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Freitag, 24. April 2015

Abgefahrenes Elektro-Zweirad: Testflug mit dem IO Hawk

Von Klaus Wedekind

Der IO Hawk ist ein verrücktes Elektro-Zweirad, bei dem der Fahrer zwischen den Rädern steht und ohne Haltegriff durch die Gegend flitzt. Klingt abgefahren? Ist es auch, aber ebenso genial und spaßig.

Im Januar feierte der IO Hawk auf der CES Premiere. Ein sehr seltsames Elektro-Gefährt, dessen zwei Räder nur so groß wie bei einem Bobby Car sind und der Fahrer zwischen ihnen auf zwei Trittbrettern balanciert. Ein wenig erinnert der IO Hawk an die Segways, nur haben die viel größere Räder und eine Haltestange. Während der Computermesse Cebit wurden die ersten Testgeräte in Deutschland an den Start geschickt, einer der "Falken" landete zu meinem großen Vergnügen in der Redaktion von n-tv.de.

Die beiden Trittflächen werden getrennt bewegt.
Die beiden Trittflächen werden getrennt bewegt.(Foto: IO Hawk)

Die ersten Meter legte ich allerdings schon auf dem Messegelände in Hannover zurück, wo mir ein freundlicher PR-Vertreter eine kurze Einweisung gab. Im Prinzip ist der Start ganz einfach: einen Fuß über eine Trittfläche halten, aber noch nicht belasten und dann schnell mit beiden Beinen aufsteigen. Wie bei den meisten Kandidaten vor mir ging mein erster aber Versuch daneben, weil ein Fuß zu früh auf der Trittfläche stand und der IO Hawk alleine in einem kleinen Bogen davonrollte.

Kurze Wackler

Im zweiten Anlauf gelang mir der Aufstieg, was aber zunächst kein Triumphgefühl in mir auslöste. Denn das Board zuckte unter meinen Füßen unkontrolliert hin und her, während ich mit rudernden Armen versuchte, das Gleichgewicht zu halten. Ich war mir in diesem Moment sicher: Das wird nix. Die amüsiert blickenden Messebesucher teilten diese Meinung vermutlich. Eine grobe Fehleinschätzung, denn schon nach ein paar Minuten Wackel-Training glitt ich in erhabenem Schritttempo ohne stützenden Arm am Publikum vorüber. Applaus!

Es ist erstaunlich, wie schnell man mit dem IO Hawk zurechtkommt. Das stellten auch die meisten meiner Kollegen fest, die sich den Ritt auf dem Elektro-Falken trauten. Spätestens nach einer halben Stunde düste jeder von ihnen relativ sicher durch die Büroflure. Hat man das Gerät länger unter den Füßen – und das ist das Privileg des Testers – beherrscht man den IO Hawk nach ein, zwei Stunden Büro-Parcours schon fast perfekt, nimmt engste Kurven, dreht sich auf der Stelle und fährt mühelos rückwärts.

Trotz der Beleuchtung: nachts sollte man nicht mit dem IO Hawk fahren.
Trotz der Beleuchtung: nachts sollte man nicht mit dem IO Hawk fahren.(Foto: n-tv.de)

Nachdem ich die Indoor-Prüfung bestanden hatte, ging's raus auf den Asphalt, um die Höchstgeschwindigkeit von 10 Kilometern je Stunde auszureizen. Ich denke, ich habe sie erreicht, aber nicht lange gehalten. Denn während einem diese Geschwindigkeit mit größeren Gefährten sehr gemütlich vorkommt, hat man dabei auf dem IO Hawk sogar auf glatten Wegen ein Gefühl wie in einem Fiat Panda, der mit 180 km/h über die Autobahn rast - auch wenn dies nicht möglich ist. Mit der zugehörigen Fernbedienung, die vermutlich ein ganz normaler Türöffner ist, kann man auch einen Anfängermodus auswählen, in dem der IO Hawk nicht schneller als 6 km/h fährt. An der zackigen Beschleunigung ändert dies zwar nichts, "Kavalierstarts" verhindert die Elektronik aber grundsätzlich.

Nicht überlegen, denken!

Die Steuerung des Geräts ist so genial wie einfach. Jedes Rad wird von einem eigenen Motor angetrieben. Neigen sich die Füße nach vorne, rollt der IO Hawk vorwärts, senken sich die Fersen, fährt er rückwärts. Die Trittflächen sind dabei getrennt auf der Achse befestigt und können einzeln bewegt werden, auch gegeneinander. So kann man mit dem IO Hawk unglaublich exakt steuern und so lange es der Magen durchhält, auch Pirouetten drehen. Es ist allerdings falsch, zu versuchen, den IO Hawk bewusst zu steuern. Wer erst überlegt, wie er die Kurve kriegt, klebt schnell an der Wand. Im Prinzip denkt man einfach nur, wohin die Fahrt gehen soll und der Körper macht automatisch die richtigen Bewegungen.

Den IO Hawk gibt's in Schwarz, Weiß und Rot.
Den IO Hawk gibt's in Schwarz, Weiß und Rot.(Foto: IO Hawk)

Das Gerät unterstützt dabei den Fahrer, in dem Lage- und Beschleunigungssensoren die Situation erkennen und stabilisierend eingreifen. Das erfolgt so dosiert, dass es während der Fahrt nicht zu spüren ist. Sich auf einem ausgeschaltetem IO Hawk zu halten, ist dagegen fast unmöglich. Ebenso schnell wie man das E-Board beherrscht, wird man auch übermütig. Und so muss ich das Testgerät mit einigen Schrammen zurückgeben, die Tür- und Bordsteinkanten im schwarzen Lack der Kunststoffkarosserie hinterlassen haben.

Großes, aber nicht grenzenloses Vergnügen

Laden musste ich den Akku des IO Hawk bisher nicht, der 10 Kilogramm schwere Flitzer hat eine Reichweite zwischen 15 und 20 Kilometern. Diese Distanz mit dem IO Hawk am Stück zurückzulegen ist in Deutschland derzeit noch unmöglich. Denn für Fahrten auf Bürgersteigen, Radwegen oder Straßen fehlt dem Vehikel bisher eine Zulassung. Außerdem sind den kleinen Rädern enge Grenzen bei der Überwindung von Hindernissen gesetzt, höher als 1,3 Zentimeter dürfen sie laut Handbuch nicht sein. Steigungen nimmt der IO Hawk bis zu 15 Grad.

Mein Fazit? Für mich ist der IO Hawk vor allem ein Gerät, was unheimlich Spaß macht und das ich vor allem in meiner Freizeit verwenden und damit Inline-Skatern den Platz auf glatten Wegen streitig machen würde. Als alltägliches Transportmittel ist das E-Board eher ungeeignet. Sehr gut kann ich mir auch vorstellen, dass der IO Hawk in Flug- und Bahnhöfen und anderen Anlagen zum Einsatz kommt, wo Mitarbeiter lange Wege zurücklegen müssen. Auch weil das kleine E-Board mit 1500 Euro inklusive Versand deutlich günstiger als ein Segway ist.

Quelle: n-tv.de

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