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Die Galaxy-S7-Smartphones sind wasserdicht.
Die Galaxy-S7-Smartphones sind wasserdicht.(Foto: kwe)

Aktuell das beste Smartphone: Galaxy S7 ist fast perfekt

Von Klaus Wedekind

Samsung gelingt mit dem Galaxy S7 ein Smartphone, das praktisch keine Schwächen hat und in wichtigen Bereichen Bestmarken setzt. Ein besseres Smartphone ist derzeit kaum zu finden, auch wenn Innovationen fehlen.

Samsung hat sich das Leben bei der Entwicklung des Galaxy S7 und dessen Edge-Version einfach gemacht. Statt sich neue technische Raffinessen auszudenken, haben die Koreaner die Vorgänger konsequent weiterentwickelt und verbessert. Das Resultat sind zwei Smartphones, die in fast allen Bereichen Spitzenleistungen abliefern und so - zumindest vorerst - die gesamte Konkurrenz hinter sich lassen.

Samsung hat kleine, aber feine Designänderungen vorgenommen. Die dunklen Geräte sind die neue S-Klasse.
Samsung hat kleine, aber feine Designänderungen vorgenommen. Die dunklen Geräte sind die neue S-Klasse.(Foto: kwe)

Kleine, aber feine Veränderungen hat Samsung schon beim Design gemacht. So liegen die Geräte durch seitlich gebogene Rückseiten und rundere Rahmen und Übergänge noch angenehmer in der Hand und die zuvor deutlich hervorstehende Haupt-Kamera schließt jetzt fast plan mit der gläsernen Rückseite ab. Das Galaxy S7 hat wie das S6 ein 5,1 Zoll großes Display. Es ist einen Hauch kürzer und schmaler als der Vorgänger, durch einen deutlich größeren Akku aber rund einen Millimeter dicker. Das Galaxy S7 Edge ist mit einem an den Seiten gebogenen 5,5-Zoll-Bildschirm etwas größer und hat einen noch kräftigeren Akku, ansonsten ist das Duo baugleich.

microSD-Karten ja, USB-C nein

Zur Ausstattung gehört bei der neuen S-Klasse auch wieder ein Platz für microSD-Karten. Samsung bringt sie auf einem gemeinsamen Einschub mit der SIM-Karte unter. Die microSD-Karte kann aber nicht als interner Speicher formatiert werden, was unter Android 6 möglich wäre. Samsung gibt Geschwindigkeits-Defizite als Grund an. 32 Gigabyte interner Speicher sollten für System plus Apps normalerweise aber ausreichend sein.

Das Galaxy S7 ist das handlichere Gerät, das S7 Edge das raffiniertere Smartphone.
Das Galaxy S7 ist das handlichere Gerät, das S7 Edge das raffiniertere Smartphone.(Foto: kwe)

Die meisten Nutzer sollten auch kein Problem damit haben, dass Samsung auf einen USB-C-Anschluss verzichtet hat und beim alten Mikro-USB geblieben ist. Die Verbreitung des neuen Standards sei noch zu gering, heißt es. Eine große Rolle spielt sicher, dass die Gear VR nicht mit USB-C kompatibel ist.

Trotz des fragil anmutenden Designs sind die Smartphones alles andere als empfindlich. Unter anderem sind sie, wie zuletzt ihr Plastik-Vorfahre Galaxy S5, wasser- und staubdicht. Prima: Samsung hat dabei nur interne Dichtungen verwendet, Nutzer müssen nicht darauf achten, irgendwelche Klappen richtig zu schließen. Im Test absolvierte das Edge ohne Probleme einen zweistündigen Tauchgang im Waschbecken. Auch sonst ist die Verarbeitung hervorragend. Gorilla Glass 4 schützt wie bei den Vorgängern Vorder- und Rückseite zuverlässig vor Kratzern. Nicht so schön: Das glatte Material verschmiert schnell.

Super Display, kleine Software-Schwäche

Auch das kleinere Gerät hat eine leicht gebogene Rückseite.
Auch das kleinere Gerät hat eine leicht gebogene Rückseite.(Foto: kwe)

Die AMOLED-Displays sind ein Knüller. Auch hier ist es Samsung gelungen, nochmal eine Schippe draufzulegen und den bereits herausragenden Bildschirm des S6 weiter zu verbessern. Das S7-Display ist im direkten Vergleich noch heller, kontrastreicher und farbstärker, was auch das Labor von "Displaymate" bestätigt. Die Unterschiede sind dabei in allen verfügbaren Bildschirm-Modi deutlich sichtbar. Außerdem zeigen die Smartphones jetzt auch Uhrzeit, Termine oder Bilder im Sperrbildschirm an - auf Wunsch auch dauerhaft im Always-On-Modus. Hier fehlen aber noch weitere Anzeige-Optionen und die Möglichkeit, die Helligkeit regeln zu können.

Das Seitendisplay des Edge ist jetzt breiter.
Das Seitendisplay des Edge ist jetzt breiter.(Foto: kwe)

Nicht so sehr begeistern konnte im Test dagegen der Touchscreen. Grundsätzlich reagiert er äußerst akkurat und zackig. Hin und wieder aber ist er bockig und ignoriert Eingaben. In anderen Momenten ist er überempfindlich und reagiert viel zu schnell. Das nervt beispielsweise stark beim Scrollen durch Twitter. Die Bugs stellte n-tv.de beim S7 und beim S7 Edge fest, vor allem kurz nach Inbetriebnahme. Im Laufe des Tests traten die Störungen dann nur noch sehr selten auf. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um ein Softwareproblem, das Samsung durch ein Update schnell beseitigen sollte.

Mehr Platz fürs Seitendisplay

Verbessert wurde beim Edge auch die Darstellung von Inhalten in den gebogenen Display-Seiten. Die Anzeige ist breiter, so finden dort beispielsweise für den Schnellzugriff jetzt bis zu zehn Apps in zwei Reihen Platz. Nutzer können aus Samsung-Anwendungen Shortcuts erstellen und in einem Seitenbildschirm ablegen oder für definierte Orte passende Funktionen oder Apps automatisch anzeigen lassen.

Die wichtigsten Spezifikationen
  • Prozessor: Exynos 8890, 8 Kerne
  • Arbeitsspeicher (RAM): 4 GB
  • Interner Speicher: 32 GB, erweiterbar
  • Display S7: 5,1 Zoll, S-AMOLED, 2560 x 1440 Pixel, 577 ppi
  • Display S7 Edge: 5,5 Zoll, S-AMOLED, 2560 x 1440 Pixel, 534 ppi
  • Kameras: hinten 12 Megapixel (Dual-Pixel, F1.7, vorne 5 Megapixel, F1.7
  • Akku: 3000/3600 mAh (Edge), Schnell-Ladefunktion, kabellos
  • LTE, WLAN ac, NFC, Bluetooth 4.2 LE
  • Sensoren: Bewegung, Näherung, Lage, Umgebungslicht, Kompass, Luftdruck, Fingerabdruck, Puls
  • Betriebssystem: Android 6.0.1
  • Maße S7: 142,4 x 69,6 x 7,9 Millimeter, 152 Gramm
  • Maße S7 Edge: 150,9 x 72,6 x 7,7 Millimeter, 157 Gramm

Ansonsten hinkt Samsungs Benutzeroberfläche Touchwiz hinter dem Design der Geräte hinterher. Die Elemente auf dem Startbildschirm sehen vergleichsweise altbacken aus, besonders die Ordner könnten eine Auffrischung vertragen. Wesentlich moderner wirken die schlichten Einstellungen. Samsung sollte sich hier mehr am puren Android orientieren, das optisch sehr gelungen ist.

Kühler Kraftprotz

Natürlich hat Samsung auch weiter an der Leistung geschraubt. Der hauseigene 8-Kern-Prozessor macht zusammen mit 4 Gigabyte mächtig Dampf, was dem Galaxy S7 auch in Benchmarks Spitzenplätze garantiert. Dazu haben die neuen Geräte eine wesentlich stärkere Akku-Ausstattung als ihre Vorgänger. Das merkt man vor allem beim S7 Edge, das auch den Vergleich mit dem iPhone 6s Plus und Huaweis Mate 8 nicht scheuen muss. Aber auch der Akku des kleineren S7 bietet genügend Reserven, um auch stark beansprucht das Gerät locker über den Tag zu bringen. Und damit das S7 unter Höchstleistung nicht heiß läuft, hat Samsung eine Flüssig-Kühlung eingebaut.

Im schwachen Licht lässt die S7-Kamera die Konkurrenz alt aussehen (keine Original-Auflösung).
Im schwachen Licht lässt die S7-Kamera die Konkurrenz alt aussehen (keine Original-Auflösung).(Foto: kwe)

Von Leistung und Ausdauer sollen vor allem Spieler profitieren, denen ein Game Launcher und verschiedene Werkzeuge zur Verfügung stehen. Unter anderem können sie einen speziellen Stromsparmodus aktivieren, Benachrichtigungen während des Spiels unterbinden oder Screenshots und Videos ihrer Sessions machen.

Im Test hat das prima geklappt, größere Hitzeentwicklungen waren auch bei längerer Spieldauer nicht feststellbar. Bei vielen Spielen ist es auch ohne größere optische Einbußen möglich, durch reduzierte Auflösung und Bildfrequenz Strom zu sparen. Schade: Der Lautsprecher ist neben dem Micro-USB-Eingang so unglücklich platziert, dass ihn der Zeigefinger beim Spielen fast zwangsläufig verdeckt.

 

Rasante und lichtstarke Kamera

Viel Wert hat Samsung auf die Verbesserung der Kamera gelegt. Die Auflösung wurde auf 12 Megapixel reduziert, um auf dem Sensor Platz für 1,4 Mikrometer große Dual-Pixel zu schaffen. Zusammen mit einer großen Blende von f/1.7 und einem optischen Bildstabilisator liefert das Galaxy S7 so auch bei sehr schwachem Licht noch helle und rauscharme Fotos. Außerdem fokussiert die Kamera in fast jeder Situation atemberaubend schnell und genau, weil beide Fotozellen eines Bildpunktes zur Phasenerkennung eingesetzt werden. Das kriegen weder das iPhone 6s Plus noch eine andere Smartphone-Kamera so gut hin.

Dazu überzeugen S7-Bilder durch sehr natürliche Farben und knackige Kontraste. Klasse sehen auch Videos aus, die das S7 auch in UHD-Auflösung hinbekommt. Dazu bietet die angenehm schlicht gestaltete App noch weitere interessante Modi, unter anderem Zeitlupe und Zeitraffer oder interaktive Panorama-Aufnahmen. Kleines Manko: Die Kamera macht nur im 4:3-Format Fotos in voller Auflösung, beim S6 war dies noch beim bildschirmfüllenden 16:9 möglich. Richtig stark ist auch die Frontkamera, deren Blende ebenfalls f/1.7 groß ist. Mit ihr sind Videochats auch im Dämmerlicht kein Problem, bei Selfies nutzt sie notfalls wie das iPhone das Display als Blitz.

Harter Brocken für Konkurrenz

Samsung hat fast alles richtig gemacht. Statt auf Teufel komm raus neue Innovationen zu finden, haben die Koreaner ein bewährtes Konzept weiter verbessert und so die bisher besten Smartphones auf den Markt gebracht. Die neue S-Klasse vereinigt tolles Design mit robuster Bauweise und bietet überragende Displays und Kameras. Auch Leistung und Laufzeit sind spitze. USB-C hätte einem modernen Spitzen-Smartphone aber gut gestanden und die Always-On-Funktion ist noch etwas langweilig umgesetzt. Samsung muss auch noch etwas gegen die rätselhaften Touchscreen-Aussetzer unternehmen. Ansonsten gibt es an Galaxy S7 und S7 Edge kaum etwas auszusetzen. Sie sind fast perfekt.

Quelle: n-tv.de

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