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Steve Jobs, kultureller Visionär: Das i des Kolumbus

von Roland Peters

Was macht einen großen Erfinder aus? Er bastelt am Anfang seiner Karriere im Verborgenen? Das hat Steve Jobs getan. Er verändert das Leben der Menschen? Er schafft die Grundlage für weitere Erfindungen? Ja, auch das ist Steve Jobs zu verdanken. Visionen verändern unsere Kultur. Und manche heißen iPod, iPhone oder iPad.

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rememberingsteve@apple.com – das ist die Adresse, unter der man bei dem US-Unternehmen mit dem angebissenen Apfel im Logo Beileidsbekundungen für hinterlassen kann. Der 56-Jährige ist an Krebs gestorben, jener Krankheit, die die Medizin vor noch immer unlösbare Aufgaben stellt. Der Gründer des Technikkonzerns kämpfte lange, aber am Ende verlor er. Andere haben durch ihn gewonnen. "Steves Brillanz, seine Leidenschaft und Energie waren der Quell zahlloser Innovationen, die das Leben von uns allen bereichern und  verbessern" - so drückt es der Verwaltungsrat von Apple aus.

Jobs' Nachfolger Tim Cook würdigte seinen Mentor als "kreatives Genie". Er sagte nicht Erfinder. Wenn er das Wort bewusst vermieden hat, ist das berechtigt. Erfinder im klassischen Sinne gibt es kaum noch. Mit dem Einzug  von Thomas Alva Edisons Glühbirne im späten 19. Jahrhundert wurde die Elektrizität zur Universalwährung der westlichen Welt. Edison machte mit seinem Phonograph auch den Plattenspieler möglich, den Beginn der aufgenommenen Musik. Unsere Kultur wäre ohne Edison nicht, was sie heute ist. Ohne Steve Jobs ebenfalls nicht.

Schon seine erste Erfindung, der Apple I, war eine Koproduktion mit Steve Wozniak. In der Pionierzeit der Computer bastelten die beiden den Urtyp des PC selbst. Kritiker sagen, iPhone, iPod und iPad wären nicht vom Unternehmenschef selbst entwickelt worden, Steve Jobs nur Gallionsfigur für Apple gewesen. Sie haben recht, natürlich. Doch es ist kein Mangel, es ist eine Qualität.

Fäden spinnen, Visionen vorgeben

Visionen realisieren: Jobs bei der Vorstellung des Ipad 2.
Visionen realisieren: Jobs bei der Vorstellung des Ipad 2.(Foto: dpa)

Es geht nicht mehr darum, wie die beiden damals, in der Garage zu tüfteln. Es geht darum, die Fäden zu spinnen, die richtigen Personen an die richtigen Aufgaben zu setzen und eine Vision vorzugeben, an der sich andere orientieren. Und die die Welt voranbringen. Jobs hat große Erfindungen angestoßen. Wo wären wir ohne den Personal Computer, die grafische Oberfläche und die Maus? Sie haben Büroarbeit und Privatleben gleichermaßen revolutioniert.

Alle großen Produktlinien Apples haben unsere Kultur nachhaltig geprägt. Etwa der iPod. Dessen analoge Vorlage kam in den 1980er Jahren von Sony. Der Walkman machte Musik zum Mitnehmen für eine ganze Generation zur Normalität. Kopfhörer statt Ghettoblaster. In den 90ern versuchten die Japaner, die magnetische Minidisc als Nachfolgeformat in den Markt zu drücken – und scheiterten. Der Durchbruch kam durch das deutsche Fraunhofer-Institut, das das digitale Musikformat MPEG Audio Layer III, die MP3 erfand. Musik auf Kassetten und CDs tauschen? Veraltet, jetzt gab es Napster.

Apple sah das Marktpotenzial komprimierter Audiodaten für Jedermann und gründete iTunes, die größte und erfolgreichste Verkaufsplattform für digitale Musik. Bereits zuvor hatte das Unternehmen den iPod auf den Markt gebracht. Tragbare Alben und Songs, die ganze Plattensammlung in mobiler Form, das ist ein Zeichen für Individualität. Apple machte mit einem einheitlichen Design dem Käufer glauben, das digitale Ei, das "i" des Kolumbus zu kaufen. Das Produkt wurde zum Statussymbol. 5 Gigabyte passten auf das erste Modell, zum damaligen Zeitpunkt immens viel Platz. Auf "iPod-Parties" brachte jeder seinen Player mit, die Disko tanzte zu einem schier unerschöpflichen Reservoir.

Die Frage ist nicht mehr, ob etwas machbar ist

Kommunikation heute: Ein Iphone-Nutzer macht ein Foto von Beileidsbekundungen - und stellt es womöglich kurz danach in Netz.
Kommunikation heute: Ein Iphone-Nutzer macht ein Foto von Beileidsbekundungen - und stellt es womöglich kurz danach in Netz.(Foto: REUTERS)

Dinge zu ermöglichen, Freiheit zu geben, das ist es, was die Geräte von Apple ausmacht. Das iPhone etwa ist kein Handy im ursprünglichen Sinn mehr. Es krempelte die Kommunikation ab 2007 zwischen denen um, die sich das Produkt leisten konnten. Die Visionäre des Internet hatten zehn Jahre zuvor noch davon geträumt, jetzt war es möglich: Mobilfunk wurde endgültig zum verlängerten Arm des Word Wide Web. Videos schauen, immer per E-Mail erreichbar sein,  Fotos machen und hochladen, plötzlich war alles verbunden. Die sozialen Netzwerke wie Facebook, Myspace, Twitter & Co. trieben und treiben diese Entwicklung voran. Die Frage ist nicht mehr, ob etwas machbar ist. Sondern ob es kompatibel ist.

Welche Auswirkungen das iPad hat und haben wird, ist bereits zu erahnen. Es schließt die Lücke zwischen Telefon und Laptop, zwischen Telefon und PC. Es reduziert die Funktionalität auf das Wesentliche, gepaart mit intuitiver Bedienung. Auch die Konkurrenz von Google mit ihrem Betriebssystem Android profitiert davon. Dies ist etwa auch auf dem indischen Tablet-PC installiert, der im Rahmen einer Bildungsoffensive der dortigen Regierung für 45 Euro angeboten wird. Es ist die Idee, die zählt. Einfache Bedienbarkeit und Design in Union, auch das ist Jobs' Verdienst.

Apple hat die Entwicklung des Digitalen für den Einzelnen und die westliche Welt im Gesamten vorangetrieben. Doch was soll nach PC, iPod, iPhone und iPad noch kommen? Steve Jobs können wir nicht mehr fragen. Aber auf andere Erfinder hoffen, die erfinden lassen.

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Quelle: n-tv.de

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