Technik

Pures Gift für Langfinger: Apps gegen Handy-Diebe

Von Klaus Wedekind

Wenn ein Smartphone gestohlen wird, sind nicht nur einige Hundert Euro, sondern viele persönliche Daten futsch. Einige Hersteller haben deshalb Schutzfunktionen in die Geräte integriert, mit denen Nutzer das geklaute Telefon suchen und Daten löschen können. Aber es gibt auch kostenlose und käufliche Bodyguards für Handys. Besonders schwer macht es Langfingern Theft Aware.

Und schon ist es weg ...
Und schon ist es weg ...

Über 500 Euro kosten Samsungs neues Flaggschiff Galaxy S2 oder der HTC-Bolide Sensation. Auch das Iphone 4 ist nicht günstiger zu haben. Aber selbst wer "nur" ein Smartphone für 200 Euro hat, muss gut auf das Telefon aufpassen. Denn auf dem kleinen Computer sind oft mehr persönliche Daten gespeichert als zu Hause auf dem Desktop-Rechner: E-Mail- und SMS-Korrespondenzen, Kontakte, private Fotos und Videos, Facebook- und Twitter-Zugänge. All das fällt Langfingern zusammen mit dem geklauten Smartphone in die Hände.

Bildschirmsperre ist das Mindeste

Manche geklauten Handys kann man orten lassen und so Dieben das Handwerk legen.
Manche geklauten Handys kann man orten lassen und so Dieben das Handwerk legen.

Um Dieben das Berufsleben etwas schwerer zu machen, sollten Smartphone-Besitzer wenigstens die Bordmittel des Telefons nutzen. Wenn die Bildschirmsperre aktiv ist, können Diebe oder unehrliche Finder ohne etwas "Bastelarbeit" zunächst nichts mit dem Handy anfangen. Bei iPhones findet man die Funktions beispielsweise unter "Einstellungen" - "Allgemein" - "Codesperrung". In den Einstellungen von Android-Geräten kann man die Bildschirmsperre unter "Sicherheit" beziehungsweise "Standort und Sicherheit" aktivieren.

Samsung schützt Flaggschiffe

Das Samsung Galaxy S wird per uTrack ferngesteuert.
Das Samsung Galaxy S wird per uTrack ferngesteuert.

Highend-Smartphones bieten noch wesentlich mehr Sicherheitsfunktionen. Samsung bietet für seine Android-Boliden der Galaxy-Klasse und das Bada-Smartphone Wave einen Dienst an, mit dem Nutzer ihr gestohlenes oder verlorenes Telefon über die Webseite "SamsungDive" orten lassen und sperren oder Daten löschen können. Besitzer eines Galaxy S2 können außerdem ihr Telefon klingeln lassen und Anrufprotokolle abrufen. Ausführliche Bedienungsanleitungen finden Nutzer auf der SamsungDive-Seite.

Apple-Schutz im Prinzip gratis

Praktisch die gleichen Funktionen bietet Apples App "Mein iPhone suchen", die Bestandteil des Synchronisationsdienstes Mobile Me ist. Mit ihr können Nutzer über ein anderes iPhone oder iPad ihr vermisstes Gerät orten, sperren oder klingeln lassen und Nachrichten an den "Finder" schicken. Am Computer erreicht man die Funktionen über die Webseite me.com. Auch Apple bietet eine sehr anschauliche Anleitung für "Mein iPhone suchen" an.

Ein freundlicher Appell bringt das iPhone kaum zurück.
Ein freundlicher Appell bringt das iPhone kaum zurück.(Foto: Apple)

Für Besitzer eines aktuellen Apple-Geräts ist die Fernzugriffs-Funktion kostenlos. Nutzer eines älteren Modells müssen theoretisch für ein Mobile-Me-Konto 79 Euro im Jahr bezahlen. Es kursieren aber Anleitungen im Netz, wie man den Dienst auch mit einem iPhone 3G oder 3GS gratis nutzen kann. Demnach muss man sich lediglich über ein iPhone 4 oder iPad eine Apple-ID besorgen, die man dann für das ältere Gerät nutzt.

Motorola sucht und löscht

Motorola hat den Diebstahlschutz für Smartphones in seinem Dienst Motoblur integriert. Um die Funktion nutzen zu können, benötigt man ein Motoblur-Konto, das man gewöhnlich schon bei der Inbetriebnahme des Telefons anlegt. Danach kann man sich bei MyMotoblur einloggen und sein Telefon orten lassen und/oder Daten löschen.

HTC betreibt Telefonfinder

Wer einen HTC-Boliden besitzt, nutzt HTC Sense, um Langfingern das Geschäft zu verderben. Der "Telefonfinder" bietet ungefähr die gleichen Optionen wie Apples und Samsungs Fernzugriffsdienste. Wie man den Dienst aktiviert, kann man beispielsweise in der Anleitung des HTC Desire S nachlesen.

Für Android-Smartphones finden sich außerdem im Market Antiviren-Apps, die Diebstahlschutzfunktionen anbieten. Einige bieten Handyortung und Löschfunktionen nur in der kostenpflichtigen Version an, andere haben einen Gratis-Diebstahlschutz integriert. Gute Beispiele sind Anti-Virus Free von AVG Mobilation, Lookout Mobile Security, Norton Mobile Security oder Kaspersky Mobile Security.

Der Spezialist kommt aus Österreich

Diebstahlschutz-Apps sind auch Vertrauenssache, denn sie fordern weitreichende Rechte ein.
Diebstahlschutz-Apps sind auch Vertrauenssache, denn sie fordern weitreichende Rechte ein.

Wer bereit ist, etwas Geld auszugeben, sollte einen Blick auf Theft Aware werfen. Die österreichische App gibt's nicht nur für Android-, sondern auch für Symbian-Smartphones. Das besondere an der App ist, dass sie im Gegensatz zu den anderen Lösungen im Verborgenen bleibt. Der Dieb sieht kein Icon der Anwendung und findet die App nicht in der Liste der installierten Anwendungen. Selbst im Installationsprotokoll hinterlässt sie keinen Eintrag. Unter Symbian verschwindet Theft Aware nach der Installation spurlos, unter Android tarnt sie der Nutzer mit einem unauffälligen Namen. Um die Einstellungen zu ändern, ruft der Nutzer den Zugangscode an.

Der Dieb merkt nichts

Verlorene oder gestohlene Handys können Theft-Aware-Nutzer per SMS-Befehl fernsteuern. Dabei ist es nicht nur möglich, das Gerät zu orten, Daten endgültig zu löschen oder eine Sirene heulen zu lassen (sehr laut!). Der Smartphone-Besitzer kann den Dieb abhören, das Telefon-Protokoll abfragen, Kontakte und SMS sichern. Steckt der Dieb oder unehrliche Finder eine neue SIM-Karte ein, sendet Theft Aware seine Telefonnummer und die des Anrufers selbstständdig und unsichtbar an eine vom rechtmäßigen Besitzer festgelegte Mobilfunknummer. Auch mit der  neuen Telefonnummer kann das Handy geortet werden. Android-Nutzer sind außerdem in der Lage, Benachrichtigungen über eingehende Anrufe zu empfangen und Kopien von Nachrichten weiterzuleiten. Der Dieb bekommt von alldem nichts mit.

Mit Theft Aware kann man den Ernstfall auch simulieren.
Mit Theft Aware kann man den Ernstfall auch simulieren.

Wurde Theft Aware mit Root-Rechten als Systemdatei installiert, lässt es sich auch durch ein Reset nicht entfernen. Wer ein gerootetes Smartphone hat, kann es außerdem ferngesteuert neustarten oder das USB-Debugging sperren, wodurch es nicht mehr möglich ist, das Telefon mit Spezial-Tools zu knacken. Top: Alle Funktionen und Befehle sind sehr genau in einem umfangreichen Handbuch nachzulesen.

Zur Zeit bietet ITAgents die App für 2,99 Euro an. Möchte man eine Lizenz haben, die man bei einem Gerätewechsel behalten kann, kostet Theft Aware 4,49 Euro. In absehbarer Zukunft soll Theft Aware auch über ein Online-Portal fernsteuerbar sein. Laut ITAgenten-Geschäftsführer Reinhard Holzner läuft bereits die Testphase.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen