Technik
Das Nokia 8 schimmert mattblau.
Das Nokia 8 schimmert mattblau.(Foto: jwa)
Freitag, 25. August 2017

Top-Smartphone mit Zeiss-Optik: Nokia 8 macht Lust auf mehr

Von Johannes Wallat

Das Nokia 8 wurde mit Spannung erwartet. Im September geht das erste Nokia-Flaggschiff mit Android in den Verkauf, n-tv.de konnte es vorab schon testen. Kann es den hohen Ansprüchen gerecht werden? Und wie schneidet die Zeiss-Kamera ab?

Die Erwartungen waren turmhoch an Nokias Rückkehr auf die Smartphone-Bühne. Mit drei Mittelklasse-Modellen ging die finnische Traditionsmarke in Erstkontakt mit der interessierten und kritischen Android-Gemeinde, dann schob der Hersteller HMD Global das Nokia 8 nach - ein High-End-Smartphone mit Spitzentechnik, schickem Gehäuse, guter Kamera und großen Ambitionen. Rund eine Woche nach der Präsentation und noch vor dem Verkaufsstart ist es Zeit für ein Fazit: Ist Nokias Rückkehr gelungen?

Edler Look

Äußerlich stimmt beim Nokia 8 vieles. Das Gehäuse ist ein schickes und gut verarbeitetes Stück Metall, wahlweise auf Hochglanz poliert oder in edlem Matt. Keine schlechte Idee, denn so holt Nokia sowohl Fans des schimmernden HTC U11 als auch Freunde eines dezenteren Looks ins Boot. Auch die Farben sind gut gewählt, Kupfer oder Dunkelblau stehen unter anderem zur Wahl. Das n-tv.de-Testgerät ist die dunkelblaue Matt-Variante. Es liegt gut in der Hand und fühlt sich kühl und edel an.

Technische Daten
  • System: Android 7.1.1
  • Display: 5,3 Zoll, LCD, 2560 x 1440 Pixel
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 835, max. 2,5 GHz
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 64 GB + microSD
  • Kamera: 13 MP Dual-Kamera, f/2.0
  • Frontkamera: 13 MP, f/2.0
  • WLAN ac, LTE Cat. 9, Bluetooth 5.0
  • USB-C
  • Fingerabdruck-Scanner (Front)
  • Akku 3090 mAh
  • Abmessungen: 151,5 x 73,7 x 7,9 mm
  • Gewicht: k.A.

Kleiner Minuspunkt: Der Anschalter sitzt etwas locker im Gehäuse und hat ein wenig Spiel. Das schränkt nicht die Funktion ein, ist aber unschön. Wichtiger für den Gesamteindruck: Die Ränder ums Display sind für ein 2017-Flaggschiff recht dick, das Smartphone selbst wirkt dadurch etwas breit - das Galaxy Note 8 ist trotz eines viel größeren Displays zwar länger, aber minimal schmaler als das Nokia 8. Das Oneplus 5 ist minimal länger und quasi gleich breit, hat aber auch mehr Bildschirmfläche.

Scharfes Display

Das Display selbst ist klasse, es ist mit einer Auflösung von 2560 x 1440 Pixel sehr scharf, auch wenn der Unterschied zu Full HD bei der Bildschirmdiagonale von 5,3 Zoll kaum zu sehen ist. Kaum zu sehen war leider auch der Bildschirm bei hellem Sonnenlicht, da die automatische Helligkeitsregulierung nicht so richtig funktionieren wollte - ein Manko, dass per Software-Update sicher behoben werden kann. Überhaupt weckt das Nokia 8 den Verdacht, dass es noch ein paar Nachbesserungen an der Software vertragen kann. Das ist bei einem Gerät vor dem Verkaufsstart nicht ungewöhnlich und fließt deshalb auch in die Bewertung des Smartphones mit ein.

Das Display des Nokia 8 ist sehr scharf - auch wenn man das gar nicht sieht.
Das Display des Nokia 8 ist sehr scharf - auch wenn man das gar nicht sieht.(Foto: jwa)

Die Oberfläche reagiert zackig und schnell, Aussetzer und Denkpausen leistet sich das Nokia 8 nicht. Das wäre auch fatal, denn schließlich steckt Spitzentechnik drin, und das unveränderte Android sollte mit den Ressourcen bestmöglich umgehen können. Mitunter zeigten sich aber kleine Aussetzer, zum Beispiel im Browser oder in der Tastatur-App, wenn das Handy auf ein Tipper auf den Bildschirm nicht reagieren wollte. Das ist nervig, dürfte aber auch ein Software-Problem sein.

Kamera knipst nicht optimal

Deutlicher zeigt sich die schlecht angepasste Software bei der zusammen mit Zeiss entwickelten Kamera. Das Nokia 8 geht mit einem starken Dreier an den Start: Auf der Rückseite sitzen zwei 13-Megapixel-Linsen, ein Farb- und ein Schwarzweiß-Sensor, beide mit relativ großen Bildpunkten, wodurch der Sensor mehr Licht bekommt und Fotos auch bei wenig Licht besser gelingen. An der Front ist noch einmal das gleiche Kamera-Modul. Das macht sich bemerkbar, die Frontkamera schießt sehr gute Bilder mit einem hohen Dynamikumfang und feinen Details - hier kann das Nokia 8 ganz vorne mitspielen.

Ein Blick aufs Sucherbild: Das Nokia 8 filmt mit Front- und Rückkamera gleichzeitig.
Ein Blick aufs Sucherbild: Das Nokia 8 filmt mit Front- und Rückkamera gleichzeitig.(Foto: jwa)

Die Rückkamera macht an sich auch gute Bilder, legt im Test aber nicht immer Spitzenleistung an den Tag. Manchmal ist der HDR-Button, über den man direkt aus dem Sucherbild HDR ein- und ausschaltet, ausgegraut und reagiert nicht. Gelegentlich braucht die Kamera ohne erkennbaren Anlass einige Sekunden, um ein Bild aufzunehmen. Die Bokeh-Funktion, mit der man den Hintergrund unscharf stellen kann, hat zwar einen Schieberegler, um die Stärke des Effekts anzupassen. Leider arbeitet die Software aber ungenau und erkennt nicht immer zuverlässig, wo das Motiv aufhört und der Hintergrund anfängt.

Schlechter als angepriesen ist auch der "Bothie"-Modus, den HMD Global beim Nokia 8 als ein Kern-Feature bewirbt. Die Idee ist gut: Rück- und Frontkamera filmen gleichzeitig, im Sucherbild sind beide Bilder zu sehen. Auf Wunsch kann man das Gefilmte direkt streamen, zu Facebook oder Youtube. Ob das eine besonders große Zielgruppe anspricht, ist fraglich. Wichtiger aber: Im Bothie-Modus hat man nur wenig Kontrolle über die Aufnahmen der jeweiligen Kamera, Touch-Fokus und Helligkeitsanpassung funktionieren zum Beispiel nicht. So kann die Kamera vorerst nicht besonders begeistern - auch hier dürften Anpassungen bei der Software aber noch deutliche Verbesserungen bringen. Man spürt es förmlich: Hier geht noch mehr, das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Überzeugend ist bisher vor allem die Frontkamera.

Luft nach oben

Besonderheiten hat das Nokia 8 sonst nicht zu bieten, Performance und Akkulaufzeit sind einem Top-Smartphone angemessen, die Software ist wie gesagt pures Android ohne Extras und Bloatware, nur eine Support-App darf sich zu Googles Grundausstattung gesellen. Das ist gut, denn so sollen Android-Updates besonders schnell ausgeliefert werden können. Wenn Nokia sein Versprechen hält, dürfte das Nokia 8 bald schon Android 8 erhalten, das Sicherheitsupdate ist schon auf dem neuesten Stand.

Zum Preis von 579 Euro ist das Nokia 8 günstiger als andere aktuelle Smartphone-Flaggschiffe mit vergleichbarer Ausstattung zum Marktstart. Seine großen Vorteile - die tolle Kamera und aktuelle Software - kann es aber noch nicht ausspielen. Hier gilt der sogenannte "benefit of doubt", also ein Vertrauensvorschuss: Wenn Nokia bis zum Marktstart noch an ein paar Stellschrauben dreht und vor allem die Kameraleistung noch optimiert, ist das Nokia 8 ein konkurrenzfähiges und leistungsstarkes Smartphone mit eigenen Qualitäten und ohne Macken. Der ganz große Wurf ist es aktuell nicht - aber es macht Lust auf mehr.

Quelle: n-tv.de

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