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Der Visionär und der Provokateur Julian Schnabel und Jiří Georg Dokoupil im Dialog

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Mit Acryl- und Sprühfarbe auf Leinwand und Linoleumboden haben Julian Schnabel und Jiří Georg Dokoupil (v.r.) Bilder geschaffen, die den wachen Geist und die expressive Grundhaltung beider in sich vereinen.

(Foto: Deyan Manolov)

Jiří Georg Dokoupil lässt sich nicht auf einen Stil festlegen. Als einer der untypischsten Künstler der Gegenwart begeistert er mit immer neuen Techniken. Julian Schnabel mag es ebenso experimentell, bemalt Landkarten, Segeltücher und zerbrochenes Porzellan - ungewöhnliche Materialien für einen ebenso ungewöhnlichen Mann und Ausnahmekünstler. Unter dem Titel "Two Czechoslovakians walk into a bar" zeigt das Osthaus Museum Hagen nun 15 großformatige "Collaboration Paintings" der beiden Neoavantgarde-Künstler.

Der eine ist ein postmoderner Provokateur, in den Achtzigerjahren galt Jiří Georg Dokoupil als der Star unter den Jungen Wilden. Der andere wird als exaltierter Künstler und sensibler Regisseur verehrt, Julian Schnabels internationale Karriere ist an Höhepunkten nicht arm. Eine Begegnung der beiden führte zu einer beeindruckenden Kooperation, denn ein freundschaftlicher Besuch von Schnabel in Dokoupils Berliner Atelier hatte künstlerische Konsequenzen. Zwei Kunststars begegneten sich in entspannter Atmosphäre auf Augenhöhe, das Ergebnis sind herausragende Bilder, die vom gegenseitigen Verständnis und Respekt der beiden zeugen. Dass diese Zusammenarbeit zweier meisterhafter Künstler so fruchtbar sein würde, hätte man angesichts der jeweiligen höchst individuellen Lebensentwürfe vielleicht nicht erwartet.

Georg Dokoupil verwendet bereits seit den achtziger Jahren keine Pinsel mehr.

Georg Dokoupil verwendet bereits seit den Achtzigerjahren keine Pinsel mehr.

(Foto: Deyan Manolov)

Seifenblasen als Farbträger, Muttermilch auf Leinwand und Peitschen als Pinsel: Jiří Georg Dokoupil nutzt in seiner künstlerischen Praxis gerne unkonventionelle Methoden. Der neoexpressionistische Maler verwendet seit 1986 keine herkömmlichen Pinsel mehr. In den Achtzigerjahren ist Dokoupil der Star unter den Jungen Wilden, die damals gleichzeitig die Museen, den Kunstmarkt und die großen Ausstellungen erobern.

Geboren wird Dokoupil 1954 in der Tschechoslowakei. Im Zuge des Prager Frühlings verlassen seine Eltern das Land. In den Siebzigerjahren beginnt er in Köln und Frankfurt Kunst zu studieren und findet Gefallen an den neuen und pluralistischen Formen der Zeit. Auf dem Höhepunkt der trockenen Konzeptkunst entscheidet er sich bewusst, Maler zu werden. "Die Menschen gehen in Museen und Galerien, um ein Form- und Farb-Erlebnis zu haben. Das ist und bleibt die Essenz der Kunst", sagt er später in einem Interview mit dem Magazin "032c". Und er sollte recht behalten: 1982 nimmt Dokoupil an der Biennale in Venedig, der "documenta 7" und an der großen Ausstellung "Zeitgeist" in Berlin teil.

Er kultiviert eine sich ständig ändernde stilistische Bandbreite zwischen Neoexpressionismus und Konstruktivismus, barocker Verspieltheit und Pop-Art und wird so zu einem Liebling der Sammler. Dokupil malt dunkle Kerzenbilder mit Ruß und nutzt eingefärbte Seifenblasen, die er auf seinen Leinwänden aufplatzen lässt. So entstehen mal düstere, mal fragile Arbeiten. Im Stil des Action Paintings klatscht er Farbe mit Peitschen auf Leinwände, auch Muttermilch kommt als Farbträger zum Einsatz.

Trotz ihrer Unterschiedlichkeit zeigen sich in ihren Arbeiten viele Gemeinsamkeiten.

Trotz ihrer Unterschiedlichkeit haben Dokoupils und Schnabels Arbeiten viele Gemeinsamkeiten.

(Foto: Deyan Manolov)

Dokoupil will keiner festgelegten Stilrichtung zugeordnet werden, hat keine uniforme Handschrift. Auch wenn die Karrieren anderer vielleicht geradliniger verlaufen, so gibt der Erfolg dem widerspenstigen Künstler doch recht: Seine Arbeiten sind in den größten Kunstsammlungen der Welt vertreten, er hat Lehraufträge an renommierten Universitäten. Der postmoderne Künstler, der sich jeglicher Klassifizierung entzieht, hat für seine künstlerische Praxis eigene Regeln: "Es muss dir in den Magen schlagen. Zu viel Theorie steht nur im Weg."

Dass Kunst beim Betrachter wirklich etwas auslösen muss, ist auch eine Ansicht, die Julian Schnabel teilt. In den 1980er-Jahren war er nicht nur ein gern gesehener Gast der New Yorker Society, er war ein junger Maler auf einer Welle des Erfolgs. Schnabel wird 1951 in Brooklyn geboren, zieht mit seiner Familie aber bald nach Texas, wo er aufwächst und die Universität besucht. Nach dem Kunststudium zieht es ihn zurück in die große Stadt. Schnell etabliert er sich als junger Künstler.

In den 1970er-Jahren folgen erste Einzelausstellungen in Galerien und Museen. Dort präsentiert er auch erstmals seine "Plate Paintings", die ihn bekannt machen sollen: großformatige Scherbengemälde aus zerbrochener Keramik, Fragmenten von Tellern und Gefäßen auf Leinwand. Er wird Teil einer aufkommenden Gruppe von Neo-Expressionisten, die sich gegen den kühlen Minimalismus und Informel stellt und eine spontane, gestische und impulsivere Kunst propagiert. Schnabel erarbeitet sich den Ruf eines Exzentrikers, malt auf Samt und Tierhäuten. Er gilt als eigenwillig und unabhängig, aber die Kunstwelt zollt ihm Respekt: Er ist Teil von Großausstellungen wie der Biennale in Venedig und erste Retrospektiven werden in London, Paris, Düsseldorf und in New York gezeigt.

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Als seine Karriere Ende der 1980er-Jahre zu stagnieren droht, erfindet er sich einfach neu und beginnt, Filme zu drehen. Dem tragischen Kunst-Wunderkind und befreundeten Maler Jean-Michel Basquiat, der jung an einer Überdosis starb, widmete Schnabel 1996 mit "Basquiat" eine zarte Hommage. Für "Schmetterling und Taucherglocke", sein Porträt des einstigen Herausgebers der französischen "Elle", Jean-Dominique Bauby, der durch einen schweren Schlaganfall aus dem Leben gerissen wurde und nur noch mit seinen Augenlidern kommunizieren konnte, gewinnt Schnabel bei den Filmfestspielen von Cannes 2007 den Regiepreis und im gleichen Jahr auch einen Golden Globe.

Er gilt als talentierter Regisseur, seine Filme werden als visuelle Meisterwerke gefeiert. Sich selbst sieht er jedoch immer noch als Maler. "Mit der Malerei bin ich verheiratet, das Filmemachen ist meine Geliebte." Und seine Frau bleibt ihm treu, seine Malerei erlebt ein Comeback, Schnabels Arbeiten sind in vielen namhaften Sammlungen vertreten, große Museen widmen ihm Ausstellungen. Wie er in einem Interview bekräftigt: "Wenn ich ein Problem habe, male ich, bis es verschwindet."

Auf Linien folgen Farben, die Geste des einen wird durch den anderen ergänzt. Die nun im Osthaus Museum Hagen gezeigten, gemeinsam entstandenen Arbeiten der Künstler vereinen die Handschriften beider in einem spielerischen Dialog. Durch Spon­ta­ne­i­tät und doch intensiven Austausch sind Werke entstanden, die Substanz und Tiefe zweier meisterhafter Künstler kombinieren. Mit Acryl- und Sprühfarbe auf Leinwand und Linoleumboden haben Schnabel und Dokoupil Bilder geschaffen, die den wachen Geist und die expressive Grundhaltung beider in sich vereinen, geheimnisvoll inszeniert und erzählend komponiert gleichermaßen. Im offenen Dialog konnten die beiden trotz oder gar wegen ihrer formalen Gegensätzlichkeit eine eindringliche Gemeinsamkeit entwickeln.

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Vielleicht ist es aber auch eine familiäre Gemeinsamkeit, die den Entstehungsprozess der Ausstellung "Two Czechoslovakians walk into a bar" erleichtert hat: Die Väter von Julian Schnabel und Jiří Georg Dokoupil kamen beide aus der damaligen Tschechoslowakei.

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Die Dokumentation "Julian Schnabel - Im Pyjama in den Kunsthimmel" mit Wolfram Kons ist jederzeit abrufbar bei TV NOW. Und die Dokumentation "Georg Dokoupil - Seifenblasen und Kerzenschein" gibt es hier bei TV NOW.

ntv art präsentiert in Kooperation mit Geuer & Geuer Art jeden Monat bedeutende Künstler der internationalen Kunstszene.

Quelle: ntv.de

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