Freitag, 20. Januar 2006
Pflanze produziert Impfstoff: Gentechnik gegen Borreliose
Deutsche Wissenschaftler haben mit gentechnisch veränderten Tabakpflanzen große Mengen Impfstoff produziert.
Erstmals sei eine Tabakpflanze so angepasst worden, dass sie im ausreichenden Maße einen wirksamen Impfstoff gegen die von Zecken übertragene Lyme-Borreliose liefere, teilte die Universität Würzburg am Freitag mit. Er sei fast genauso effektiv wie ein in Bakterienkulturen hergestellter Impfstoff.
Der Forscher Heribert Warzecha vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie hat das Gen für das Protein, aus dem der Impfstoff besteht, in die Chloroplasten der Tabakpflanze integriert. Diese hätten das Protein nicht nur in großer Menge hergestellt, sondern es auch gleich mit den nötigen Fettsäuren versehen, die für die Wirkung des Impfstoffs unentbehrlich seien. "Bislang war es gängige Lehrmeinung, dass ausschließlich Bakterien diese ganz spezielle Veränderung eines Proteins erledigen können", sagte Warzecha.
Ein Test des Impfstoffes an Mäusen habe ergeben, dass die Tiere gut vor Borreliose geschützt seien. Jetzt wollen die Würzburger Wissenschaftler der Pflanze das Nikotin entziehen und dann testen, ob eine Impfung auch durch das Essen der Blätter möglich ist. Wenn die Dosis hoch genug sei, könne genügend Impfstoff im Dünndarm ankommen, bevor er im Verdauungstrakt zersetzt werde, so Warzecha. Die Studie wurde im Fachjournal "Nature Biotechnology" veröffentlicht.
Bei der Lyme-Borreliose kann es zunächst zu einer sich kreisförmig ausbreitenden Rötung kommen, gelegentlich folgen grippeähnliche Beschwerden. Unbehandelt können Entzündungen des Herzens, der Gelenke und sogar des Gehirn und des Nervensystems auftreten.
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