Technik
Das Huawei Mate 10 Pro hat ein schlichtes, aber schickes Design.
Das Huawei Mate 10 Pro hat ein schlichtes, aber schickes Design.(Foto: kwe)
Freitag, 03. November 2017

Da hält das iPhone X nicht mit: Das Huawei Mate 10 Pro ist der Akku-König

Von Klaus Wedekind

Mit dem Mate 10 Pro verkauft Huawei ein großes Smartphone, das einen außerordentlich langen Atem hat. Aber das Gerät zeigt im Test auch andere Vorzüge, die es zu einem der besten Handys 2017 machen - und es ist deutlich günstiger als das iPhone X.

Schon mit den Vorgängermodellen hat Huawei gezeigt, dass es große, aber handliche Smartphones bauen kann, die sich durch gute Kameras, lange Laufzeiten und ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis auszeichnen. Mit dem Mate 10 gehen die Chinesen jetzt noch ein paar Schritte weiter und bieten ein Phablet an, das stark genug ist, um ganz oben mitzuspielen und auch Apple und Samsung Konkurrenz zu machen.

Groß, aber handlich

Links unten sieht man den Manövrier-Knopf, den man frei im Display platieren kann, wenn die Navigations-Tasten ausgeblendet sind.
Links unten sieht man den Manövrier-Knopf, den man frei im Display platieren kann, wenn die Navigations-Tasten ausgeblendet sind.(Foto: kwe)

Das Mate 10 Pro ist mit seinem 6 Zoll großen Bildschirm wieder ein mächtiges Smartphone, aber es ist trotzdem kompakter als sein Vorgänger. Das liegt daran, dass Huawei diesmal ein Display im 2:1-Format eingebaut hat, das noch schmälere Ränder hat. So ist das Gerät trotz seiner Größe ziemlich handlich. Außerdem kann man den Bildschirm per Wischer über die virtuellen Tasten verkleinern und es gibt einen virtuellen Button, der beliebig im Display platziert werden kann. Mit einem kurzen Druck geht man einen Schritt zurück, ein langer führt zum Homescreen. Drückt man den Knopf zur Seite, öffnet sich die Übersicht mit den zuletzt genutzten Daten. Alles zusammen macht das Mate 10 Pro zu dem Android-Phablet, das sich am besten mit einer Hand bedienen lässt.

Das Design des hochwertig verarbeiteten Smartphones ist Huawei ebenso gelungen. Es ist schlicht, aber elegant. Besonders hübsch ist die gläserne Rückseite, bei der ein glänzender Streifen auf Höhe der Kamera-Elemente Akzente setzt. Sie ist an den Seiten zum schlanken Aluminiumrahmen hin leicht gebogen, wodurch sich das Gerät sehr angenehm halten lässt. Und der Fingerabdrucksensor sitzt dort zentral unter der Kamera genau richtig für den Zeigefinger. Lobenswert: Mit IP67 ist es auch das erste Huawei-Smartphone, das staub- und wasserdicht ist. Eine Kopfhörerbuchse gibt es nicht mehr, Huawei packt zum Smartphone aber einen Adapter auf den USB-C-Anschluss dazu.

Gutes Display, starkes Kamera-Duo

Bei Fotos ist die Doppel-Kamera spitze, bei Videos gut.
Bei Fotos ist die Doppel-Kamera spitze, bei Videos gut.(Foto: kwe)

Auch bei der Bildschirm-Technik hat Huawei aufgerüstet und ein AMOLED-Panel statt eines LCDs eingesetzt. Zwar bietet es mit 2160 x 1080 nicht eine so hohe Auflösung wie QHD-Konkurrenten, doch mit einer Pixeldichte von 402 ppi ist es trotzdem sehr scharf. Außerdem werden Displays mit mehr Pixeln fast immer heruntergeregelt und die höhere Auflösung wird eigentlich nur für VR-Brillen benötigt. Ansonsten konnte der Mate-10-Pro-Bildschirm bei Kontrasten, Helligkeit und Farbdarstellung im Test überzeugen, auch wenn er nicht mit der Brillanz des Galaxy-Note-8-Panels mithalten kann. Gut gelöst: Die Navigationstasten kann man mit einem Tipper ausblenden, um das gesamte Display nutzen zu können. Mit einem Wischer sind sie wieder im Homescreen.

Ein Highlight des Huawei Mate 10 Pro ist die weiter verbesserte Dual-Kamera. Ein 12-Megapixel-RGB-Sensor liefert die Farben, ein monochromer Sensor mit 20 Megapixeln die Detailinformationen. Beide Linsen sind mit Blende f/1.6 außergewöhnlich lichtstark und eine Kombination aus Tiefen-, Laser-, Phasenvergleichs- und Kontrast-Autofokus soll garantieren, dass die Kamera Motive in jeder Situation schnell scharfstellt. Außerdem hat Huawei einen verbesserten Bild-Prozessor eingebaut.

Die richtige Balance

Mit gemischten Lichtverhältnissen geht die Kamera des Mate 10 Pro souverän um.
Mit gemischten Lichtverhältnissen geht die Kamera des Mate 10 Pro souverän um.(Foto: kwe)

Tatsächlich ist die Qualität der Fotos hervorragend, was besonders in gemischten Lichtsituationen auffällt. Auch der Autofokus ist wie versprochen blitzschnell. Mit der Dunkelheit kommt zwar auch beim Mate 10 Pro das Bildrauschen. Aber es hält sich in Grenzen und Huawei hat eine gute Balance zwischen Detailerhaltung und Glättung gefunden. Im Gegensatz zu früheren Modellen hellt die Kamera auch nicht mehr übertrieben auf und fängt so besser die Stimmung ein. Verlässt man den Automatikmodus und nutzt die vielen Möglichkeiten im Profi-Modus, sind sogar noch bessere Aufnahmen möglich. Die Kamera kann im Porträtmodus auch ein ansehnliches künstliches Bokeh erzeugen, viel gelungener ist der Effekt aber mit dem Modus "Große Blende", der es dem Nutzer auch erlaubt, die Stärke stufenlos einzustellen.

Technische Daten
  • System: Android 8.0
  • Display: 6 Zoll, OLED (2160 x 1080 Pixel, 402 ppi)
  • Prozessor: Kirin 970, 8 Kerne, max. 2,36 GHz), NPU
  • Arbeitsspeicher: 6 GB
  • Interner Speicher: 128 GB
  • Kameras: 20 + 12 MP, f/1.6 OIS
  • Frontkamera: 8 MP, f/2.0
  • WLAN ac, Bluetooth 4.2
  • Akku: 4000 mAh
  • Dual-SIM
  • Maße: 74,5 x 154,2 x 7,9 mm, 178 g
  • Sensoren: Fingerabdruck, Umgebungslicht, Näherung, Beschleunigung, Kompass, Gyroskop, Barometer, Hall, IrDA

Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite ist gut, aber nicht außergewöhnlich. Sie bietet auch einen Porträtmodus, bei dem aber kaum ein Effekt festzustellen ist. Stark sind dagegen die Resultate bei Gruppen-Selfies, wo das Gerät zuverlässig auf alle Gesichter scharfstellt.

Auch Videos des Mate 10 Pro sehen deutlich besser als beim Vorgänger aus und die Kamera beherrscht 4K-Aufnahmen. Diese sehen aber mit 30 Bildern pro Sekunde (FPS) nicht so gut wie Full-HD-Videos mit 60 FPS aus. Insgesamt liefert die Kamera gute bis sehr gute Bewegtbilder, kommt auf diesem Gebiet aber nicht an die Qualitäten eines Galaxy Note 8 oder iPhone 8 heran.

Vielleicht sogar intelligent

Im Automatikmodus der Kamera kommt Huaweis neuer Chip Kirin 970 zum Einsatz, der nicht nur sehr stark und sparsam ist, sondern auch einen neuronalen Prozessor (NPU) integriert ist. Dessen Netzwerk ist auf Bilderkennung trainiert, wodurch das Mate 10 Pro selbstständig erkennen kann, welches Motiv beziehungsweise welcher Modus anzuwenden ist. Dass das funktioniert, sieht man tatsächlich an entsprechenden Symbolen, die im Display eingeblendet werden. Auch die Qualität der Fotos spricht dafür. Die NPU soll aber auch aus dem Nutzerverhalten lernen und so unter die Ressourcen effizienter verteilen können, um Energie zu sparen. Außerdem nutzt Huawei den intelligenten Prozessor, um die On-Board-Spracherkennung zu verbessern. Aktuell geschieht dies für Microsofts Übersetzer-App, die tatsächlich offline schneller arbeitet, aber trotzdem eher durchschnittliche Ergebnisse liefert.

Sieht man nicht oft: Das Mate 10 Pro kann per Infrarotsender an der Oberseite auch als Universal-Fernbedienung eingesetzt werden.
Sieht man nicht oft: Das Mate 10 Pro kann per Infrarotsender an der Oberseite auch als Universal-Fernbedienung eingesetzt werden.(Foto: kwe)

Welche Rolle die NPU bei alldem tatsächlich spielt, ist aber nicht messbar und weitgehendere Erklärungen will Huawei erst noch nachliefern. Letztendlich kann dies dem Nutzer aber egal sein, Hauptsache das Smartphone funktioniert wie versprochen. Was mit neuronalen Netzwerken noch möglich ist, wird die Zukunft zeigen. Wer sich für die spannende neue Technik interessiert, kann die Entwicklung im Smartphone-Bereich bisher nur bei Apples und Huaweis Top-Geräten miterleben.

Akku für zwei Tage

Mit einer spektakulären Gesichtserkennung wie im iPhone X kann Huawei nicht punkten, aber es hat eine Eigenschaft, die vielen Nutzern vielleicht viel wichtiger ist: Das Smartphone ist ein Akku-Monster. Die Batterie hat satte 4000 Milliamperstunden, dazu kommen ein genügsames Display und ein starkes, vielleicht sogar intelligentes Geräte-Management. So ist es wirklich schwer, den Akku des Mate 10 Pro an einem Tag zu entleeren. Wenn man sich nicht ausschließlich mit dem Smartphone beschäftigt, ist es nahezu unmöglich, die Anzeige unter 20 Prozent zu drücken. Bei moderater Nutzung hält das Gerät bis zu zwei Tage durch. Und sollte es doch mal knapp werden, ist die Batterie sehr schnell wieder geladen. In einer halben Stunde sind mehr als 50 Prozent drin. Trotz der gläsernen Rückseite kann man das Mate 10 Pro leider nicht induktiv laden, angesichts des starken Akkus und der guten Schnellade-Funktion ist dies aber verschmerzbar.

Schick ist auch, dass man das Gerät unkompliziert mit einem USB-C-auf-HDMI-Kabel mit einem Monitor oder Fernseher verbinden kann, um dort beispielsweise Office-Apps zu öffnen oder im Internet zu surfen. Tastatur und Maus kann man per Bluetooth anschließen und erhält so einen einfachen PC-Ersatz. Das Handy bleibt dabei autonom nutzbar und private Benachrichtigungen werden auf dem großen Display nur auf Wunsch angezeigt. Schade, das ein entsprechendes Kabel nicht mitgeliefert wird.

Unterm Strich zeigt Huawei mit dem Mate 10 Pro endgültig, dass es ganz oben mitspielen kann und auch die Konkurrenz zu Apple oder Samsung nicht fürchten muss. Es ist vielleicht nicht so spektakulär wie das iPhone X, aber es bietet fast ebenso starke Technik zu einem viel günstigeren Preis. 800 Euro kostet das Mate 10 Pro jetzt, im neuen Jahr wird es schon deutlich weniger kosten.

Quelle: n-tv.de

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