Technik
Donnerstag, 20. Oktober 2011

"Parasitäres Geschäftsmodell": Erste Klage im Fall kino.to

Die Kampagne "Raubkopierer sind Verbrecher" sollte einst den Endverbrauchern vermeintlich fehlendes Unrechtsbewusstsein beibiegen. Inzwischen gehen Rechteinhaber mit Hilfe der Behörden auch massiv gegen die Anbieter von Raubkopien vor. Doch es ist der Kampf gegen eine Hydra.

(Foto: dpa)

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hat vor dem Landgericht Leipzig Anklage gegen einen mutmaßlichen Betreiber des Streaming-Portals kino.to erhoben. Das berichtet der Verein Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), der den Stein mit ins Rollen brachte.

Dem Beschuldigten wird die Mittäterschaft bei einem illegalen Filehoster-Portal-System vorgeworfen sowie "gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzungen in über einer Million Fälle".

Sechs Verdächtige weiter in Haft

Im Zuge der Ermittlungen waren im Juni mehrere Objekte dursucht, die Domain kino.to sowie die Server mehrerer Streamhoster beschlagnahmt und 13 Verdächtige verhaftet worden, von denen sechs bis heute im Gefängnis sitzen sollen, darunter der nun Angeklagte. Trotzdem war nur wenige Wochen nach den Razzien eine fast identische Seite namens kinoX.de im Netz verfügbar. Im Übrigen ist ohnehin eine große Zahl ganz ähnlicher Dienste im Internet verfügbar.

Wenige Wochen nach der Schließung von kino.to war kinoX.to online.
Wenige Wochen nach der Schließung von kino.to war kinoX.to online.

Das System "kino.to" bestand aus der bekannten Portalseite und mehreren Streamhostern, die aktuelle und ältere Kinofilme und Fernsehserien im Livestream anboten,  zuletzt mehr als 30.000 Einzeltitel. Für Nachschub auf diesen Servern hatten die Portalseitenbetreiber nach GVU-Erkenntnissen bezahlte Mitarbeiter engagiert, die Raubkopien beschafften und hochluden.

Links zu Abofallen und Abzockseiten

Sowohl auf der Portalseite als auch auf den Eingangsseiten der Streamhoster waren Werbebanner geschaltet, die häufig zu Abofallen und Abzockseiten führten. Die Einnahmen aus diesen Werbemitteln stellten wohl das eigentliche Ziel der kino.to-Verantwortlichen dar. Die GVU spricht von einem "parasitären Geschäftsmodell".

Die Nutzer solcher Dienste wurden bislang noch nicht belangt, auch wenn ihr tun gegen Gesetze verstoßen sollte. Anders als bei Tauschbörsen werden die illegalen Kopien nämlich beim Betrachten allenfalls kurz auf dem eigenen Rechner gespeichert und auch nicht weiter verbreitet.

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Quelle: n-tv.de

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