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Das Galaxy Note 8 hat eine starke Doppel-Kamera auf der Rückseite.
Das Galaxy Note 8 hat eine starke Doppel-Kamera auf der Rückseite.(Foto: kwe)
Mittwoch, 20. September 2017

Kommt das iPhone X da ran?: Galaxy Note 8 ist erstmal Chef im Haus

Von Klaus Wedekind

Das Galaxy Note 8 macht im Test trotz einiger kleiner Schwächen eine exzellente Figur. Display und Kamera sind überragend, die Stift-Funktionen ausgeklügelt, die Leistung stark. So gut muss das iPhone X erstmal sein.

Nach dem Brand-Debakel des Galaxy Note 7 war klar, dass Samsung auf Nummer sicher gehen und beim Nachfolger keine gewagten Neuerungen ausprobieren würde. Deshalb sieht das Note 8 mehr oder weniger wie ein Galaxy S8 Plus aus, das auf Stift-Bedienung getrimmt wurde. Man könnte auch sagen, Samsung ist seinem äußerst gelungenen Design treu geblieben. Das Ergebnis ist kein großer Sprung, aber ein bärenstarkes und elegantes Smartphone mit Top-Ausstattung.

Prächtiges Display

Das Galaxy Note 8 mit 6,3 Zoll großem Display ist nur etwas größer als das iPhone 7 Plus mit einem 5,5-Zoll-Bildschirm.
Das Galaxy Note 8 mit 6,3 Zoll großem Display ist nur etwas größer als das iPhone 7 Plus mit einem 5,5-Zoll-Bildschirm.(Foto: kwe)

Zunächst sticht bei dem Phablet das 6,3 Zoll mächtige OLED-Display ins Auge, das wie beim Galaxy S8 bis auf schmale Ränder oben und unten fast die gesamte Vorderseite einnimmt. Die Seiten des Panels sind beim Note 8 weniger gebogen und die Ecken sind nicht so kräftig abgerundet. Dadurch wirkt das Gerät etwas kantiger, was bei seiner Größe aber auch eleganter aussieht.

Weil der Bildschirm ebenfalls statt 16:9 ein 2:1-Format hat, ist das Note 8 enorm langgestreckt. So lässt sich das schlanke Ding zwar gut in einer Hand halten, aber das über 16 Zentimeter lange Smartphone überfordert so manche Hosentasche. Ein weiteres Problem: Der Fingerabdrucksensor sitzt wie beim S8 auf der oberen Rückseite neben der Kamera und selbst mit großen Händen muss sich der Zeigefinger sehr strecken, um ihn zu erreichen. Immerhin befindet sich beim Note 8 der Blitz zwischen Kamera und Sensor, sodass man nicht ständig das Abdeckglas des Objektivs verschmiert.

Wahlweise steht eine Iris-Erkennung zur Verfügung, die meistens recht schnell arbeitet, aber nicht so bequem und sicher wie ein gut platzierter Fingerabdrucksensor ist. Auch das Note 8 ist wasser- und staubdicht. Insgesamt ist das Gerät hervorragend verarbeitet und wirkt seinem Preis entsprechend hochwertig.

Das Display selbst ist wahrscheinlich das beste, das derzeit in einem Smartphone zu finden ist. Es löst mit einer Pixeldichte von 520 ppi superscharf auf, liefert brillante Kontraste und Farben und kann extrem hell leuchten. Kein Wunder, dass die Experten von "Displaymate" es als das bis dato "beste Display aller Zeiten" bewertet haben. Dass das Note 8 auf diesem Gebiet vom iPhone X geschlagen wird, ist eher nicht zu erwarten. Denn auch der OLED-Bildschirm von Apples neuem Glanzstück stammt von Samsung und die Koreaner dürften dem Erzrivalen kaum das bessere Display geliefert haben.

Der Akku hält durch

Technische Daten
  • System: Android 7.1
  • Display: 6,23 Zoll, AMOLED, QHD+ (2960 x 1440 Pixel, 522 ppi)
  • Prozessor: Exynos 8895, 8 Kerne, max. 2,3 GHz)
  • Arbeitsspeicher: 6 GB
  • Interner Speicher: 64 GB + microSD
  • Kameras: 2 x 12 MP, f/1.7, f/2.4 OIS
  • Frontkamera: 8 MP, f/1.7, AF
  • WLAN ac, Bluetooth 5.0
  • Akku: 3300 mAh
  • Maße: 162,5 x 74,8 x 8,6 mm, 195 g
  • Sensoren: Bewegung, Näherung, Lage, Umgebungslicht, Kompass, Luftdruck, Fingerabdruck, Puls, Iris-Scanner, Druck-Sensor

Unter dem Pracht-Display arbeitet wie bei den S8-Modellen in Deutschland Samsungs 8-Kern-Prozessor Exynos 8895. Statt 4 stehen ihm im Note 8 aber 6 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung, womit das Smartphone auch bei Hochleistungs-Multitasking nie ins Schwitzen kommen sollte. Der interne Speicher ist 64 Gigabyte groß und mit microSD-Karten erweiterbar. Nichts Besonderes, das ist bei Top-Androiden inzwischen Standard.

Interessanter ist, dass der Akku des Note 8 mit 3300 Milliamperestunden eine relativ geringe Kapazität hat. Angesichts des hochauflösenden Riesen-Displays besteht so die Gefahr, dass ihm allzu rasch die Puste ausgeht. Im Test hat sich die Befürchtung aber nicht bestätigt. Zwar ist das Smartphone kein Dauerläufer, doch bei normaler Nutzung kommt es locker über den Tag. Das liegt auch daran, dass die Displayauflösung reduziert wird, so lange der Nutzer in den Einstellungen nicht alle Pixel einfordert. Wird das Note 8 richtig gefordert, kann es schon mal knapp werden. Dann ist es gut, dass es induktiv zwischendurch Strom tanken oder an Steckdosen sehr schnell geladen werden kann. Der Akku konnte vermutlich nicht größer ausfallen, weil Samsung nach der brandgefährlichen Platzspar-Orgie beim Note 7 die Batterie diesmal sicher eingebettet hat. Und im nur 8,6 Millimeter dicken Gehäuse muss auch noch der S Pen untergebracht werden.

Nützlicher Stift

Beim Stift hat Samsung nur wenig verändert. Warum auch? Die Funktionen sind ausgeklügelt und praktisch und zu viele Features sind nur verwirrend. Klasse sind vor allem die Sofort-Notizen, bei denen man aus dem Sperrbildschirm heraus auf einem schwarzen Display Notizen machen kann - wenn man möchte, bis zu 100 Seiten. Samsung hat die Spitze des Stifts nochmal etwas verbessert und so ist das Schreibgefühl zwar nicht wie auf Papier, aber sehr angenehm. Lustig sind die Live-Nachrichten, wobei man GIF-Animationen zeichnen und verschicken kann.

Bei Live-Fokus-Bildern nimmt das Note 8 Fotos mit beiden Kameras auf und speichert sie.
Bei Live-Fokus-Bildern nimmt das Note 8 Fotos mit beiden Kameras auf und speichert sie.(Foto: kwe)

Auch Samsungs digitaler Assistent Bixby hat eine S-Pen-Funktion erhalten: Man kann bei Fotos mit dem Stift Objekte auswählen und ähnliche Bilder suchen oder Shopping-Ergebnisse anzeigen lassen. Bixby ist in dieser Hinsicht aber in Deutschland nach wie vor wenig talentiert und Kommandos nimmt er bisher hierzulande nur auf Englisch oder Koreanisch entgegen. n-tv.de hat ihn im Test daher ausgeklammert und bewertet den digitalen Assistenten gesondert, sobald er Deutsch gelernt hat.

Tolle Doppel-Kamera

Neben dem Display der zweite Höhepunkt des Galaxy Note 8 ist die neue Doppel-Kamera. Hier hat Samsung das Prinzip des iPhone 7 Plus übernommen: zwei 12-Megapixel-Sensoren, ein übliches Weitwinkel-Objektiv wird kombiniert mit einer Normalbrennweite, die einem zweifachen Zoom entspricht. Die Koreaner waren aber etwas schneller und so hat das Note 8 vor dem kommenden iPhone 8 Plus schon eine optische Bildstabilisierung bei beiden Kameras. Normale Aufnahmen sehen toll aus, haben auch bei etwas schwächerem Licht noch viele Details, ohne zu rauschen. Die Farben sind sehr natürlich, die Kontraste knackig.

Die künstliche Tiefenunschärfe bei Porträtaufnahmen sieht beim Note 8 gelungener aus als beim iPhone 7 Plus und lässt sich auch besser einstellen. Macht man ein Live-Fokus-Bild, kann man die Unschärfe nicht nur nachträglich bestimmen, das Gerät nimmt Fotos mit beiden Kameras auf und speichert sie. Gut möglich, dass die neuen iPhones noch bessere Bilder schießen, aber vorerst steht die Dual-Knipse des Galaxy Note 8 auf Platz 1.

Mal sehen, was noch kommt

Unterm Strich ist das Galaxy Note 8 ein ganz hervorragendes Smartphone, das als Komplettpaket überzeugt und noch ein Stückchen besser als das Galaxy S8 Plus ist. Ob das iPhone X noch eine Schippe drauflegen kann, muss sich erst noch herausstellen. Viel hängt davon ab, ob dessen AR-Fähigkeiten mehr als Spielerei sind und ein echtes "Killer-Feature" darstellen. Der S Pen könnte da in Sachen Nützlichkeit erstmal die Nase vorne haben. Außerdem könnte der Preis eine Rolle spielen. Zwar ist das Note 8 mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von rund 1000 Euro schon fast so teuer wie das iPhone X, das in der günstigsten Variante 1150 Euro kostet. Doch bei Samsung-Smartphones sinken die Preise bereits wenige Monate nach dem Verkaufsstart deutlich, während iPhones eigentlich nie günstiger werden. Und wer weiß: Es kommen ja noch das LG V30 und das Huawei Mate 10, die vielleicht sogar noch besser sind. Sparfüchse greifen zum Galaxy S8 Plus, das fast so gut wie das Note 8 ist, aber aktuell schon für rund 650 Euro zu haben ist.

Quelle: n-tv.de

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