Goldrausch um Mini-ProgrammeApps lassen die Kassen klingeln
Ob eine Wo-habe-ich-geparkt-?-Suche, eine Wasserwaage oder ein Musikerkenner: Smartphone-Apps erleben einen Boom. Rund um die kleinen Handy-Helfer entwickelt sich ein Milliardenmarkt. Und alle wollen mitverdienen.
Nicht nur für die Hersteller von Smartphones tut sich ein Riesenmarkt auf. Weil immer mehr der Internethandys verkauft werden, boomt auch die Nachfrage nach den Mini-Programmen für die Geräte, die sogenannten Apps. Sie ermöglichen den Smartphone-Nutzern vom Aktualisieren ihres Facebook-Profils bis zum Buchen von Hotelzimmern fast alles. Auch in Deutschland werden sie millionenfach heruntergeladen. In San Francisco fand in dieser Woche der weltweit erste App-Kongress statt - und nicht nur Firmen, auch viele Hobbyprogrammierer wittern ein großes Geschäft.
Bis 2012 soll es jährlich fast 50 Milliarden App-Downloads geben, mehr als fünfmal so viel wie zurzeit, wie aus einer Studie des weltweit zweitgrößten App-Anbieters GetJar hervorgeht. Auch die Deutschen laden immer mehr Apps auf ihre Mobiltelefone. In diesem Jahr werden die deutschen Handy-Nutzer laut einer Studie des IT-Branchenverband Bitkom voraussichtlich 755 Millionen Apps auf ihre Smartphones installieren, fast doppelt so viel wie noch im Vorjahr.
"Jetzt beginnt der große Ansturm"
Handy-Applikationen gibt es bereits seit den späten neunziger Jahren. Ein Massenmarkt wurden sie jedoch erst, nachdem der Apple-Konzern Mitte 2008 seinen AppStore für das bahnbrechende Internethandy iPhone eröffnete. Inzwischen preisen alle Smartphone-Hersteller die Apps immer offensiver an. Noch ist Apple führend, aber vor allem Google holte zuletzt auf. Für sein Betriebssystem Android, das auf vielen Handys läuft, gibt es immer mehr der Mini-Programme.
"Es ist gerade erst bekannt geworden, dass der Markt eine Goldgrube ist", sagt der Chef des weltweit ersten App-Kongresses, Drew Ianni. "Jetzt beginnt der große Ansturm." Schon jetzt gibt es hunderttausende Apps: Von der Wasserwaage fürs Handy bis zur Eieruhr. Die Applikationen dienen aber vor allem auch dazu, auf dem Handy den Internetbrowser zu ersetzen. Mit einer Youtube-App etwa kann der Nutzer mit einem Knopfdruck direkt in dem Video-Portal landen. Er muss nicht das gesamte Internet auf den meist kleinen Smartphone-Bildschirmen durchsuchen und auch das Eintippen der Web-Adresse in der Zeile des Browsers bleibt ihm erspart.
Entwickler werden beteiligt
Mit einer App zu Geld kommen kann im Grunde jeder, der eine Idee hat und programmieren kann. Ist die Applikation einmal in einem der einschlägigen Internet-Shops, werden die Entwickler an jedem App-Download beteiligt. Je beliebter die Apps, desto lukrativer das Geschäft. Viele Apps sind gratis, eine kostenpflichtige App hingegen ist in Deutschland laut Branchenverband Bitkom derzeit im Schnitt für 2,82 Euro zu haben. Schon mancher Hobbyprogrammierer hat das App-Entwickeln inzwischen zum Beruf gemacht.
Aber die Konkurrenz wird immer härter. "Du musst unter den besten sein, um viel Geld zu verdienen", sagte Brian Lee von Pen Power, einer US-Firma, die hinter der iPhone-App World Card steht. Die App nimmt Kontaktinformationen in Adressbücher auf, indem der Nutzer Visitenkarten fotografiert. "Die Menschen sind unbeständig", sagt Oren Michels, Chef der US-Softwarefirma Mashery. "Wenn eine App nicht gut ist, wird sie nicht genutzt." Seine Firma hat sich auf Apps spezialisiert, die Unternehmen dabei helfen, mit Kunden in Kontakt zu treten.
Der Markt boomt, doch der Anteil der erwachsenen Nutzer ist gering. Laut einer Studie, die das Pew Institut in Washington veröffentlichte, nutzen lediglich 24 Prozent der Erwachsenen in den USA die Applikationen. "Es ist offensichtlich, dass der Markt noch ganz am Anfang steht", sagte Kristen Purcell vom Pew Internet Project. Derzeit würden überwiegend Männer und Jugendliche Apps nutzen. "Der App-Markt scheint den Konsumgewohnheiten der Mehrheit von erwachsenen Handy-Nutzern einen Schritt voraus zu sein", sagte Purcell.
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