Technik
Auch in San Francisco zu sehen: "Saxophone Dreams" von Mike Tyka.
Auch in San Francisco zu sehen: "Saxophone Dreams" von Mike Tyka.(Foto: Mike Tyka/Google)

Computerkunst wird teuer verkauft: Deep Dream erobert die Kunstwelt

In einer Ausstellung in San Francisco wurden erstmals Kunstwerke gezeigt, die von Künstlicher Intelligenz geschaffen wurden. Die Computerkunst ist schön, anziehend und seltsam mysteriös - und brachte bei einer Versteigerung viele tausend Dollar ein.

Künstliche Intelligenz und neuronale Netzwerke sind heute schon zu erstaunlichen Dingen fähig. Kunst gehörte bis vor kurzem aber noch nicht dazu - bis zu Googles Projekt "Inceptionism", in dem die Forscher ihre Computer träumen ließen ("Deep Dream"). Was dabei herauskam, waren surreale, psychedelische Bildwelten voller Poesie. Am vergangenen Wochenende fand in San Francisco eine Ausstellung statt, auf der einige Deep-Dream-Werke gezeigt und versteigert wurden. Die Besucher waren begeistert.    

Ein Blick in die Ausstellung.
Ein Blick in die Ausstellung.(Foto: grayarea.org/Instagram)

"Google möchte Computer-Nerds zu Kunst-Freaks machen", schreibt das "Wall Street Journal" über die Ausstellung im hippen Mission District in San Francisco. Und tatsächlich, die Werke, die die Organisation "Gray Area" ausstellte, zogen ein Publikum an, das sich sonst vielleicht nicht viel aus Kunst macht. Die Technik-Welt des Silicon Valley und die Kunstszene in der Bay Area hatten bislang wenig Überschneidungen. Doch in diesem Fall waren nicht Menschen die Schöpfer der beeindruckend bunten und verwirrenden Bildwelten, zumindest nicht nur.

Kunst als Nebenprodukt

Die psychedelischen Unterwasserlandschaften, Van-Gogh-artigen Wälder und fantastischen Landschaften voller Pfauenaugen, Schlösser und Hundewesen wurden von Computern kreiert, genauer von neuronalen Netzwerken. Die Menschen dahinter, teils Google-Mitarbeiter, teils unabhängige Künstler, wählten nur die Ausgangsbilder aus und gaben die Algorithmen vor, nach denen die Netzwerke an die Arbeit gehen sollen. "Wired" hebt einen faszinierenden Aspekt hervor: Selbst die Experten können nicht ganz begreifen, was in diesen Netzen von Computern und Software vor sich geht.

Computerkunst im klassischen Rahmen.
Computerkunst im klassischen Rahmen.(Foto: grayarea.org/Instagram)

Ihren Ursprung hat die Deep-Dream-Kunst in Googles Arbeit mit Künstlicher Intelligenz und fortschrittlicher Bilderkennungssoftware, die von selbst Objekte in Fotos erkennen und zuordnen kann. Einmal losgelassen und etwas modifiziert, kreierte die Software aus den Bildern, mit denen sie gefüttert wurde, nach bestimmten, von Menschen vorgegebenen Algorithmen selbstständig Bilder. Die beeindruckenden Werke sind dabei nur ein Nebenprodukt der Forschung. Mike Tyka, ein Google-Mitarbeiter, der auch als Bildhauer arbeitet, hatte laut "Wired" die Idee, auf diese Weise seine beiden Interessen zu verbinden.  

Im Sommer 2015 entwickelte sich "Deep Dream" zum Internet-Hype, das Netz wurde geflutet von der wie im LSD-Rausch entstandenen Computer-Kunst, in allen wichtigen sozialen Netzwerken wurden die Bilder unter dem Hashtag #DeepDream gesammelt und geteilt. Die Ausstellung in San Francisco aber ist eine Premiere: Erstmals wurde die Deep-Dream-Kunst an einem Ort gezeigt und wie klassische, von Menschen geschaffene Kunst zum Kauf angeboten.     

Die Titel der Ausstellungsstücke sind ähnlich entrückt wie die Werke selbst: Sie heißen "Castles in the Sky with Diamonds", "Ground Still State of God's Original Brigade" oder "Carboniferous Fantasy". Kein Wunder: Viele der Namen wurden ebenfalls von neuronalen Netzwerken kreiert, berichtet "Wired". Die Hauptwerke unter den 29 Bildern von elf Künstlern gingen für Preise von 2200 bis 8000 Dollar über den Tisch. Alle Erlöse aus der Ausstellung, immerhin 97.600 US-Dollar, gingen an die "Gray Area Foundation for the Arts", eine Nonprofit-Organisation, die an der Schnittstelle zwischen Kunst und Technologie arbeitet.

Quelle: n-tv.de

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