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Drängende Suche nach Impfstoff Drosten: Brauchen Abkürzung bei Zulassung

Drosten ist Virologe der Charité Berlin.

Drosten ist Virologe der Charité Berlin.

(Foto: picture alliance/dpa)

Virologe Christian Drosten hält eine neue Studie über die massive Virus-Ausbreitung für glaubwürdig. Die Ergebnisse seien zum Verzweifeln - es müsse unbedingt ein Impfstoff gefunden werden. Dafür sei es an der Zeit, dass Wissenschaftler neu denken.

Neue Zahlen einer britischen Studie des Imperial College London sagen eine massive Ausbreitung von Covid-19 voraus. Virologe Christian Drosten lobt die Studie als eine der besten, die es bisher zur Coronavirus-Epidemie gibt - und sieht auch in Deutschland einen weiteren Anstieg der Infektionen auf die Bevölkerung zukommen. In seinem NDR-Podcast fordert er deshalb eindringlich: "Wir müssen natürlich nicht die gesamte Bevölkerung mit etwas versorgen, aber zumindest die Risikogruppen und vor allem die älteren Personen."

Er habe sich die Zahlen immer wieder angeschaut und sei nun zu einem persönlichen Schluss gekommen: "Wenn wir nicht eine erhöhte Todesrate in der älteren Bevölkerung akzeptieren wollen, dann müssen wir, was den Impfstoff angeht, regulative Dinge außer Kraft setzen - und schauen, wo können wir einen Impfstoff herbeizaubern, der schon relativ weit entwickelt ist, der vielleicht schon klinisch ausprobiert wurde", erklärt Drosten. Dies sei aber seine ganz persönliche Meinung, betont er in dem Podcast.

Für solche Risiken bei einer veränderten Zulassung müsste dann der Staat haften. "Das sind alles ganz schwere Entscheidungen, weil das am Ende viele Menschen betreffen würde und das ist alles gar nicht ins Reine gedacht", erklärt Drosten weiter. "Ich denke, wir müssen diesen Denkprozess unter Experten und in der Wissenschaft jetzt starten, auch ungewöhnliche Optionen denken, wenn wir an diese Modellierungszahlen glauben."

*Datenschutz

Weiterhin appelliert er an die gesamte Bevölkerung, soziale Distanzierung zu praktizieren - und nicht mehr mit mehreren Personen in einem Café zu sitzen. Nur, wenn die nun getroffenen Maßnahmen auch durchgezogen und die Kapazität beispielsweise bei den Beatmungsmöglichkeiten erhöht würden, könne Deutschland "gerade soeben die Kurve kriegen", damit das Gesundheitssystem dieser Belastung standhalte.

In dem NDR-Podcast weist der Virologe auch Vorwürfe gegen ihn und sein Labor zurück, er würde mit der Epidemie Geld verdienen.

Quelle: ntv.de, sgu