Technik
Das iPhone 8 Plus in der Gold-Variante.
Das iPhone 8 Plus in der Gold-Variante.(Foto: kwe)
Montag, 25. September 2017

Neue Technik im alten Gewand: iPhone 8 Plus ist ein Update mit Wumms

Von Klaus Wedekind

Das iPhone 8 Plus ist auf den ersten Blick kein besonders spektakuläres Gerät, das aussieht wie sein Vorgänger. Trotz allem ist es ein hervorragendes Smartphone mit zwei herausragenden Eigenschaften. Lohnt sich der Kauf?

Der Star von Apples diesjährigen September-Event war ganz klar das iPhone X, mit dem das Unternehmen bei Design und Funktionen ganz neue Wege beschreitet. Doch es wird noch eine ganze Weile dauern, bis das Gerät überhaupt ausgeliefert wird und in ausreichenden Mengen steht es wohl erst im Laufe des kommenden Jahres zur Verfügung. Außerdem ist es mit mindestens 1150 Euro enorm teuer. Aber Apple hat auch das iPhone 8 und das iPhone 8 Plus vorgestellt, zwei Smartphones die Upgrades der 7er-Modelle darstellen und schon jetzt zu haben sind. n-tv.de hat das Plus-Modell getestet, wobei die Unterschiede zum kleineren Gerät die gleichen wie bei der Generation 2016 sind. Die meisten Eigenschaften treffen auf beide Modelle zu.

Kein drahtloser Einzelgänger

Bis auf die gläserne Rückseite sieht das iPhone 8 Plus (rechts) aus wie das iPhone 7 Plus.
Bis auf die gläserne Rückseite sieht das iPhone 8 Plus (rechts) aus wie das iPhone 7 Plus.(Foto: kwe)

Obwohl man es nicht sehen kann, ist das neue iPhone 8 Plus einen Tick größer als sein Vorgänger, ansonsten hat sich bis auf neue Farben optisch wenig getan, von vorne betrachtet sogar überhaupt nichts. Erst wenn man das Gerät umdreht erkennt man den großen Unterschied: Die Rückseite besteht jetzt aus Glas. Das sieht nicht nur hübsch aus, sondern hat auch den praktischen Nutzen, dass iPhones jetzt endlich induktiv geladen werden können. Das klappt auch entgegen ersten Befürchtungen mit nicht von Apple lizenzierten Qi-Ladepads. Allerdings hat das Unternehmen n-tv.de bestätigt, dass maximal mit 7,5 Watt geladen werden kann, obwohl der Qi-Standard 15 Watt erlaubt. Schneller geht's mit Kabel, dann ist der Akku von 0 auf 50 Prozent in 30 Minuten gefüllt. Aber nur, wenn man ein Macbook-Netzteil oder ein ähnlich starkes Ladegerät mit USB-C-auf-Lightning-Kabel verwendet. Das mitgelieferte ist zu schwach dafür.

Laut Apple befindet sich auf der Rückseite das "widerstandsfähigste Glas, das jemals in einem Smartphone verbaut wurde". Das stimmt vielleicht, doch wie erste Fall- und Kratztests zeigen, gehen die Rückseiten der neuen iPhones ähnlich schnell zu Bruch wie bei anderen Geräten. Den Vorteil des drahtlosen Ladens bezahlt man also mit einem empfindlicheren Gerät. Außerdem ist das iPhone 8 Plus 14 Gramm schwerer als das 7er.

Leicht verbessertes LCD, Hammer-Chip

Obwohl die Vorderseite mit den wenig zeitgemäßen breiten Rändern ums Display unverändert aussieht, hat sich auch hier etwas getan. Das LCD beherrscht jetzt wie der Bildschirm des iPad Pro "True Tone". Das heißt, es passt seine Farbtemperatur automatisch an das Umgebungslicht an, was für das Auge des Betrachters natürlicher wirkt. Die Anpassung erfolgt dabei sehr schnell und man kann gut erkennen, wie sich der Ton des Displays ändert, wenn man von Kunst- in Tageslicht wechselt. Ein Pluspunkt, auch wenn Apples LCDs nicht mit den OLED-Displays konkurrieren können, die beispielsweise im Galaxy Note 8, dem LG V30 oder dem kommenden iPhone X verbaut sind.

Technische Daten
  • System: iOS 11
  • Display iPhone 8: 4,7 Zoll, LCD, 1334 x 750 Pixel, 326 ppi
  • Display iPhone 8 Plus: 5,5 Zoll, LCD, 1920 x 1080 Pixel, 401 ppi
  • Prozessor: Apple A11
  • Arbeitsspeicher 8/8 Plus: 2/3 GB
  • Interner Speicher: 64 bis 256 GB
  • Kamera iPhone 8: 12 MP, f/1.8, OIS
  • Kameras iPhone 8 Plus: 12 MP, f/1.8, OIS + "Teleobjektiv", f/2.8
  • Frontkamera: 7 MP, f/2.2
  • WLAN ac, Bluetooth 5.0
  • Akkus 8/8 Plus: 1821/2775 mAh
  • Maße iPhone 8: 138,4 x 67,3 x 7,3 mm, 128 g
  • Maße iPhone 8 Plus: 158,4 x 78,1 x 7,5 mm, 202 g

Unter der Haube hat sich einiges getan. So werkelt im iPhone 8 und im iPhone 8 Plus wie im iPhone X der enorm kräftige neue A11-Chip. Wie stark er ist, zeigen Benchmarktests, in denen Apples neue Smartphones die Konkurrenz meilenweit distanzieren. In Antutu erreichte das Testgerät beispielsweise 218.100 Punkte, das Galaxy Note 8 mit Samsungs Prozessor Exynos 8895 dagegen rund 177.000 Punkte. Und in Geekbench schaffte Apples A11 mit einem Kern 4232, mit allen sechs Kernen 10223 Punkte. Das Note 8 kam hier gerade mal auf 2028 Punkte mit einem Kern und erreichte mit acht Kernen 6764 Punkte. Wie immer bei Apple-Chips ist vor allem auch die grafische Leistung überragend. Im Vergleich zum Vorgänger soll sie nochmal um bis zu 30 Prozent gesteigert worden sein.

Wohin mit all der Kraft? Nun, das ist eine Frage, die das iPhone 8 noch nicht richtig beantworten kann. Im Alltag spürt man im Vergleich zum 7er-Modell praktisch keinen Unterschied, es gibt ganz einfach noch keine Anwendung, die den A11 auch nur annähernd ausreizen könnte. Apple nennt anspruchsvolle AR-Anwendungen als Beispiel. Das könnte künftig auch der Fall sein. Aber die Apps, die bisher im Store zur Verfügung stehen, liefen im Test auf dem iPhone 7 Plus ebenso gut. Dazu gehört auch "Warhammer 40.000: Freeblade", dessen AR-Demo-Modus Apple bei der Presse-Einweisung vorführte. Trotz seiner Leistungsfähigkeit ist der A11 kein Verschwender: Auch bei der Ausdauer liegen 8er- und 7er-Generation gleichauf, obwohl die neuen Batterien sogar eine etwas geringere Kapazität haben.

Die besten Kameras

Keine leichten Lichtverhältnisse, aber die Kamera des iPhone 8 meistert sie souverän.
Keine leichten Lichtverhältnisse, aber die Kamera des iPhone 8 meistert sie souverän.(Foto: kwe)

Während die gewachsene Kraft der neuen iPhones bei Apps vorerst kaum zu erkennen ist, sieht man die Verbesserungen an der Kamera sofort. Sie hat unter anderem einen neuen Bildprozessor, einen neuen Farbfilter, tiefere Pixel und einen größeren Sensor. Die Bilder haben so mehr Details und bei schwächer werdendem Licht fangen die Aufnahmen später an zu rauschen. Außerdem kann das iPhone 8 besonders gut mit gemischten Lichtverhältnissen umgehen, fokussiert zackig und löst blitzschnell aus. Für die richtigen Einstellungen analysiert laut Apple der A11-Chip vor der Aufnahme die Szene. Im Test hat das fast immer zu perfekt ausgeleuchteten Fotos geführt, wobei auch die Farben meistens sehr realistisch dargestellt und die richtige Stimmung eingefangen wurde. Zu den überdurchschnittlich schönen Bildern trägt auch bei, dass HDR permanent aktiviert ist. Von der Qualität der iPhone-8-Kameras sind auch die Spezialisten von DxOMark überzeugt, in deren Bestenliste beide Modelle auf den Plätzen 1 und 2 stehen.

Bei den Videos machen sich der neue Bildsensor und die Fähigkeiten des A11 ebenfalls bei Bildqualität und Ausleuchtung bemerkbar. Außerdem kann man Zeitlupen jetzt in Full-HD mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde (fps) und 4K-Clips mit 60 statt 30 fps aufnehmen.

Bilderserie

Durch seine Doppel-Kamera hat das iPhone 8 Plus eine besondere Funktion hinzubekommen: Im Porträtmodus kann man diverse Effekte anwenden, um Studiobeleuchtungen zu simulieren. Dabei wird die fotografierte Person im Prinzip in Echtzeit freigestellt. Weil alle Informationen gespeichert werden, kann man die Filter auch im Nachhinein anwenden und andere Apps können die Daten nutzen, um beispielsweise einen komplett neuen Hintergrund einzublenden. Noch ist das "Porträtlicht" im Beta-Modus und funktioniert nicht immer ganz perfekt, aber die Ergebnisse können sich bereits jetzt mehr als sehen lassen.

iPhone 7 kaum schlechter

Alles in allem ist das iPhone 8 Plus ein Gerät, das zwar ziemlich altmodisch aussieht, aber technisch größtenteils allererste Sahne ist. Insofern wird kein Käufer enttäuscht sein - vor allem, wenn man einen echten Home-Button mit Fingerabdrucksensor der Kombi aus Gesichtserkennung und Wischgesten des iPhone X vorzieht.

Ob sich der Kauf lohnt, hängt auch davon ab, welches Gerät man aktuell besitzt. Ist es ein iPhone 7, ist der Zugewinn eigentlich zu gering. Die Unterschiede bei den Kameras sind nicht so gravierend und vorerst macht sich die größere Kraft der neuen Generation kaum bezahlt. Ob induktives Laden ein Kaufargument ist, muss jeder selbst entscheiden. Auch ein Upgrade von einem iPhone 6s ist kein so großer Schritt, als dass man nicht noch ein Jahr warten könnte. Für Nutzer älterer Smartphones ist ein Wechsel dagegen durchaus sinnvoll. Obwohl auch für sie gilt: Das kommende Jahr ist wahrscheinlich das bessere Jahr, um ein neues iPhone zu kaufen.

Quelle: n-tv.de

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