Technik
(Foto: Apple)

Trotz höherer Euro-Preise: Darum ist das iPhone SE besonders

Von Johannes Wallat

Das iPhone SE ist keine Revolution. Die "Special Edition" sieht aus wie ein iPhone 5s und hat die Technik des 6s - mit Abstrichen. Doch das SE ist aus anderen Gründen besonders.

Das neue iPhone heißt SE. Das steht für "Special Edition". Aber ist dieser Name gerechtfertigt? Was genau ist an dem Vierzöller eigentlich so besonders? Auf den ersten Blick nicht viel. Es sieht aus wie das iPhone 5s, es hat weitgehend die Technik des iPhone 6s, das im Herbst 2015 vorgestellt wurde.

Das "Special" liegt woanders. Apple füllt mit dem SE eine leere Nische und öffnet sich für neue Zielgruppen. Das iPhone 6 und sein größerer Ableger 6 Plus verkauften sich wie geschnitten Brot, auch die Nachfolgemodelle der s-Generation stießen auf großes Interesse. Doch es gibt immer noch viele Nutzer, die gerne ein 4-Zoll-iPhone haben möchten. 30 Millionen Vierzöller verkaufte Apple noch 2015. Diese Käufer hatten bis gestern nur die Möglichkeit, ein über zwei Jahre altes Gerät zu nutzen - in der Technik-Zeitrechnung ist das eine Ewigkeit.

Starker High-End-Zwerg

Auch in der Android-Welt sind Smartphones mit derart kleinen Bildschirmen selten. Es gibt in dieser Größenklasse kein Topmodell mit aktueller Technik auf dem Markt. Vergleichbar ist das Xperia Z5 Compact mit 4,6-Zoll-Display, das wiederum eher mit dem iPhone 6s und dessen 4,7-Zoll-Bildschirm konkurriert. Nun ist aber das iPhone SE da, das "stärkste 4-Zoll-Smartphone aller Zeiten", wie es Tim Cook während der Keynote in Cupertinos Town Hall nannte.

Ja, es sieht aus wie das iPhone 5s und hat die gleiche Displayauflösung. Es beherrscht kein 3D-Touch, was aber zu verkraften ist. Im Innern steckt aktuelle Technik aus der 6s-Generation inklusive Touch ID, A9-Prozessor und dem allzeit bereiten M9-Koprozessor, der das Kommando "Hey Siri" ermöglicht - außerdem, laut Leak-Spezialist Steve Hemmerstoffer, 2 Gigabyte Arbeitsspeicher. Die hintere Kamera knipst wie das iPhone 6s Fotos mit 12 Megapixeln und nimmt 4K-Videos auf, die Frontkamera hat aber nur 1,2 Megapixel statt der 5 Megapixel des 6s. Dafür ist der Selfie-Blitz mit an Bord, bei dem das Display hell aufleuchtet.

Und die Preise? Die sind für Apple-Verhältnisse moderat, deutsche Kunden müssen allerdings deutlich tiefer in die Tasche greifen als die Käufer in Apples Heimatmarkt. In den USA gibt's das SE mit 16 Gigabyte (GB) schon für 399 Dollar, in Deutschland werden satte 489 Euro fällig, die 64-GB-Variante kostet 589 Euro. Ein Billig-iPhone ist das SE damit nicht, aber: Das iPhone 6s kostet mit 16 GB immerhin 744,95 Euro, also ganze 255,95 Euro mehr.

Raus aus der Stagnation

"Special Editions" sind im Allgemeinen nur begrenzt verfügbar, entweder für eine bestimmte Zeit oder in einer bestimmten Stückzahl. Das iPhone SE ist aus anderem Grund besonders: Es ist ohne Konkurrenz. Ein leistungsfähiger Smartphone-Zwerg in einem von allen anderen Herstellern vernachlässigten Größenbereich. Es ist nicht nur das stärkste 4-Zoll-Smartphone, sondern auch das einzig nennenswerte. Damit stellt sich Apple breit auf und bietet in allen drei relevanten Kategorien - der Kompaktklasse, der Durchschnittsgröße und dem Phablet-Segment - ein aktuelles High-End-Gerät an. Und setzt sich damit wieder von der Konkurrenz ab, nachdem man zuletzt dem Trend zu immer größeren Geräten gefolgt war.

Apple reagiert auf die Wünsche der Kunden nach kleineren Geräten, beim iPhone wie auch beim iPad. Das Unternehmen wiederholt dabei nicht den Fehler des gefloppten iPhone 5c, das trotz deutlich schwächerem Gesamtpaket nicht viel günstiger als das 5s war. Und es bringt das SE zu einem Preis in den Handel, der deutlich unter dem der aktuellen Flaggschiffe liegt. Das ist auch vor dem Hintergrund stagnierender Absatzzahlen extrem wichtig: Das iPhone SE spricht mit seinem Preis-Leistungsverhältnis eine neue Zielgruppe an. Nicht nur in Schwellenländern und Wachstumsmärkten könnte ein High-End-iPhone zum günstigeren Preis reißenden Absatz finden.

Quelle: n-tv.de

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