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Das HTC One mini ist größer als sein Name vermuten lässt.
Das HTC One mini ist größer als sein Name vermuten lässt.(Foto: kwe)

Eine kleine Überraschung?: HTC One mini im Test

Von Klaus Wedekind

Nachdem das große One ein Verkaufsschlager wurde, versucht HTC jetzt mit einem kleinen Ableger des Aluminium-Smartphones groß rauszukommen. Dazu muss das HTC One mini trotz schwächerer Hardware eine ähnlich starke Figur im Alltag machen.

Manchmal ist man von den abgespeckten Mini-Versionen von Top-Smartphones enttäuscht, da sie eigentlich nur das Design und ein paar Funktionen übernommen haben, ansonsten aber gegenüber ihrem großen Vorbild in der Leistung deutlich abfallen. Liest man die Spezifikationen des HTC One mini könnte man glauben, dass dies auch bei diesem Gerät der Fall ist. Doch das Gerät ist der beste Beweis dafür, dass ein Smartphone auch ohne Vier-Kern-Prozessor und Full-HD-Display ein starkes Stück sein kann.

Der Rahmen des HTC One mini besteht aus glänzendem Polycarbonat.
Der Rahmen des HTC One mini besteht aus glänzendem Polycarbonat.(Foto: kwe)

Wie beim One hat HTC beim Gehäuse des Mini viel Aluminium verwendet. Doch das kleine Modell hat einen breiteren Rahmen aus Polycarbonat, der auch die Kanten einschließt, die beim großen One in poliertem Metall glänzen. Außerdem ist beim Mini der Kunstoff im Gegensatz zum matten Polycarbonat-Streifen des Flaggschiffs glatt poliert. Ebenso sind die beiden Frontplatten ober- und unterhalb des Displays aus Plastik. Und HTC hat dem Mini nicht die durchgehende, fast plan abschließende Lautstärkewippe seines Top-Smartphones, sondern zwei getrente Tasten eingebaut, die deutlicher aus dem Rahmen herausragen.

Die Rückseite dagegen ist nahezu identisch, besteht wie beim großen Bruder fast komplett aus Aluminium, das nur für den Antennenempfang von zwei Polycarbonat-Linien unterbrochen wird. Das Fotolicht sitzt allerdings über und nicht links neben der Kamera. Alles in allem macht das Mini einen nicht ganz so edlen Eindruck wie das große One, ist aber immer noch ein sehr schönes Smartphone, das exzellent verarbeitet ist und angenehm in der Hand liegt. Auch wenn es durch die Stereo-Lautsprecher relativ lang ist, ist es doch so schmal, dass man es sehr gut mit einer Hand bedienen kann.

Etwas größer als mini

Das HTC One Mini ist größer als das iPhone 5 und sein Bildschirm bietet eine höhere Pixeldichte als das Retina-Display des Apple-Smartphones.
Das HTC One Mini ist größer als das iPhone 5 und sein Bildschirm bietet eine höhere Pixeldichte als das Retina-Display des Apple-Smartphones.(Foto: kwe)

Richtig "mini" ist das neue HTC-Smartphone aber eigentlich nicht. Immerhin ist es mit einem 4,3 Zoll großen Display größer als das iPhone 5. Apples Smartphone kann auch als Vergleich dienen, wenn man den Super-LCD2-Bildschirm des Mini beurteilt. Denn auch wenn er nicht Full-HD bietet, sondern "nur" eine 720p-Auflösung, genügen 1280 x 720 Pixel um mit 341 ppi die Punktdichte des Retina-Displays (326 ppi) zu übertreffen.

Anders beschrieben: Der von Gorilla Glass 3 geschützte Touchscreen lässt keine Wünsche offen, zeigt alles gestochen scharf an, die Farben sind natürlich, der Kontrast kräftig. Und bei Bedarf strahlt das Display so hell, dass es auch in der Sonne noch abzulesen ist.

Die wichtigsten technischen Daten
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 400, zwei Kerne, 1,4 Gigahertz
  • Display: 4,3 Zoll, Super-LCD2, 1280 x 720 Pixel (334 dpi)
  • Arbeitsspeicher: 1 Gigabyte
  • Interner Speicher: 16 Gigabyte, nicht erweiterbar
  • Kameras: 4,1 Megapixel hinten, 1,6 Megapixel vorne
  • Akku: 1800 Milliamperestunden, fest verbaut
  • Sensoren: Umgebungslichtsensor, Beschleunigungssensor, Gyrosensor, Näherungssensor, Kompass
  • LTE
  • Betriebssystem: Android 4.2.2
  • Maße: 132 x 63 x 9,2 Millimeter
  • Gewicht: 122 Gramm

Qualcomms mit 1,4 Gigahertz getaktete Zwei-Kern-Prozessor und ein Gigabyte Arbeitsspeicher reichen locker aus, um alle Aufgaben ohne Ruckeln und Zuckeln zu erledigen. Der Browser öffnet Webseiten ausgesprochen zügig und der Touchscreen reagiert prompt auf jede Berührung. Das Mini lässt sich ebenso wunderbar flüssig wie das HTC One bedienen, wozu auch die schön schlanke Benutzeroberfläche Sense 5 beiträgt.

Wie beim großen Bruder gilt auch beim Mini: Die News-Reader-App BlinkFeed mag eine praktische Einrichtung sein, aber dass man sie nicht komplett entfernen, sondern nur einen anderen Startbildschirm bestimmen kann, ist etwas aufdringlich. Immerhin bleiben noch vier Seiten, die man frei mit Apps und Widgets belegen kann. Weil kein Infarot-Sender an Bord ist, kann das kleine HTC One nicht als TV-Fernbedienung genutzt werden. Ansonsten hat das Gerät praktisch die gleiche Software-Ausstattung wie das große One.

Gutes Stehvermögen

Auch das kleine One hat eine Ultrapixel-Kamera.
Auch das kleine One hat eine Ultrapixel-Kamera.(Foto: kwe)

Wie genügsam und gut das System des HTC One mini abgestimmt ist, zeigt auch das Durchhaltevermögen des Smartphones. Denn obwohl die Kapazität des Akkus mit 1800 Milliamperestunden nicht besonders groß ist, muss man sich keine Sorgen machen, dass ihm zu früh die Puste ausgeht. Im Gegenteil: An einigen Testtagen war die Batterieanzeige bei automatischer Helligkeitsregelung nach acht Stunden noch halb gefüllt. Apropos Helligkeitsregelung: Im Gegensatz zu vielen anderen Smartphones arbeitet sie im One mini sehr effektiv und regelt bei geänderten Lichtverhältnissen sehr schnell nach.

Der Speicher des Geräts ist mit 16 Gigabyte etwas zu mini, zumal für den Nutzer nur elf Gigabyte zur Verfügung stehen und es keinen Steckplatz für microSD-Karten gibt. Dass ein NFC-Chip fehlt, werden die meisten Nutzer verkraften können, wichtiger ist, dass sie nicht auf LTE verzichten müssen.

Obwohl das Gehäuse des One mini kleiner ist, produzieren die beiden Stereo-Lautsprecher einen ähnlich satten Sound wie beim großen HTC-Gerät. Beim Telefonieren hört man Anrufer laut und deutlich und die eigene Stimme wird klar und nur mit wenigen Nebengeräuschen übermittelt.

Ultrapixel-Kamera an Bord

Ein "Ereignis" mit Videos, Fotos und Zoe-Clip.
Ein "Ereignis" mit Videos, Fotos und Zoe-Clip.(Foto: kwe)

Im Mini sitzt wie bei seinem großen Bruder HTCs eigenwillige Ultrapixel-Kamera, die einen rückbelichteten Sensor mit nur wenigen, aber sehr großen Pixeln hat und daher auch bei sehr wenig Licht noch gute Bilder schießen kann. Zwar liefert der 4,1 Megapixel-Sensor rechnerisch weniger Bildinformationen als die Chips anderer Smartphones. Mit dem HTC One mini kann man aber auch bei Tageslicht sehr schöne Fotos machen. Die gedrehten Full-HD-Videos sehen ebenfalls ziemlich gut aus, vor allem die Belichtung passt. Man muss allerdings beim kleinen HTC One eine etwas ruhigere Hand haben, da der optische Bildstabilisator fehlt.

Auch die vom HTC One bekannte Kamera-App Zoe ist an Bord. Mit ihr nimmt die Ultrapixel-Kamera eine Bilderserie mit Ton auf, aus der man dann unter anderem das beste Foto auswählen, störende Autos oder Passanten aus Bildern entfernen, Action-Fotos zusammenfügen oder Gruppenfotos perfektionieren kann. Fotos und Videos die an einem Ort zur ungefähr gleichen Zeit gemacht wurden, fasst die Alben-App zu Ereignissen zusammen, aus denen Zoe dann automatisch rund 30 Sekunden lange Clips mit Effekten schneiden kann. Auf dem Mini funktioniert schon, was das große One wohl erst durch ein Update bekommt: Man kann auch eigene Musik für die Zoe-Videos auswählen.

HTC bringt das One mini im August zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 449 Euro auf den Markt. Das sind rund 180 Euro weniger als HTC für das große One haben möchte. "Auf der Straße" dürfte das neue Smartphone also schon bald für weniger als 400 Euro zu haben sein. Ein guter Preis für ein richtig gutes Smartphone.

Quelle: n-tv.de

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