Wie ein Traktor mit SpoilerSo locken Media Markt & Co.
Die großen Elektronikketten sind um markige Werbesprüche nicht verlegen. Das betrifft leider auch die Anpreisung von "Elektroschrott".
Wir sind schon lange nicht mehr blöd, sondern kaufen Euch das ab. Geiz ist zwar nicht mehr geil, trotzdem lieben wir billig und hassen teuer. Dass die großen Elektronikketten um markige Sprüche nicht verlegen sind, wissen wir ebenfalls schon lange. Dem entsprechend werden allerdings auch die Werbebroschüren gestaltet: viel heiße Luft und oft nur wenig dahinter. So kann man jedenfalls die Ergebnisse der Zeitschrift Chip deuten, die Werbebotschaften der Elektronikmärkte unter die Lupe genommen hat.
Demnach ist ein Prospekt einer Elektronikkette mit dem gleichen kritischen Blick, wie ein Reisekatalog zu lesen. Wenn da in der Hotelbeschreibung von einer verkehrsgünstigen Lage die Rede ist, kann man davon ausgehen, dass sich die Herberge zwischen Autobahn und Flughafen befindet. Entsprechend mit Vorsicht zu genießen sei auch "aktuelle Technik": Da könne man davon ausgehen, dass ein Mitarbeiter noch ein paar Paletten mit Komponenten vom vergangenen Jahr in der Lagerecke entdeckt hat, die nun schnellstmöglich unters Volk müssen, meint Chip.
Geworben wird dann in großen Lettern für Komponenten, die in der Zusammenstellung oftmals keinen Sinn ergeben. So werden beispielsweise Einsteiger-PCs mit überdimensionierten Terabyte-Festplatten ausgestattet, die allenfalls eine teure und laute Zusatzheizung darstellen. Der riesige Arbeitsspeicher entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als Bremse für das ganze System, weil der Speicher zwar groß ist, aber langsame Speichermodule verbaut wurden.
Spezialversionen für Großabnehmer
Da die Elektronikketten Großabnehmer sind, werden oft Versionen von Notebooks und PCs extra angefertigt, die sich von dem eigentlichen Serienmodell unterscheiden, aber so ähnlich anmuten. Da wird an die Modellbezeichnung einfach noch ein Buchstabe angehängt, den der Käufer eher als trivial ansieht. Hinterher kann sich das als schwerer Fehler entpuppen. Darüber hinaus werden Rechner mit Mega-Softwarepaketen ausgestattet, die zwar kostenlos aber total umsonst sind. In der Regel handelt es sich um Share- und Freeware oder Lizenzen, die nur für eine Testzeit gültig sind und anschließend gekauft werden müssen.
Unsinnige Werbebotschaften werden auch immer wieder beim Angebot von Digitalkameras ausgesandt. Selbst die günstigsten Modelle verfügen über 10 Mio. Pixel und 120-fachen Zoom. Der zaubert dann aus der schönen grünen Wiese große grüne Klötze. Beliebt ist auch die Angabe der Auslöseverzögerung – eigentlich die Zeit, die vom Drücken des Auslösers bis zur tatsächlichen Aufnahme vergeht. Hier wird in den Werbeprospekten oft die Auslöseverzögerung "nach AF" angegeben, also erst nach der Fokussierung durch das Objektiv. Das ist natürlich unsinnig, weil für die Fokussierung die meiste Zeit vergeht
Fazit: Besser einmal mehr schauen, was die angebotenen Produkte wirklich leisten und vorher über Qualitätskomponenten und Geräte informieren. Ganz wichtig auch: Preise im Internet vergleichen, denn selbst bei der jüngsten Media-Markt-Aktion "25 Prozent auf alles über 200 Euro" gab es reihenweise Produkte, die trotz Mega-Rabatt im Internet günstiger zu haben waren.