Mittwoch, 28. April 2004
Online-Flirten: Effizient und zeitsparend
Wer noch keinen Partner fürs Leben gefunden hat, kann dies auch online versuchen. "Im Internet sind wir alltäglich, also warum soll man da nicht auch den Traumpartner finden", sagt Stephan Hoursch von der Partnervermittlung "parship.de".
Einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumgüterforschung aus dem Jahr 2002 zufolge steht das Internet ganz vorn, was das Anbaggern potenzieller Partner angeht. Nur private Partys und das Büro sind dafür noch beliebtere Orte - "Tendenz steigend, denn das Netz ist einfach unglaublich bequem", sagt Hoursch.
Nach einer Emnid-Erhebung im Auftrag des Internetanbieters AOL aus Hamburg nutzen 8,9 Millionen Bundesbürger das Internet zum Flirten, mehr als 32 Millionen können sich vorstellen, online Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen oder auf diese Weise sogar einen festen Partner zu finden. "Das ist zunächst anonym und unverbindlich", sagt Tilo Bonow, Sprecher von "ilove.de" in Berlin. Denn der Surfer bestimme, welche Daten von ihm preisgegeben werden und wer mit ihm mailen oder chatten darf.
Die virtuellen Welten sind weit, und so ist auch ausreichend Platz für exakte Passgenauigkeit der Suchenden. Mitunter geht die Zielgruppe bereits aus den Namen der Partnervermittler hervor: Große Leute suchen bei "langesingles.de", solche jenseits des Idealgewichts bei "x-room.de", bekennende Christen bei "cpdienst.de", Gehörlose bei "gehoerlossingle.de" und Leute vom Land bei "landflirt.de". Allgemein gesucht wird bei "friendscout.de", "neu.de", "ilove.de", "findmich.net", "match.de" oder eben "parship.de".
Als großen Vorteil sehen Suchende die Zeitersparnis beim virtuellen Flirten - es wird nur noch angebaggert, wer mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmt. "Wenn ich jemanden kennen lernen will, kann ich im Netz gleich Ausschlusskriterien festlegen", sagt Michael Rath aus Hamburg, der regelmäßig bei "gaydar.de" nach dem Mann für's Leben Ausschau hält. "Jeder stellt ein Profil ein, manchmal mit Fotos oder Tonaufnahmen", sagt der 31-Jährige.
Wer selbst sucht, kann auch Eigenschaften für den zukünftigen Partner definieren: Von Größe über Augenfarbe bis hin zu sexuellen Vorlieben. Und auch die Intentionen der Einzelnen sind klar dargestellt: "Da gibt es Leute, die suchen nach einem One-Night-Stand, wenn sie auf Geschäftsreise in einer fremden Stadt sind und andere suchen tatsächlich ihren Traumprinz", so Rath. Jeder weiß also Bescheid über die Absichten des anderen und kann mit dem oder der Auserwählten in Kontakt treten - online oder auch offline.
Die ernsthafte Partnersuche per Internet ist allerdings kein billiges Vergnügen: Parship verlangt für ein Sechs-Monats-Abo 149 Euro, bei anderen Diensten liegen die Kosten bei 5 bis 20 Euro monatlich. "Das gute Niveau hängt wohl auch damit zusammen, dass "parship.de" kostenpflichtig ist - das schreckt Vollidioten ab", meint Arne, der auf der Website über seine glückliche Beziehung zu Kerstin berichtet. Zudem relativierten sich die Kosten, wenn man ausrechne, was regelmäßige Disco- oder Kneipenbesuche kosten, meint Tilo Bonow von "ilove.de ". Da es einen leichten Männerüberschuss gibt, bieten einige Seiten Frauen ihre Dienste auch kostenlos an.
"Parship.de" bietet für die Gebühr aber nicht nur Platz für die Selbstdarstellung und ein Fotoalbum, sondern auch einen ausführlichen Persönlichkeitstest. Die 80 Fragen hat ein Professor für Psychologie entwickelt. "Sozial erwünschte Antworten werden da ausgeschlossen - man kann einfach schlecht schummeln", erklärt Sprecher Hoursch. Wichtig sind für die Partnervermittler die Ergebnisse, anhand derer gematcht wird. "Je mehr Punkte es für Übereinstimmungen gibt, um so bessere Chancen hat eine Partnerschaft", sagt Hoursch.
Schließlich sei nicht die schnelle Nummer zwischendurch das Hauptanliegen von Parship: "Es geht nicht nur ums Flirten und Daten. Wir konzentrieren uns auf Bindungswillige." Eine gewisse Zeit müsse man der erfolgreichen Vermittlung allerdings einräumen, so Hoursch. "Es kommt höchst selten vor, dass man bereits im ersten Monat gleich den richtigen trifft." Allerdings verlängerten viele Mitglieder nach einem halben Jahr ihr Abo nicht. "40 Prozent der Suchenden sind in dieser Zeit bei uns fündig geworden, weitere 20 Prozent bei anderen Partnervermittlern."
Auch Autor Eric Hegmann, der im Buch "Online-Dating" (Goldmann Verlag, ISBN 3-442-16624-1, 7,90 Euro) Tipps zusammenträgt, ist der Meinung, dass das Netz schon lange nicht mehr nur pickligen Kontaktgestörten als letzte Hoffnung dient. Die überwiegende Mehrheit der Nutzer sind Normalos, die entspannt die modernen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme nutzen möchten", schreibt er. Er sieht das Netz als Chance, das Flirten zu üben: "Der virtuelle Korb ist bei weitem nicht so schwer zu tragen wie der im realen Leben."
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