Sonntag, 15. Dezember 2002
Modellstudiengang Medizin: Examen mit virtuellen Patienten
Die Universität Witten/Herdecke ersetzt als erste Hochschule in Deutschland im Modellstudiengang Medizin das Physikum und das erste Staatsexamen durch Prüfungen am Computer. Bei den insgesamt sieben praxisorientierten Tests beantworten die Studenten nicht mehr Multiple-Choice-Fragebögen, sondern untersuchen am Rechner virtuelle Patienten.
Bei einer dieser PC-Prüfungen, dem so genannten OSCE (Objective Structured Clinical Examination), durchlaufen die Prüflinge einen Parcours mit etwa einem Dutzend Aufgabenstationen. An jeder Station ist ein medizinisches Szenario beschrieben, das im ärztlichen Alltag vorkommen kann. Die Studenten müssen dabei alle ihre Schritte auch dem Patienten erläutern.
Bei solchen praxisorientierten Prüfungen werden gewöhnlich eigens geschulte Simulationspatienten eingesetzt. Dabei tritt jedoch das Problem auf, dass viele krankhafte Befunde nicht gespielt werden können, und die Belastung während der Prüfungen häufig für echte Patienten nicht zumutbar ist Bei dem Computer-Test werden einzelne Untersuchungsschritte, etwa eine Augenhintergrundspiegelung bei einer Diabetes-Patientin oder die so genannte Auskultation bei einer Lungenentzündung, an virtuellen Patienten dargestellt.
Dafür werden die Rechner so vorbereitet, dass die Studenten elektronisches Stethoskop oder Augenspiegel auch ohne PC-Vorkenntnisse bedienen können.
Bislang schrecken noch viele Universitäten vor virtuellen Prüfungen zurück, weil eine OSCE-Prüfung viel aufwendiger ist als der herkömmliche Multiple-Choice-Test. Medizinstudenten können das System medicMED auch außerhalb der Prüfungen im Internet nutzen. Gemeinsam mit der Universität Regensburg bereitet die Hochschule Witten/Herdecke derzeit Patienten-Fallgeschichten multimedial für das Internet auf.
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