Der Tag Architekt kritisiert Abriss des Palastes der Republik: "Kulturgut der Verlierer vernichtet"

Der Palast der Republik in Ost-Berlin war ein großer Prestigebau der DDR. Als ich das erste und einzige Mal davor stand, hatte dieses Stück Geschichte die besten Zeiten längst hinter sich. Im Jahr 2004 habe ich nicht viel mehr als die Fassade des damals bereits entkernten Palastes der Republik sehen können. Zudem waren meine Augen vor allem auf die Terrakotta-Armee aus China gerichtet, weshalb wir überhaupt in Berlin waren. Ich hatte mich damals als junger Teenager gefragt, warum das Gebäude abgerissen wird, nachdem ich gerade erst so richtig davon erfahren hatte. Mich hatte dieses für mich sonderbare Gebäude eher zum Nachdenken angeregt. Würde das heute noch Teenagern wie mir aus der niedersächsischen Provinz ähnlich gehen?
Nun war mir zu dem Zeitpunkt die Bedeutung von Architektur noch nicht klar, also warum jemand Interesse haben könnte, Orte zu zerstören, die mit Geschichte oder in dem Fall mit der Existenz der DDR in Zusammenhang stehen. Rückblickend ist der Abriss wohl keine ganz so klare Sache.
Einer der Architekten des Palastes der Republik kritisiert den Abriss des repräsentativen DDR-Baus nun als großen Fehler. "Es war tatsächlich eine kulturgeschichtliche und umweltpolitische Fehlentscheidung, auch in städtebaulichem und stadtfunktionellem Zusammenhang", sagte der Architekt Wolf-Rüdiger Eisentraut der "Berliner Zeitung". Eisentraut gehörte zu einem Team von Architekten unter Heinz Graffunder, nach dessen Plänen der 1976 in Ost-Berlin eröffnete Prestigebau errichtet wurde. "Heute muss man aus historischer Sicht sagen: Die obsiegende Gesellschaft hat ein Kulturgut der Verlierer vernichtet. Der Abriss war von Anfang an politisch gewollt, der Wille schon weit vor dem Bundestagsbeschluss zum Wiederaufbau des Schlosses manifestiert", so der 80-Jährige. "Asbest war kein Abrissgrund, bot aber ein willkommenes Argument. Vielmehr führten das gestörte Verhältnis der neuen Bundesrepublik zum übernommenen Erbe der DDR und politische Prämissen zur Abrissentscheidung."
An dem Ort, wo früher der Palast der Republik stand, befindet sich heute das Humboldt Forum mit der bis heute umstrittenen barocken Fassade des historischen Hohenzollern-Schlosses. Im Humboldt Forum ist auch als Auseinandersetzung mit dem historischen Ort vom 17. Mai 2024 bis 17. Februar 2025 die Sonderausstellung "Hin und weg. Der Palast der Republik ist Gegenwart" zu sehen. Ob diese einen ähnlichen Effekt wie das Bauwerk noch auf die Besucherinnen und Besucher haben wird?