Technik
Touchpads links und rechts, ein multifunktionaler Berührungsbildschirm in der Mitte.
Touchpads links und rechts, ein multifunktionaler Berührungsbildschirm in der Mitte.(Foto: Valve)

Steammachine vs. PS4 vs. Xbox One: Valve legt sich mit Sony und Microsoft an

Von Roland Peters

Der Spielespezialist Valve weitet per Dreifachangriff sein Portfolio aus: Ein eigenes Betriebssystem gegen die Dominanz von Windows, die Steammachine gegen Playstation und Xbox – und ein Controller, der technische Grenzen einreißt. Das US-Unternehmen will im Konzert der Großen mitspielen.

Es gibt ihn offenbar, den Ritter, der den PC als Spieleplattform verteidigt. Aber es ist nicht Microsoft mit Windows, sondern Valve mit einem eigenen Betriebssystem. Die US-Firma ist längst nicht mehr nur Software-Entwickler, sondern zu einem großen Akteur in der Spielewelt aufgestiegen. Das liegt vor allem an Steam, der umsatzstärksten digitalen Vertriebsplattform für Spiele auf PC, Mac und Linux.

Nun, zwei Monate vor dem Verkaufsstart der beiden neuen Premiumkonsolen Xbox One und Playstation 4, kündigt Valve ein Triumvirat von Neuheiten an. Der Zeitpunkt könnte kaum besser gewählt sein. Sony und Microsoft bekommen Konkurrenz im Kampf ums Spielen von der Couch aus. Der PC soll dabei eine größere Rolle spielen und den Konsolen das Fürchten lehren.

SteamOS und Steammachine

Bilderserie

Zunächst SteamOS: Das Betriebssystem arbeitet auf Linux-Basis und ist nicht geschlossen, ähnlich wie Android bei Smartphones funktioniert SteamOS bei Computern mit PC-Architektur. Das System ist gratis und kann für unterschiedliche Hardware konfiguriert werden. Dies soll Lizenznehmern zu Gute kommen, die im Laufe des Jahres 2014 verschiedene Versionen einer "Steammachine" auf den Markt bringen. Zunächst liefert Valve jedoch selbst für 300 Betatester Hardware aus.

In den vergangenen Monaten wurde gerätselt, was es mit den mehr und mehr Linux-Portierungen auf sich hat, die über Steam erhältlich sind. Nun ist klar, warum das Unternehmen aus Seattle die Umsetzungen forciert. Der Clou an der Steammachine: Sie ist nicht nur Spielkonsole, sondern auch Streaming-Plattform für PC und Mac. Sämtliche Spiele, die ein Nutzer über Steam auf seinem Computer gekauft und installiert hat, können übers Heimnetzwerk einfach auf den Fernseher geworfen werden.

Revolutionärer Controller

Der Controller für den Rechner sieht aus wie eine Mischung aus Xbox- und Playstation-Gamepad, hat aber eine andere Anordnung der Tasten: Zunächst gibt es zwei Touchpads, die zugleich drückbar sind. An ihren Rändern sind zudem weitere Tasten angebracht. Und wie bei der Konkurrenz gibt es jeweils zwei Schulterknöpfe links und rechts.

Die Funktionsbeschreibung des Controllers klingt revolutionär: So sind die Touchpads mit Elektromagneten versehen, die haptisch funktionieren – sie geben dem Spieler Informationen über "Geschwindigkeit, Wegbegrenzungen, Schwellen, Texturen, Aktionsrückkopplungen oder jegliche andere Ereignisse", führt Valve aus. Ein Berührungsbildschirm in der Mitte des Controllers soll zudem völlig unterschiedliche Funktionen übernehmen können, je nach Programmierung des Spiels. Hier geht es Valve darum, das Problem der Steuerung von PC-Titeln zu lösen. So soll die Tastatur-Maus-Steuerung komplett simuliert werden können. Nutzer sollen über ein Konfigurationsmenü die Tastenbelegung selbst zuweisen.

Im Konzert der Großen

Dass Valve es wagt, sich gegen Microsoft und Sony zu stellen, hat vor allem mit dem Erfolg seiner digitalen Vertriebsplattform zu tun. Steam hat rund 50 Millionen Nutzer auf PC und Mac. Umsatzzahlen nennt das Unternehmen zwar nicht. Marktforscher schätzen aber, dass Valve im vergangenen Jahr rund 1,1 Milliarden Dollar mit Spielen per Download gemacht hat. Mit SteamOS will Valve wohl auch die bisherige Abhängigkeit von Apple und Microsoft verringern.

Mit seiner großen Nutzer-Basis und der breiten Community von PC-Spielern sieht Valve offenbar großes Potenzial, die etablierten Spielepattformen herauszufordern. Schon vor Wochen kündigte Valve "Family Sharing" an - über Steam gekaufte Spiele können so ohne physischen Datenträger an Freunde weitergegeben werden.

Dazu kommt, dass Valve auch Entwickler der Half-Life- und Portal-Reihe ist - Hardware war bislang das einzige Element, dass dem Unternehmen fehlte, um im Konzert der Großen mit Microsoft, Sony und Nintendo mitzuspielen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen