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Julian Schnabel mag große Formate - und das Malen im Freien, denn das Licht ist dort so hell und erbarmungslos: Was im Freien bestehen kann, kann es in Innenräumen dann auch, meint er.
Julian Schnabel mag große Formate - und das Malen im Freien, denn das Licht ist dort so hell und erbarmungslos: Was im Freien bestehen kann, kann es in Innenräumen dann auch, meint er.(Foto: Porfirio Munoz)
Mittwoch, 10. Januar 2018

Ein Film wie eine Hymne: Julian Schnabel - überlebensgroß

Von Andrea Beu

Viele kennen nur seinen Sohn Vito, Heidi Klums Ex, aber hier geht es um Julian Schnabel, den Maler und Regisseur. Der Film kommt sehr nah an ihn ran, Schnabel lässt in sein privates Archiv blicken. Familie und Freunde kommen zu Wort, darunter viele Stars.

Julian Schnabel ist das, was man wohl guten Gewissens einen Lebemann nennen kann - aber ein hart arbeitender. Die Bilder des 1951 in New York geborenen Malers sind riesig, ständig probiert er neue Techniken, neue Materialien aus; außerdem dreht er seit den 1990er-Jahren auch Filme und das sogar größtenteils erfolgreich: zuerst 1996 "Basquiat" über den jung verstorbenen Künstler Jean-Michel Basquiat (mit dem er befreundet war), 2000 dann "Before Night Falls" über den Kubaner Reinaldo Arenas, den Javier Bardem spielte und der dafür Oscar-nominiert wurde. Schnabels größter Film-Erfolg aber wurde 2007 "Schmetterling und Taucherglocke", für den er Preise in Cannes und bei den Golden Globes abräumte. Im selben Jahr entstand die Doku "Lou Reed's Berlin" und 2010 "Miral", die Verfilmung eines Romans seiner damaligen Lebensgefährtin Rula Jebreal.

Schon als Kleinkind zeichnete Julian Schnabel wie verrückt, erzählt seine Schwester.
Schon als Kleinkind zeichnete Julian Schnabel wie verrückt, erzählt seine Schwester.(Foto: Porfirio Munoz)

Im Film "Julian Schnabel - A Private Portrait" des italienischen Regisseurs Pappi Corsicato nun geht es um ihn als Privatperson, um seinen Werdegang als Künstler, um seinen gesamten Weg vom Sonnyboy und Surfer zum weltberühmten und erfolgreichen Maler, zum Enfant terrible - und auch zum mehrfachen Vater. Alle kommen zu Wort: Seine (durchweg sehr schönen) Frauen, seine Kinder, seine Galeristen, seine Freunde und Bewunderer, darunter Stars wie Al Pacino, Laurie Anderson, Willem Dafoe, Bono und Emmanuelle Seigner.

Immer gern im Schlafanzug

Der Film startet in Deutschland am 11. Januar 2018.
Der Film startet in Deutschland am 11. Januar 2018.(Foto: Weltkino Filmverleih)

Und auch er selbst erzählt, dieser riesige, immer sehr präsente, selbstbewusste Kerl, der irgendwann mal anfing, den Schlafanzug zu seinem Markenzeichen zu machen, indem er bei allen möglichen Gelegenheiten im Pyjama auflief. Eins seiner künstlerischen Markenzeichen wurde das "Malen mit Scherben", also seine großen Bilder aus zerbrochenen Tellern und Tassen, mit denen er ab 1979 die Kunstwelt überraschte. Schnabel gilt schließlich als einer der berühmtesten Vertreter des Neoexpressionismus.

Für den Film lässt er in sein privates Archiv blicken, man sieht ihm beim Malen zu, beim Spielen am Strand mit kleinen Kindern. (Und Kinder hat er ja einige - mit seiner ersten Frau, Jacqueline Beaurang, sind es drei mittlerweile erwachsene: Lola, Stella und Vito. Seine zweite Frau Olatz Lopez Garmendia bekam die Zwillinge Cy, benannt nach dem Maler Cy Twombly, und Olmo, nun auch schon Mittzwanziger. Und schließlich ist da noch Shooter Sandhed, geboren 2013 - seine Mutter ist das Model Lykke May Andersen.) Schnabel führt durch sein Anwesen, den zwölfstöckigen "Palazzo Chupi" in Manhattan, den er selbst im Stile eines italienischen Palazzos entworfen hat. Mit Garage, Kunstgalerie, Swimmingpool und enorm vielen Räumen. Warum er das gebaut hat? Weil er mehr Platz haben wollte - und "weil ich es konnte". Ein Lebemann eben.

In New York hat er sich seinen eigenen Palast gebaut.
In New York hat er sich seinen eigenen Palast gebaut.(Foto: Porfirio Munoz)

Aber es steckt auch ein bisschen persönliche Geschichte dahinter: Der Sohn eines jüdisch-polnischen Einwanderers, der dem Holocaust entkam, wuchs in beengten Verhältnissen auf, so erzählt er es. Daher seine Vorliebe für große Räume und großformatige Kunstwerke.

Auf den Sockel gehoben

Regisseur Corsicato ist mit Schnabel befreundet und das merkt man dem Film auch an. Er erinnert an die "ultimative Lobhudelei" aus der (leider inzwischen eingestellten) TV-Sendung "Zimmer frei" - kritische Töne sind allenfalls zart angedeutet, etwa wenn ein Familienmitglied erzählt, Schnabel würde sowieso immer alles so machen wie er es will. Ansonsten wird durchgehend betont, wie großartig er ist. "Larger than life", überlebensgroß, so heißt es immer und immer wieder, darunter geht es nicht. Das hinterlässt einen leicht faden Beigeschmack.

Schnabel wird ja durchaus kontrovers diskutiert und hatte auch seine erfolglosen Phasen zwischendurch; "A Private Portrait" lässt die Kontroversen aber aus. Auch sein Film-Flop "Miral" wird überhaupt nicht erwähnt. Wer sich für den Künstler und Menschen Julian Schnabel interessiert, ist in dem Film dennoch goldrichtig - ein wirklich privates Porträt, das sehr nah an seine strahlende, glänzende Seite herankommt. Die kritische Dimension muss man sich dann dazudenken.

"Julian Schnabel: A Private Portrait" startet am 11. Januar 2018 in deutschen Kinos.

Julian Schnabel bei n-tv Art.

Quelle: n-tv.de