisanten jubeln über "die größte Attacke, die Anonymous jemals durchgeführt hat". Viele sehen die großen Fortschritte, die im Kampf gegen ausufernde Gesetzesvorhaben wie SOPA, PIPA oder ACTA erzielt wurden, bedroht. Denn nicht nur republikanische Präsidentschaftskandidaten, die eben noch vor der Fernsehkamera gegen zu harte Regelungen plädierten, bekommen damit neue Munition, um die Antipiraterie-Gesetze in ihrer ursprünglichen Fassung doch noch durchzubringen.

Vielleicht ist Anonymous ihren erklärten Gegnern mit #OpMegaupload in die Falle gegangen. Das Tech-Magazin "Cnet" hat Quellen, die sagen, der Zeitpunkt der Aktion gegen Megaupload sei kein Zufall gewesen. Die Regierung hätte einen Kampf provozieren wollen, um die SOPA/PIPA-Niederlage auszubügeln. Um sich neue Argumente für Internet-Repressalien zu beschaffen, sei ein "Cyber-Terroranschlag" von Anonymous perfekt.

Offenbar gibt es unter den Anonymous-Aktivisten aber tatsächlich einige, die alle Ideale über Bord geworfen haben. Denn auf dem Blog des Sicherheitsanbieters Sophos, "Naked Security" ist zu lesen, dass von Anonymous auf Twitter und anderswo im Internet Link-Fallen gelegt haben. Nutzer, die mit aktivierten JavaScript auf so einen Link klickten, schließen sich unwissend und unfreiwillig DDoS-Attacken an

Quelle: n-tv.de

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