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Technik

Montag, 01. Dezember 2008

Windows-Datenmüll: Software putzt oft schlecht

Ältere Computer machen oft Zicken: Beim Hochfahren halten sie erst einmal eine Gedenkminute ein, Programme, die früher einwandfrei vorangingen, werden nun quälend langsam ausgeführt. Schuld ist Datenmüll, der Windows verlangsamt. Optimierungsprogramme versprechen Abhilfe, erreichen teilweise jedoch das Gegenteil. Müllvermeidung und Aufräumen in Eigenregie sind oft wirkungsvoller.

"Viele Anwendungen stellen sich selbst so ein, dass sie mit dem Betriebssystem automatisch hochfahren, unter anderem um nach Updates zu suchen", erklärt Peter Knaak, Technikexperte der Stiftung Warentest in Berlin. "Das verlangsamt den Windows-Start erheblich." Übrig gebliebene Einträge gelöschter Programme oder Geräte-Treiber in der Registrierungsdatenbank könnten ebenfalls für Fehlfunktionen sorgen, so Dirk Kuchel von der in Hamburg erscheinenden "Computer Bild". Zudem hinterlassen manche Programme fälschlich Dateien auf der Festplatte, die nur temporär zur Installation nötig waren.

Zerstückelte Dateien

Ferner stellt die Fragmentierung - also die Zerstückelung von Dateien - auf der Festplatte ein Problem dar: Zu speichernde Daten werden auf dem Laufwerk dort abgelegt, wo Platz ist - mitunter an verschiedenen Stellen. "Dadurch braucht die Festplatte viel länger für den Zugriff", erläutert Jaroslav Smycek, Computerexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Ab und an bedarf es daher eines "Großreinemachens". Als komfortable Putzhilfe werden Optimierungsprogramme angeboten, die mit wenigen Mausklicks lahmenden Computern Beine machen sollen. Ein Test der "Computer Bild" von neun Produkten zwischen 20 und 50 Euro im Juni 2008 fiel jedoch ernüchternd aus: Einige Windows-XP-Optimierer verlangsamten den Start um fast eine Minute, statt ihn schneller zu machen.

Keiner für alle

Nur zwei Vista-Optimierer beschleunigten in dem Test den PC in fast allen Disziplinen: S.A.D TuneUp Utilities 2008 und Marx Softwareentwicklung System Control 2007. Das restliche Testfeld schaffte keine oder nur minimale Verbesserungen. Im XP-Bereich gelang dies dem Programm Data Becker Twin XP noch am besten, es ist laut "Computer Bild" aber auch nicht ohne Schwächen.

Die Hilfsprogramme bieten in der Regel viel: Autostart- und Registry-Putz, Defragmentierung oder die Optimierung von Systemeinstellungen. Zudem lässt sich mit ihnen Windows optisch aufpeppen. Nur - alles gleich gut kann die Software eben nicht, und schon gar nicht bei jeder Windows-Version: So bekam Vista-Testsieger TuneUp Utilities für die Arbeit mit dem älteren Windows XP im "Computer Bild"-Vergleich nur ein "mangelhaft".

"Die Programme sind oft ihr Geld nicht wert", urteilt Dirk Kuchel von "Computer Bild". Vieles, was die Optimierer übernehmen, lasse sich bei XP auch mit Bordmitteln erledigen: etwa überflüssige Dateien zu löschen oder in den Tiefen der Systemsteuerung die Einstellungen zu verändern. Dieser Weg sei aber unbequemer und erfordere Erfahrung. Da Vista komplexer aufgebaut ist und temporäre Dateien an unterschiedlichen Orten speichert, gehe es hier nicht ohne Hilfsprogramm.

Putzen geht auch kostenlos

Für Aufgaben, die sich nicht in Eigenregie erledigen lassen, gibt es empfehlenswerte Gratis-Tools. Zur Säuberung der Registrierungsdatenbank ist "CCleaner" (www.ccleaner.de) unter Experten anerkannt. Ein gängiger kostenloser Defragmentierer ist "Disk Defrag" (www.auslogics.com/disk-defrag). Der größte Geschwindigkeitszuwachs wird bei älteren, langsameren Platten erreicht. Gerade bei neuen Geräten lohne es sich also nicht, Geld auszugeben, so Jaroslav Smycek.

Außerdem zu beachten ist: Veränderungen an der Registry "sind eine Operation am offenen Herzen", betont Smycek. Eine vorherige Sicherung sei Pflicht. Scheitert der Putzvorgang, funktioniert das Betriebssystem womöglich nicht mehr. Gute Optimierungs-Programme bieten daher stets eine Sicherung an, erläutert Dirk Kuchel.

Damit der Rechner nicht immer langsamer wird, sollten Nutzer zum Beispiel darauf verzichten, oft und wahllos neue Software zu installieren, die dann womöglich noch nicht einmal verwendet wird. Zwar lassen sich die Programme in der Regel einfach wieder entfernen. Doch bei jeder Deinstallation blieben Reste und damit Datenballast übrig, sagt Warentester Knaak.

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