Technik
Andy Rubin, abgesetzt.
Andy Rubin, abgesetzt.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Machtkampf an Googles Spitze: Darum musste Mr. Android gehen

Von Roland Peters

Ein Mann geht, der Google groß gemacht hat. Offiziell räumt Android-Chef Andy Rubin seinen Posten aus freien Stücken. Doch an der Spitze des Konzerns macht Larry Page konsequent das, was er bei seinem Amtsantritt ankündigte.

Andy "Mr. Android" Rubin muss gehen. Doch warum eine Erfolgsgeschichte ihres Schreibers berauben? Das Betriebssystem als Produkt kann kaum der Grund sein, dass der innovative Kopf bei Google in einem anderen Bereich den Stift anspitzen soll. Viel wahrscheinlicher ist: die Absetzung ist Teil der neuen Konzernstrategie, sich auf wenige Projekte zu konzentrieren.

Dass es dabei ausgerechnet den Kopf der überaus erfolgreichen Android-Sparte trifft, ist auf den ersten Blick erstaunlich.

Das Problem: noch immer agiert der Konzern wie ein Think Tank für Informationstechnik, tritt aber zugleich aggressiver am Markt auf. Wie das geschieht, beschloss früher das "Operation Committee", eine Zusammensetzung aus Köpfen unterschiedlicher Abteilungen. Als Larry Page vor zwei Jahren die Unternehmensspitze übernahm, bildete er das Gremium auf mehreren Positionen um. Seither sprechen alle vom "L Team", Larrys Team.

Sundar Pichai folgt auf Andy Rubin.
Sundar Pichai folgt auf Andy Rubin.(Foto: REUTERS)

So wie Steven Sinofsky Microsofts Mr. Windows war, ist Rubin Mr. Android. Im Jahr 2003 gründete er die Firma, die das populäre mobile Betriebssystem ursprünglich entwickelte. Erst half Google mit Geld, dann kaufte der Konzern Android Inc. komplett. Das war vor rund acht Jahren. Drei weitere dauerte es, bis das erste Smartphone mit der Open Source Software verkauft wurde.

Rund 70 Projekte gestrichen

Rubin ist das nächste Opfer von Pages Gestaltungsmacht. Das er seinen Posten tatsächlich aus freien Stücken räumt, ist unwahrscheinlich. Googles Angestellte dürfen garantierte 20 Prozent ihrer Arbeitszeit für eigene Visionen aufwenden, was nicht immer effektiv ist. Dem Konzernchef sind das zerfaserte Projektmanagement und die vielen Produkte, die nie Marktreife erreichen, ein Dorn im Auge. Rund 70 Projekte strich das Unternehmen seit Pages Amtsantritt 2011, zuletzt traf es gar den populären Google Reader.

Für Rubin übernimmt Sundar Pichai, Vizechef der Produktentwicklung und Chef des Chrome OS. Erwachsen aus dem gleichnamigen Browser, kündigte Google-Mitgründer Sergej Brin bereits wenige Monate nach der Einführung im Jahr 2009 an, dass das Betriebssystem für Laptops und klassische Computerhardware mit der Zeit wahrscheinlich mit Android zusammenwachsen werde.

Seither stehen sich Rubins Android und Pichais Chrome OS in der Erwartung gegenüber, dass das eine Flaggschiff plötzlich das andere entert. Auch die unterschiedlichen Markennamen könnte Page als unnötig bewerten. Vorbild könnte Microsoft sein. So funktioniert Windows bei dem Konkurrenten als Namensgeber sämtlicher Betriebssystemausführungen.

Strategische Ausrichtung

Rubin hat in seiner Zeit einen weiteren Grundstein für den Siegeszug des Konzerns gelegt. Weltweit wurden im vergangenen Quartal exakt drei Viertel aller verkauften Smartphones mit Android ausgeliefert. Dabei wuchs der Umsatz über das Betriebssystem doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt. Apples iOS ist in der Statistik mit rund 15 Prozent abgeschlagener Zweiter.

Die Demission Rubins macht jetzt deutlich, dass es wohl nur eine Frage der Zeit ist, bis entweder Android oder Chrome OS unter neuer Flagge segeln muss. Gemessen an der Verbreitung und dem Wachstum des Mobilsystems hätte die Zusammenlegung der Chefposten eigentlich andersherum geschehen müssen. Übrig bleibt eine mögliche Meinungsverschiedenheit von Page und Rubin, was die strategische Ausrichtung des Marktführers auf dem Mobilmarkt angeht – und damit des Gesamtkonzerns.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen